Gesichter im Fokus: Porträtfotografie – Tipps für Einsteiger

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Porträts sind eine der ältesten Formen des Fotografierens. Ziel ist es, die Persönlichkeit des Fotografierten herauszustellen. Mit Canons EOS-Digitalkameras ist die Porträtfotografie ein Kinderspiel – wenn man über die richtige Ausrüstung und das nötige Know-how verfügt.

Ein gutes Porträtfoto ist eine Art Dokumentation einer Person. Es arbeitet den Charakter heraus und konserviert den Menschen an einem Punkt seines Lebens, der danach für immer vergangen sein wird. Dementsprechend sind Porträtfotos wunderbare Geschenke für den Fotografierten selbst oder seine Angehörigen. Genau das ist der Grund, warum mich immer wieder Freunde und Bekannte bitten, ein Porträtfoto von ihnen oder ihren Kindern anzufertigen.

Porträtfotografie Tipps

Konzentrieren Sie sich bei der Porträtfotografie auf die wesentlichen, prägenden Elemente. Experten sind sich einig: Bei Porträts sind die Augen und die Lippen immer am wichtigsten.

Porträtfotografie: Ein lichtstarkes Tele ist Pflicht

Als jemand, dessen fotografisches Können irgendwo zwischen Hobby und Professionalität oszilliert, benötige ich kein herausragendes Equipment: Es reicht eine APS-C- oder Systemkamera wie meine Canon EOS 60D oder die Canon EOS 100D. Für einfache Porträtfotos würde sogar das Standard-Kit-Objektiv (EF-S 18-55 IS STM) der Canon EOS ausreichen. Ich verwende aber zumeist das für diesen Zweck hervorragend geeignet und preiswerte Canon EF 50mm f/1.8 STM oder ein vergleichbares Glas.

Das Canon EF 50mm f/1.8 STM eignet sich ideal dazu, den Gesichtsausdruck von Freunden und Familienmitgliedern festzuhalten. Somit ist es das perfekte Objektiv für Hochzeiten, Partys und sonstige Veranstaltungen.

Das Canon EF 50mm f/1.8 STM eignet sich ideal dazu, den Gesichtsausdruck von Freunden und Familienmitgliedern festzuhalten. Somit ist es das perfekte Objektiv für Hochzeiten, Partys und sonstige Veranstaltungen.

Ich nehme Porträts üblicherweise ohne Blitz mit dem verfügbaren Licht auf. Die hohe Lichtstärke von f/1.8 ist dabei ausgesprochen hilfreich. Zudem hat sie einen weiteren positiven Nebeneffekt: Je lichtstärker ein Objektiv ist, desto mehr Tiefenunschärfe kann erzeugt werden. Die sorgt dafür, dass das Motiv, also die abgelichtete Person, buchstäblich „im Fokus“ steht. Der Hintergrund verschwimmt in einem unscharfen Bereich, dem sogenannten Bokeh.

Produkttipp: Das EF 50mm 1:1,8 STM ist der Nachfolger des EF 50mm 1:1,8 II. Die hohe Lichtstärke von 1:1,8 ermöglicht es, ein gestochen scharfes Motiv gegen eine attraktive Hintergrundunschärfe hervorzuheben. Das ist ideal für tolle Porträts, da die Person durch die „geringe Schärfentiefe“ zum zentralen Blickfang der Aufnahme wird.

Festbrennweite: Die Brennweite sollte bei der Porträtfotografie im Regelfall zwischen 50-100mm liegen. Mit dieser Brennweite legen Sie den Fokus auf das Hauptmotiv, den Menschen.

Festbrennweite: Die Brennweite sollte bei der Porträtfotografie im Regelfall zwischen 50-100mm liegen. Mit dieser Brennweite legen Sie den Fokus auf das Hauptmotiv, den Menschen.

Auch die Brennweite ist wichtig. Zwar sind Porträtfotos grundsätzlich mit jedem Objektiv möglich. Allerdings empfehlen sich mindestens 50mm, um Verzerrungen, die bei Weitwinkel-Objektiven auftreten, zu unterbinden. Dafür sind die 50 Millimeter am APS-C-Sensor meiner EOS 60D nahezu optimal: Durch den Crop-Faktor von 1,6 ergibt sich eine effektive Brennweite von 80mm.

Porträtfotografie: Nähe ist nicht gleich Nähe

Ein gutes Porträtfoto setzt auf Nähe zum Motiv. Allerdings ist Nähe nicht gleich Nähe. Verwendet der Fotograf ein starkes Weitwinkel und muss nah an das Gesicht des Models heran, hebt das die Nase unnötig hervor und verzerrt den Rest des Gesichts. Es entsteht ein leichter Fischaugen-Effekt.

