Zenbo: Asus stellt Haushaltsroboter vor

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Ein Roboter als Haushaltshelfer – klingt nach Zukunftsmusik aus Science-Fiction-Filmen. Doch weit gefehlt: Asus schickt mit Zenbo den niedlichen Bruder von R2D2 ins Rennen.

Ein Gartenroboter mäht den Rasen? Ihr iPhone zeigt Ihnen den Weg zur nächsten Tankstelle? Ihre Zahnbürste verfügt über Blutooth? Das ist ja so 2015! Asus zeigt mit dem Zenbo, wie der smarte Helfer der Zukunft aussehen könnte. Zenbo fährt durchs Haus, redet mit seinen Besitzern, erinnert an Aufgaben, spielt auf Zuruf die Lieblingsmusik über die Stereoanlage ab oder liest in der Küche das Rezept für das Abendessen vor – und das ist nur ein Bruchteil dessen, was der kleine Roboter kann.

Zenbo

Zenbo spielt auf Zuruf Ihre Lieblingsmusik ab und tanzt sogar dazu. Außerdem erinnert er Sie an bevorstehende Arzttermine und unterstützt die Funktionen in Ihrem „Smart Home“.

Roboter mit Kulleraugen und viel Potenzial

Mit der Präsentation von Zenbo auf der Computex in Taiwan hat Asus nicht nur die Konkurrenten überrascht, auch Marktbeobachter wurden (in positiver Hinsicht) kalt erwischt. Neben den üblichen Smartphones und anderen Gadgets setzten die Taiwaner bei ihrem Heimspiel ein echtes Ausrufezeichen. Nein, Zenbo ist nicht der erste smarte Roboterhelfer. Was den Neuling besonders macht, ist die Kombination aus charmantem Äußeren und smarten Funktionen.

Zenbo: Ein Hauch von Wall-E, eine Prise R2D2

Asus setzt beim Design von Zenbo voll und ganz auf das Kindchenschema: Mit großen Augen schaut uns der kleine Helfer an, lacht, wenn er über die eingebaute Kamera ein bekanntes Gesicht erkennt, erschrickt, wenn laute Geräusche ihn „ablenken“. Ja, das alles ist nur eine Kombination aus Einsen und Nullen, präsentiert auf einem hochauflösenden Front-Display, das als Gesicht für Zenbo dient. Aber, was soll ich sagen: Es funktioniert! Man muss schon reichlich abgestumpft sein, um beim Blick in die Kugelaugen des Hilfsroboters keinen „Den will ich!“-Reflex zu verspüren.

Zenbo Asus

Kulleraugenalarm: Das süße Gesicht von Zenbo beherrscht verschiedene Emotionen und ist gleichzeitig ein Touch-Bildschirm.

Zenbo schickt sich an, den Charme der Roboter-Lieblinge Wall-E, Nummer 5 und R2D2 in die eigenen vier Wände zu holen. Der Roboter von Asus hat das Zeug zum modernen Furby – nur eben mit echten Mehrwert-Funktionen.

Asus Zenbo: Was er kann – und was nicht

Asus vermarktet seinen Roboter als eierlegende Smart-Wollmilchsau: Zenbo kann nicht nur auf unterschiedliche Art und Weise mit den Nutzern kommunizieren, er übernimmt auch die Steuerung von kompatiblen Geräten im „Smart Home“, eignet sich für die Videotelefonie, überwacht per Videokamera das Haus, wenn die Besitzer unterwegs sind und meldet sich auf Wunsch, wenn etwas nicht stimmt. Asus sieht auch Hilfsbedürftige als Zielgruppe für Zenbo. Auf Zuruf kontaktiert der Roboter bei Notfällen die Angehörigen oder ruft den Notarzt. Kurzum: Er kann eine Menge. Fairerweise sei gesagt, dass darunter wenig ist, was nicht auch Smartphones und Tablets erledigen könnten. Was Zenbo von der Masse der „smarten“ Geräte abhebt, ist vor allem seine Persönlichkeit: Er reagiert auf bekannte Gesichter und ist sogar in der Lage, Konversation mit seinen Besitzern zu führen. Auf Anfrage liest er beispielsweise dem Nachwuchs eine Geschichte vor oder startet ein Lernprogramm, das bei den Hausaufgaben hilft.

