Tomaten pflanzen: Anleitung zur Aussaat

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Ob Saucen, Salat oder Säfte: Tomaten sind aus der deutschen Küche nicht mehr wegzudenken. Grund genug, in diesem Frühling Liebesäpfel zu pflanzen. Ob auf dem Balkon, im Garten oder Gewächshaus – wie Sie die Tomatenpflanze richtig kultivieren und was ein sächsischer Apotheker damit zu tun hat.

Im sächsischen Torgau direkt an der Elbe blühte einst ein Kräutergarten. Der Gärtner, ein Apotheker namens Joachim Kreich, hegte und pflegte seine Grünoase, steckte sein ganzes Herzblut in das kleine Stück Land. War es doch für Wissenschaftler, etwa den Stadtphysikus Johann Kentmann, von besonderem Interesse. Denn: Apotheker Kreich war einer von nur vier Menschen in Deutschland, die um 1543 Tomatenpflanzen kultivierten. Ob er diese Liebesäpfel, die angeblich aphrodisierend wirkten, auch in seiner Apotheke verkaufte, ist nicht überliefert. Die Familie Moser führte den Garten bis zu seiner Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg weiter. Die letzte Ruhestätte des Apothekers an der Elbe ist nicht bekannt.

Tomatenpflanzen werden von Menschen aber nicht erst seit dem Mittelalter kultiviert. Ursprünglich stammt die Frucht aus Mittelamerika, wo die Maya bereits 700 vor Christus Xitomatl und Tomatl anpflanzten. Womöglich hat Kolumbus Samen der Pflanze um 1500 nach seinen Entdeckungsfahrten über den großen Teich in Europa eingeführt.

Außer Joachim Kreich befassten sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts noch weitere Botaniker mit der Tomate. Pietro Andrea Mattioli etwa, der der Pflanze den Namen „Pomi d’oro“ verpasste – goldener Apfel. Andere Naturforscher bezeichneten die Tomate als peruanischen Apfel oder Paradeiser. Wurde die Pflanze damals noch zur Zierde eingesetzt, ist sie spätestens seit Ende des 18. Jahrhunderts in der Küche allgegenwärtig. Laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen wurden 2016 rund 85.000 Tonnen Tomaten in Deutschland geerntet.

Lesetipp der Redaktion: Sie haben bereits Tomaten gepflanzt und wollen nun ehr Tipps für die richtige Pflege? Dann hilft Ihnen unser Ratgeber zum „Tomaten richtig pflegen“ weiter.

Der ideale Standort zum Tomaten pflanzen

Das Nachtschattengewächs stammt ursprünglich aus Mittelamerika, wo bekanntermaßen ein ganz anderes Klima vorherrscht als in den kalten Gefilden Deutschlands. Deswegen sollten Sie den Standort ganz bewusst wählen, wenn Sie Tomaten pflanzen möchten. Üblicherweise wachsen die roten Früchte in Gewächshäusern, wo Botaniker mit bis zu 35 Grad Celsius ideale Bedingungen herstellen können. Ein kleines Gewächshaus im Garten bietet sich an, ist aber nicht für jeden machbar.

Auch im Kübel oder im Beet können Tomatenpflanzen gedeihen. Ob Garten oder Balkon ist Jacke wie Hose. Wichtig: Die Tomate liebt Wärme und Sonne. Auf einem Nordbalkon können Pflanzen also weniger gut gedeihen, ein Standort in Südrichtung ist besser geeignet. Suchen Sie sich einen sonnigen Ort – am besten vor einer weißen Wand, die reflektiert das Sonnenlicht und spendet der Tomatenpflanze noch mehr Licht und Wärme. Achten Sie darauf, dass die Ecke windgeschützt ist.

Sonne und Wärme sind essenziell für das Tomaten pflanzen.

Im Beet oder Kübel kann man optimal Tomaten pflanzen. Dafür braucht sie viel Sonnenlicht und Wärme.

Der Boden sollte locker und humusreich sein. Schwere und harte Böden, in denen leicht Staunässe entsteht, sind nicht für Tomatenpflanzen geeignet. Nach den Eisheiligen im Mai ist der beste Zeitpunkt zum Tomaten pflanzen. Das heißt, dass Sie dann auch die herangezogenen Setzlinge nach draußen verfrachten können. Der Winter ist zum Tomaten pflanzen nicht geeignet, auch nicht auf der Fensterbank, da zu wenig Sonnenlicht die Pflanzen erreicht.

Welche Tomatensamen sind geeignet?

Sie können Jungpflanzen im Gartencenter kaufen und diese einpflanzen. Wer aber ambitionierter ist und vielleicht auch alte Sorten kultivieren möchte, sollte Samen kaufen und die Tomate von Anfang an hochziehen. Saatgut ist viel günstiger als gezüchtete Jungpflanzen und Sie können sich über eine größere Vielfalt freuen. Aber Achtung: Bei den Samen gibt es Qualitätsunterschiede. Der beste Zeitpunkt für die Aussaat ist Mitte bis Ende März. Die kalten Tage sollten Sie auf jeden Fall abwarten. Die Samen können Sie auf der Fensterbank heranzüchten. Zum Keimen benötigen Tomatensamen kein Licht, bedecken Sie die Aussaat daher mit etwas Erde und halten Sie diese stets feucht. Pflanzen Sie die Samen in Multitopfplatten und setzen Sie in jede Platte nur ein Samenkorn. Damit ersparen Sie sich hinterher das Vereinzeln der Jungpflanzen.