Hinzu kommt: Unterbewusst erkennen Menschen, dass das Bild „zu nah“ ist. Sie empfinden es schlimmstenfalls als bedrohlich, wie amerikanische Psychologen herausgefunden haben (Nahaufnahme des Gesichts macht misstrauisch, scinexx Wissensmagazin).

Neben den Verzerrungen ist dies ein weiterer Grund, auf eine längere Linse zu setzen. Die 50mm, die ich verwende, sorgen allein durch die Brennweite für Nähe bei gleichzeitig angenehmer Distanz für den Betrachter. Die Entfernung selbst ist im Rahmen des Objektivs ein Stilmittel, mit dem Sie spielen können: Je näher das Gesicht ist, desto intimer wirkt das Foto. Entfernung hingegen „distanziert“ den Fotografierten vom Betrachter. Den Rest erledigt der Turnschuh-Zoom: Da an Festbrennweiten kein Zoomring vorhanden ist, regelt der Fotograf die Entfernung zum Motiv durch seine eigene Bewegung.

Natürliches Licht richtig für Porträtfotos einsetzen

Ich persönlich fotografiere Porträts wenn möglich ohne Blitz und mit dem verfügbaren Licht. Das bedeutet auch: Es darf nicht zu dunkel sein. Optimal ist natürlich Tageslicht, in Innenräumen können warme Lichtquellen wie beispielsweise Kerzen für die richtige Bildstimmung sorgen. Wichtig ist, dass das Licht nicht zu hart ist.

Das Tageslicht ist die einfachste und kostengünstigste Lichtquelle für Porträtaufnahmen. Hier sehen Sie die Canon EOS 70D im Einsatz.

Das Tageslicht ist die einfachste und kostengünstigste Lichtquelle für Porträtaufnahmen. Hier sehen Sie die Canon EOS 70D im Einsatz.

Bei Tageslicht etwa, das seitlich einfällt, werfen Augenhöhlen und Nase oft dunkle Schatten im Gesicht, die sich nur schwer korrigieren lassen. Von daher kann es sinnvoll sein, einen Aufhellblitz oder einen Reflektor einzusetzen. Dafür benötigen Sie eine helle Oberfläche, etwa eine weiße Wand oder eine dritte Person, die zum Beispiel einen Bogen Papier hält, um einfallendes Licht auf die andere Gesichtshälfte zu legen.

Das funktioniert natürlich nicht immer. Stattdessen können bei Aufnahmen am Fenster aber auch Gardinen oder der Schatten eines Baumes als Diffusor herhalten. Wenn doch der Blitz verwendet werden muss, empfiehlt sich der Einsatz eines Aufsteckblitzes anstelle des internen, sehr harten und sehr direkten Blitzes der EOS-Spiegelreflexkamera. Statt das Motiv „anzublitzen“, sollten Sie den Blitz so ausrichten, dass Wand und Decke als Bouncer fungieren. Das harte Licht wird dadurch abgemildert und wirft weniger harte Schatten, gleichzeitig wird das Motiv aber ausreichend ausgeleuchtet. Fortgeschrittene Fotografen nutzen zu diesem Zweck auch gerne mehrere Blitze oder Studioleuchten.

Porträtfotografie

Die Blitzeinstellungen des Speedlite 270EX II können manuell über das Kameramenü vorgenommen werden, der neigbare Blitzreflektor ermöglicht das Fotografieren mit unterschiedlichen Effekten, der Zoomreflektor ist hervorragend für eine effiziente Ausleuchtung geeignet.

Produkttipp: Die Blitzgeräte der Speedlite-Serie von Canon helfen Ihnen bei der kreativen Ausleuchtung Ihres Fotomotivs. Ein gutes Beispiel ist das Speedlite 270EX II. Der Blitzkopf des Blitzgerätes kann mit einem Handgriff gedreht werden. Das ist ideal, um das Blitzlicht für eine schattenfreie, weiche Ausleuchtung von einer Decke reflektieren zu lassen.

Muss ich immer auf Augenhöhe fotografieren?

Häufig wird geraten, Porträts auf Augenhöhe zu fotografieren. Grundsätzlich ist das auch zu empfehlen – ich selbst wähle diese Perspektive, wenn es um „normale“ Porträts geht.

Porträtfotografie Tipps

Im Herzen der EOS 6D befinden sich ein 20 Megapixel CMOS-Vollformatsensor und ein DIGIC 5+ Bildprozessor. Der Vollformatsensor steht für mehr Einfluss auf die Schärfentiefe und verleiht so jeder Porträtaufnahme das gewisse Extra.

