Windows 10: Fehlende Funktionen problemlos nachrüsten

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Auch Microsoft schneidet manchmal alte Zöpfe ab: Nach dem Update auf Windows 10 werden viele Anwender feststellen, dass gewisse Features älterer Windows-Versionen nicht mehr vorhanden sind. Wenn DVD-Player, Media Center und Co. fehlen, können die Funktionen aber problemlos nachgerüstet werden.

Das kostenlose Windows-10-Update ist installiert, trotzdem staunt man nicht schlecht: Wo sind Media Center, DVD-Player, DVD- und Movie-Maker und Leistungsindex hin? Und wieso werden Diskettenlaufwerke nicht mehr unterstützt? Gut, viele Nutzer werden diese Funktionen in Windows 10 kaum vermissen, einigen mag der Verlust jedoch essenziell erscheinen. Für all jene, die nach wie vor auf Diskettenlaufwerk, Media Center und DVD-Player angewiesen sind, gibt es aber gute Nachrichten: Sämtliche Funktionen können bequem und kostenlos nachgerüstet werden – auch wenn sie eventuell nicht mehr direkt von Microsoft stammen, sondern von Drittanbietern.

Windows 10 unterstützt die Office Word, Excel und PowerPoint .Mobile Apps für eine konsistente und für die Touch-Bedienung optimierte Nutzererfahrung über alle Devices

Windows 10 unterstützt die neuen Office Word, Excel und PowerPoint Mobile Apps für eine konsistente und für die Touch-Bedienung optimierte Nutzererfahrung über alle Devices.

Gegenüber den Original-Lösungen können Anwender aber in der Regel nur gewinnen, denn Microsoft hatte die Windows-Originalprogramme ohnehin nie wirklich reichhaltig mit Funktionen ausgestattet. Deshalb kann es auch bei Nutzung von Windows 7 oder 8/8.1 durchaus sinnvoll sein, die besseren Alternativen zu verwenden. Beginnen wir beim Media Center:

Media Center ist weg – doch es gibt bessere Alternativen

Das mit Windows XP im Jahr 2002 eingeführte und inzwischen recht angestaubte Windows Media Center – seinerzeit eine Innovation – ist mit Windows 10 endgültig aus dem Betriebssystem verschwunden. Microsoft bietet die Software nicht mehr separat an, ergo kann die Funktion auch nicht nachinstalliert werden. Dafür gibt es eine Alternative: Die Medien-Center-Tools Kodi – ehemals XMBC (Link) – und Plex (Link) sind ohnehin leistungsstärker als Windows Media Center je gewesen ist und bieten nicht nur eine übersichtliche Bedienung am heimischen TV-Gerät, sondern auch eine Reihe praktischer Funktionen. Neben dem obligatorischen DLNA-Streaming können sie zum Beispiel auch Airplay-Geräte ansprechen und sind durch ihr Open-Source-Konzept deutlich funktionaler als die Microsoft-Lösung. Weiterhin bieten sie nicht nur Unterstützung für alle nur denkbaren Video-, Musik- und Bilddateitypen, sondern auch Zugriff auf sämtliche Streamingdienste und Mediatheken.

Mit Windows 10 kehrt das Startmenü zurück und bietet die schnelle Möglichkeit, direkt auf wichtige Elemente zuzugreifen.

Mit Windows 10 kehrt das Startmenü zurück und bietet die schnelle Möglichkeit, direkt auf wichtige Elemente zuzugreifen.

Sogar Live-TV ist kein Problem, wenn entsprechende Hardware vorhanden ist. Insbesondere Kodi hat dabei den Vorteil, auch auf schwächerer Hardware zu arbeiten und für eigentlich alle Betriebssysteme verfügbar zu sein, sogar für den Raspberry Pi oder Android-Smartphones – und natürlich für Windows 10. Wer den Wegfall des Windows Media Centers beklagt, sollte dies also eher als Chance sehen. Zumal Kodi und Plex als freie Software auch nicht einfach eingestellt werden können, sondern vermutlich bis in alle Ewigkeit gepflegt werden.

Wo ist der Windows-DVD-Player?

Ein entspannter DVD-Filmabend am Rechner? Nicht mit Windows 10: Microsoft hat in seiner neuesten Betriebssystemversion offensichtlich beschlossen, dass DVD-Fans zahlen müssen: Die offizielle DVD-Player-App wurde gestrichen, Ersatz gibt es nur im Windows-Store – und das für unverschämte 14,89 Euro. Das Geld können Sie sich getrost sparen: Auch hier hilft das Media Center Kodi beziehungsweise der VLC-Player (Link), falls Sie Wert auf eine etwas kleinere Alternative legen. Dieser spielt beliebige Medienformate ab, ohne sich dabei wie ein sperriges Media Center den ganzen Bildschirm unter den Nagel zu reißen und gibt natürlich auch DVDs wieder. Sobald Sie eine DVD einlegen, wird sie von VLC erkannt und abgespielt.