Die Samenkörner der Tomatenpflanze zunächst getrennt einpflanzen.

Saatgut ist eine günstigere Alternative zu gezüchtete Jungpflanzen. Samenkörner sollten zunächst getrennt voneinander eingepflanzt werden.

Bei der Auswahl der Samen werden Ihnen Begriffe wie „F1“ oder „samenfest“ begegnen. Samenfeste Sorten bringen Pflanzen zutage, die sich mit den enthaltenen Samen weiter entwickeln können. Aus einem Gurkensamen wächst eine Gurke heran. Die enthält ganz viele Samen, aus denen weitere Gurken entstehen können. Bei nicht samenfesten Sorten ist die Fortpflanzung nicht garantiert. Entweder sind die Samen komplett steril oder aber sie bringen Pflanzen hervor, die nicht mehr die gleichen Eigenschaften wie die Mutterpflanze haben. Solche Sorten kennzeichnen die Gärtnereien mit „F1“.

Anleitung: Tomaten pflanzen

  • Setzen Sie die Samen (am besten samenfeste Sorten) ab Mitte März einzeln in kleine Töpfe mit Erde. Dafür bieten sich kleine Anzuchtstationen an. So kann sich jeder Setzling ausbilden, ohne sich den Platz mit einer anderen Pflanze teilen zu müssen.
  • Bedecken Sie die Plastiktöpfchen mit Klarsichtfolie – so erreichen Sie einen kleinen Treibhauseffekt.
  • Wenn Sie ein beheiztes Gewächshaus haben, können Sie schon im Februar mit der Aussaat beginnen.
  • Bedecken Sie die Samen mit Erde und halten Sie diese feucht. Innerhalb der nächsten zwei Tage entwickeln sich die Jungpflanzen.
  • Sobald die Anzuchtstation zu klein wird, können Sie die kräftigen Jungpflanzen in den Garten umtopfen. Dies sollte nicht vor Mitte Mai geschehen. Wenn Sie die Jungpflanzen zu früh nach draußen setzen und es noch zu kalt ist, kann das das Wachstum beeinflussen.
Tomaten pflanzen im Garten.

Wird die Anzuchtstation der Tomatenpflanze zu klein, können die Jungpflanzen in den Garten umgetopft werden. Jedoch nicht vor Mitte Mai, da es draußen ansonsten noch zu kalt ist.

  • Achten Sie darauf, dass die Erde locker und humusreich ist. Sie können etwa Blumenerde mit Sand mischen. Eine spezielle Tomatenerde ist nicht nötig. Geben Sie etwas Flüssigdünger oder Kompost auf die Erde. Achten Sie darauf, dass die Erde nicht zu kalt ist.
  • Pflanzen Sie die Tomaten bis zum ersten Blattansatz in Erde ein. Das entspricht ungefähr zehn Zentimetern. Die Pflanze bildet so am unteren Stängel feine Wurzeln aus, die noch mehr Nährstoffe aufnehmen können.
  • Die meisten Tomaten benötigen eine Stütze. Setzen Sie deswegen Stangen mit ins Beet. Drehen Sie die Pflanze um diesen Rankstab herum.
  • Achten Sie auf ausreichend Abstand zwischen den Tomatenpflanzen, ideal sind 80 Zentimeter, um Luftzirkulation zu gewährleisten.
  • Gießen Sie die Pflanzen beim ersten Mal kräftig.
  • Pflanzen Sie Tomaten nicht neben Kartoffeln an. Auch zu Gurken oder Fenchel sollte eine sichere Entfernung bestehen.
  • Gute Nachbarn sind Bohnen, Radieschen und verschiedene Kräutersorten.

Tomaten wachsen sehr schnell und sind ein äußerst dankbares Gewächs für den Hobbygärtner. Innerhalb weniger Tage bilden sich erste Triebe und die Jungpflanze kann bei richtiger Pflege schnell nach oben schießen. Und wer weiß, vielleicht schafft es Ihr Garten mit den Tomatenpflanzen auch zu solch einer Berühmtheit wie einst der Garten des Apothekers Kreich?

Welche Sorten der Tomatenpflanze gibt es?

Dabei gibt es aber nicht nur die eine Art von Tomaten. Es existieren rund 3.000 bekannte Sorten, die sich nicht nur in Form und Farbe unterscheiden, sondern auch in Konsistenz und Geschmack. Die Anzahl von Tomatensorten schätzen Botaniker aber wesentlich höher ein, da viele Züchter die Nachtschattengewächse im Verborgenen züchten. Wer einmal in Südfrankreich auf einem Mittelaltermarkt war, weiß, wie vielfältig die Tomate schmecken kann.

3000 Tomatensorten sind bekannt.

Es existieren circa 3000 bekannte Sorten von Tomaten mit ganz unterschiedlichen Geschmäckern.

Beliebt und bekannt sind vor allem Cocktailtomaten, Salattomaten, Fleischtomaten, Rispen-Tomaten oder Roma-Tomaten. Fleischtomaten sind aufgrund der hohen Fruchtfleischmenge gut geeignet zum Kochen. Roma-Tomaten haben eine länglichere Form und eignen sich perfekt für Tomatensaucen – sie haben nur wenige Kerne und besonders viel Fruchtfleisch. Die süßlichen Cocktailtomaten sind ein guter Snack für zwischendurch. Rispentomaten sind meist sehr geschmacksvoll, die Tomaten bleiben an der Rispe hängen, bis alle Früchte voll ausgereift sind. Erst dann wird geerntet.

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