Es spielt dabei keine Rolle, ob der Fotografierte in die Kamera schaut oder in eine andere Richtung, etwa nachdenklich aus dem Fenster. Man trifft sich ja auch im Alltag unabhängig von der Körpergröße normalerweise „auf Augenhöhe“, um Gleichberechtigung zu signalisieren. Andere Perspektiven, Porträts von oben oder unten, bringen den Betrachter später automatisch in eine über- oder untergeordnete Position gegenüber der Person auf dem Foto. Wer hochschauen muss, fühlt sich unterlegen, wer herabschaut, ist überlegen. So einfach ist das. In Sonderfällen ist es aber durchaus erlaubt, die Perspektive zu ändern, um Emotionen wiederzugeben. Eine leichte Vogelperspektive verstärkt negative Emotionen wie Unterwürfigkeit oder Traurigkeit. Eine leichte Froschperspektive signalisiert hingegen Erhabenheit und gegebenenfalls Arroganz. Spielen Sie ein wenig mit der Perspektive – Sie werden den Effekt sofort bemerken!

Kommunikation ist alles

Bei der Aufnahme von Porträts spielt die Kommunikation mit dem Motiv eine entscheidende Rolle. Normalerweise knipst der Fotograf ganz für sich, in der Porträtfotografie hingegen muss er mit dem Model interagieren, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

 Experimentieren Sie bei der Porträtfotografie mit Bildformaten, Hintergründen, Bildausschnitten, Locations, unterschiedlichen Lichtsituationen und Requisiten!

Experimentieren Sie bei der Porträtfotografie mit Bildformaten, Hintergründen, Bildausschnitten, Locations, unterschiedlichen Lichtsituationen und Requisiten!

Wohl jeder kennt diese schlimmen „Käsekuchen“-Fotos, die auf Familienfesten geschossen werden: Der Fotografierte guckt bestenfalls überrascht, schlimmstenfalls völlig verkrampft und blöd aus der Wäsche. Das muss für ansprechende Porträtfotos um jeden Preis vermieden werden. Die Person, die Sie fotografieren wollen, muss locker werden, schließlich ist es für niemanden – selbst professionelle Models! – angenehm, „im Fokus zu stehen“. Sagen Sie Ihrem Gegenüber, was er tun soll, bleiben Sie dabei freundlich und loben Sie viel. Auf keinen Fall sollten Sie den Fotografierten rügen – das stresst und verschließt ihn vor der Kamera!

Auch die Posen und die Kleidung Ihres Models sollten Sie variieren. Beachten Sie: Ein gutes Porträtfoto ist kein Passfoto. Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!

Auch die Posen und die Kleidung Ihres Models sollten Sie variieren. Beachten Sie: Ein gutes Porträtfoto ist kein Passfoto. Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!

Zudem kann es sinnvoll sein, von einer Pose gleich mehrere Aufnahmen zu machen. Ich stelle die EOS dafür auf langsame Serienaufnahme und halte den Auslöser einfach gedrückt. Der Effekt ist, dass sich der Fotografierte nach dem ersten Klick ein wenig entspannt, sodass mit dem zweiten oder dritten Klick natürlichere Fotos entstehen.

Canon EOS 5D Mark III

Canon EOS 5D Mark III: Reihenaufnahmen mit bis zu 6 B/s fangen jede Action ein; diese Geschwindigkeit wird für bis zu 16.270 Bilder im JPEG-Format beibehalten (mit UDMA Speicherkarte der Kategorie 7).

Natürlich produzieren Sie so ordentlich Ausschuss, aber die Digitalfotografie verzeiht das ja problemlos.

Übrigens: Wenn jemand nicht fotografiert werden will, sollten Sie ihn nicht zwingen. Gerade Kinder und Teenager hassen es häufig, abgelichtet zu werden. Hier hilft nur gutes Zureden, das den Spaß am Modellstehen hervorhebt. Und wenn die Person partout nicht möchte, versuchen Sie es einfach später noch einmal. Denn nur gute Fotos motivieren den Fotografierten, sich beim nächsten Mal entspannter vor die Kamera zu wagen.

Lesetipp der Redaktion: Achten Sie bei der Porträtfotografie auch auf die Bildkomposition. Natürlich sind die Augen und das Gesicht ihres Gegenübers das Highlight, doch sollten Sie die Drittelregel im Kopf behalten. Nur so erhält man wirklich attraktive Fotos. Wer die Drittelregel sicher verinnerlicht, kann sie in Sekundenschnelle anwenden – und jederzeit aus der Hüfte spannende Porträtaufnahmen schießen.

Fotos: Canon/ iStock