Ersatz für den DVD- und den Moviemaker

Microsoft hat die DVD ganz offensichtlich für obsolet erklärt, weshalb auch die Programme DVD-Maker und Movie-Maker nicht mehr unter Windows 10 vorhanden sind. Wirklich gebraucht hat sie wohl niemand – die Alternativen waren seit jeher zu gut – trotzdem gibt es sicher den ein oder anderen User, der den beiden Programmen nachtrauert. Für ganz besonders hartgesottene Microsoft-Fans besteht zumindest beim Movie-Maker (Link) die Möglichkeit, die „aktuelle“ Version 2012 kostenlos herunterzuladen und zu installieren, während der DVD-Maker ersatzlos gestrichen wurde. Wie schon beim DVD-Player verweist Microsoft auf Apps im Windows-Store, hier sind jedoch kaum entsprechende Tools zu haben und wenn, sind sie kostenpflichtig.

Windows 10 bietet eine einheitliche Software-Plattform für alle Geräte und berücksichtigt dabei die spezifischen Eigenschaften von Tablets, Notebooks, Smartphones, der Xbox bis hin zum Internet der Dinge.

Windows 10 bietet eine einheitliche Software-Plattform für alle Geräte und berücksichtigt dabei die spezifischen Eigenschaften von Tablets, Notebooks, Smartphones, der Xbox bis hin zum Internet der Dinge.

Zum Glück gibt es auch hier Alternativen: Wenn Sie lediglich eine Daten-DVD brennen wollen, sind Sie mit dem Windows-eigenen Brennprogramm gut beraten. Geht es jedoch darum, ganz klassisch eine Film-DVD mit Menüs und verschiedenen Grafiken und Funktionen zu erstellen, müssen Sie auch hier zur Open-Source-Lösung greifen: Das Gratis-Programm DVD-Styler (Link) ermöglicht das Authoring von DVDs unter Windows, Mac OS X oder Linux und hat damit gegenüber Microsofts DVD-Maker den weiteren Vorteil, dass Projektdateien plattformübergreifend eingesetzt werden können.

Windows-Leistungsindex wieder einsetzen

Auch der Leistungsindex fiel Microsofts Rationalisierung zum Opfer, allerdings schon unter Windows 8.1. Er berechnet einen Wert für die Systemgeschwindigkeit anhand einiger Hardwarefaktoren wie Prozessor, Grafikkarte, RAM und Festplatte und gibt diesen als Punktestand zwischen 1 und 10 aus. Je höher der Wert, desto schneller ist das System und damit um so besser für Windows 10, Spiele und andere Anwendungen geeignet. Mit dem Gratis-Tool ChrisPC Win Experience Index (Link) holen Sie die Funktion zurück in Windows 10: Installieren Sie das Programm einfach und lassen Sie sich ein Benchmark Ihres PCs ausgeben. Der Punktestand verrät, wie schnell das System wirklich ist – und ob es gegebenenfalls Mittel und Wege gibt, die Geschwindigkeit zu verbessern.

Ein letzter Tipp für alle, die noch Disketten brauchen

Ja, auch die Disketten-Unterstützung wurde aus Windows 10 entfernt. Vermutlich werden die wenigsten Anwender das überhaupt merken – Windows-PCs werden bereits seit Jahren standardmäßig ohne Diskettenlaufwerk ausgeliefert – doch hin und wieder sind dann doch Daten auf den alten 3,5“-Plastikscheiben vorhanden, die ihren Weg auf den PC finden müssen. In solchen Fällen bleibt nur eine Möglichkeit: Ein aktuelles USB-Floppydrive muss angeschlossen und der aktuellste Treiber per Windows-Update von Microsoft heruntergeladen werden. Interne Floppy-Laufwerke hingegen sind ab sofort obsolet, und das wird auch so bleiben. Allerdings gibt es ein, wenn auch nicht ganz so simples, Workaround: Besonders viele Daten dürften kaum auf Disketten vorhanden sein – warum also nicht einfach einen alten PC mit einer älteren Windows-Version reaktivieren, alle Disketten auslesen und die Daten auf einem moderneren Medium wie einer externen Festplatte oder einem USB-Stick speichern?