Zenbo Roboter

Zenbo kann – wenn gewünscht – Ihren Kindern eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen. Diese liest er mit verschiedenen Stimmen. Auf seinem Display zeigt er dazu sogar passende Bilder an.

Das alles sind übrigens nur die Features, die Zenbo ab Werk beherrscht. Asus will zusätzlich externe Entwickler für Zenbo begeistern. Über eine App-Schnittstelle können Programmierer Zenbo mit neuen Funktionen erweitern, Features von bestehenden Internetdiensten mit dem Roboter verknüpfen und mehr. Interessenten können sich auf einer eigens eingerichteten Webseite (Link) als Zenbo-Entwickler registrieren – hier dürfte auf jeden Fall noch einiges an Potenzial für den Robo-Winzling schlummern.

Zenbo

Auch ältere Menschen könnten von dem kleinen Roboter profitieren. Zenbo erinnert an die Einnahme von Medikamenten. Darüber hinaus kann er im Notfall Hilfe rufen oder Angehörige per SMS benachrichtigen.

Bei allen praktischen Funktionen, die Zenbo mit sich bringt, gilt dennoch: Den ultimativen Roboter-Assistenten wird Asus (noch) nicht liefern können – allein schon, weil Zenbo keine Arme hat. Die Hoffnung, die Hausarbeit vom smarten Kompagnon erledigen zu lassen, muss also vorerst begraben werden. Auch ist (noch) nicht klar, ob Zenbo in irgendeiner Weise dazu fähig ist, Treppen oder andere Hindernisse zu überwinden.

Preis bekannt, Termin nicht

Ein Blick auf die Marketing-Homepage von Zenbo (Link) lässt kurz die Hoffnung aufkeimen, dass der kleine Kerl in den üblichen „ein bis drei Werktagen“ bei mir zu Hause sein könnte – doch leider weit gefehlt. Zwar weiß Asus schon, dass der Roboter für rund 600 Euro den Besitzer wechselt, einen Termin für den Verkaufsstart ließen die Taiwaner bislang aber leider offen. Auch bei den technischen Daten halten sich die Macher vornehm zurück. Wir wissen derzeit weder, wie lange der Akku des kleinen Roboters durchhält, noch, wie die Erweiterung per App, Smartphone und Co. funktionieren soll. Leider sind viele Details zu Zenbo bislang schwammig. Bis Asus mit weiteren Infos herausrückt, können wir uns aber am Oscar-reifen Imagefilm erfreuen, der Zenbo in diversen Situationen zeigt.

Fazit: Asus, rückt den Zenbo raus!

Es freut mich, dass sich mit Asus erstmals eine echte Branchengröße an das Thema „Roboter für zu Hause“ wagt. Zenbo hat das Potenzial, mehr zu sein, als nur ein Spielzeug. Ja, ja, ich weiß: Zenbo ist die Lösung für ein Problem, das es nicht gibt. Der Roboter kann – Stand jetzt – nicht viel mehr, als mein Smartphone oder die diversen Tablets dieser Welt. Und ja, ich würde meinen künftigen Kindern lieber selber eine Geschichte vorlesen und mich nicht durch ein noch so smartes Gerät ersetzen lassen, der deutsche Moral-Zeigefinger darf also unten bleiben.

Zenbo

Einen Termin für die Markteinführung von Zenbo hat Asus noch nicht genannt. Ebenso wenig wie Details zur technischen Ausstattung und zum spannenden Thema Datenschutz.

Trotzdem kann ich es kaum erwarten, den Roboter einmal im eigenen Haushalt zu testen. Das Ding macht einfach einen tollen Eindruck, löst bei mir einen Spieltrieb aus, der an selige Kindertage erinnert. Während ich als iPad-Besitzer kein Wort mit Apples Siri wechseln will, bin ich auf die Konversation mit Zenbo wirklich gespannt. Was Asus hier liefert, könnte tatsächlich ein großer Schritt in Richtung smarter Zukunft sein. Daher hoffe ich, dass Asus den potenziellen Robo-Kumpan nicht allzu lange in seinen Entwicklerlaboren schmoren lässt und Zenbo bald die Marktreife erreicht. Ach ja, auch wenn es Zenbo an Armen mangelt: Als Fan der Romane von Isaac Asimov wünsche ich aber trotzdem, dass sich das Helferlein brav an die Robotergesetze hält…

Fotos: Asus