Steinway Spirio: Selbstspielendes Klavier mit iPad-Anbindung

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Steinways neues Spirio-System ist eine faszinierende Kombination aus Klavier und iPad-App. Als normales Klavier kann jedes Steinway überzeugen, doch mit dem neuen Selbstspiel-System Spirio ausgestattet spielt der Flügel alte und neue Klassiker ganz von selbst. Einzige Voraussetzungen: Platz, ein iPad und das nötige Kleingeld.

Sicher, er ist ein Klischee, der Komponist am Klavier. Doch spätestens seit Dieter Bohlen an einem Konzertflügel gesichtet wurde, ist klar: Oft ist das Klavier mehr Schein als Sein. Trotzdem ist ein eigenes Instrument der Traditionsmarke Steinway & Sons ob seiner hohen Qualität der Traum eines jeden Pianisten – alles, was man dafür braucht, sind ein großer Raum und das nötige Kleingeld. Genau daran scheitert es allerdings oft, dass sich wirklich talentierte Musiker mit einem solchen Instrument befassen – stattdessen enden die Steinways dieser Welt nicht selten als teure Staubfänger in gutbürgerlichen Altbauwohnungen. Dies dürfte wohl auch der Grund für die Entwicklung des Steinway-Spirio-Systems gewesen sein: Klaviere sollen weniger verstauben – und stattdessen als ausgesprochen hochklassige Stereoanlage genutzt werden können.

Steinway Spirio

Steinway Spirio ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von Steinway & Sons mit Wayne Stahnke, der seit Jahrzehnten als einer der innovativsten Köpfe im Bereich der modernen Selbstspielsysteme gilt.

Steinway Spirio: Selbstspielendes Klavier für gehobene Ansprüche

Wie das geht? Ganz einfach: Steinway hat das Spirio-Klavier selbstspielend gemacht. Das ist zunächst nicht neu. Derartige Klaviere gibt es dank der Pianola-Technik bereits seit über einem Jahrhundert. Zwar gab es schon lange Versuche, selbstspielende Klaviere und Orgeln zu bauen, doch erst 1895 entwickelte der Amerikaner Edwin Scott Votey ein System, das es qualitativ mit einem menschlichen Spieler aufnehmen konnte: Mit Leder bespannte Holzfinger drückten damals noch in einem sogenannten „Vorsetzer“ die Tasten. Anstelle eines menschlichen Klavierspielers befand sich ein kleiner Schrank mit Lochkarten-Mechanik vor dem Klavier. Später wurde die Mechanik direkt in die Instrumente eingebaut. Nachdem weitere 120 Jahre vergangen sind, mündet die Entwicklung nun in Steinways Spirio und verbindet High-Tech mit Tradition: Das Klavier mit Selbstspiel-Mechanik wird mit einer iPad-App gesteuert, die Klavier und digitale Technik perfekt verbindet.

Spirio Steinway

Präzise Pedaleinsätze, subtile Phrasierungen, weiche Triller und donnernde Fortissimi meistert Steinway Spirio mühelos. Dämpfer und Tastenanschläge der Pianisten werden sanft und präzise mit beispielloser Genauigkeit über die gesamte Klaviatur hinweg repliziert.

Die App greift dazu auf einen Musikkatalog von über 1.700 professionellen Pianisten zurück, die klassische Klavierkonzerte, Jazz, Standardstücke und sogar moderne Musik für das Spirio-System eingespielt haben. Dieser Katalog wird zudem ständig erweitert. Damit wird das heimische Instrument zu einem erstklassigen Roboter, der bei Bedarf Klavierkonzerte gibt. Das ist so einfach wie das Abspielen einer MP3-Datei und die Qualität ist hervorragend, ganz so, als säße der Künstler direkt im Wohnzimmer.

Steinway: Normales Klavier mit Spirio-Technik

Sicher: Dieser Hightech dürfte Klavier-Puristen skeptisch machen. Zur Sorge gibt es aber keinen Grund, denn beim Steinway Spirio handelt es sich zunächst um ein ganz normales Klavier, das auch schlicht zum Spielen oder Üben benutzt werden kann. Das Spirio-System ist der Bonus obendrauf, der die Tasten bei Bedarf automatisiert anschlägt. Das iPad übernimmt dabei im Grunde die Rolle der Lochkarten, die bei analogen Systemen im Einsatz waren, und weist das Klavier an, welche Tasten und Pedale wann gedrückt werden sollen. Die hohe Geschwindigkeit sorgt für eine ausgesprochen präzise Musikwiedergabe – und gibt die Aufzeichnung des Klavierkünstlers 1:1 am Flügel wieder, wodurch das Livekonzert im Wohnzimmer möglich wird. Selbstspieler müssen sich übrigens keine Sorgen machen, dass sich das Spirio-System negativ auf die Eigenschaften des Klaviers auswirkt: Es ist so integriert, dass es bei Nichtbenutzung nicht weiter ins Gewicht fällt.

Werden Klavierkünstler jetzt arbeitslos?

Die originalgetreue Wiedergabe von Kompositionen ist ein großer Schritt in der Entwicklung selbstspielender Klaviere. Allerdings müssen echte Klavierkünstler deshalb nicht um ihre Kundschaft fürchten: Natürlich besitzt das Steinway-Gerät keinerlei Raum für Interpretation und verfügt auch über keine künstliche Intelligenz, um zum Beispiel Stücke, die nicht im Steinway-Katalog vorhanden sind, selbst zu interpretieren. Damit bleibt der kreative Part des Spiels nach wie vor in der Hand der Künstler.

Steinway Spirio Klavier

Steinways Selbstspielsystem Spirio wird während der Fertigung in den beiden Steinway & Sons-Fabriken in New York und Hamburg in die Instrumente eingebaut.

Gerade klassische Werke leben eben nicht von der perfekten Wiedergabe nach Noten oder im Stil eines großen Klavierspielers, sondern werden wieder und wieder neu interpretiert. Auch wenig bekannte Stücke und Eigenkompositionen sind nicht Teil des Steinway-Katalogs, wodurch für den menschlichen Klavierspieler mehr als genug Spielraum bleibt. Abgesehen davon ist das Steinway Spirio mit rund 100.000 Euro alles andere als günstig und dürfte auch in dieser Preisklasse bleiben, weil die nötige Hardware – das Klavier – eben vor allem ein handwerkliches Meisterstück sein muss.

iPad Steinway Sons Spirio

Zusätzlich bietet Steinway & Sons beim Erwerb eines Steinway Spirio ein iPad, mit dem das System kabellos bedient werden kann.

Eine Entwicklung wie bei „Konservenmusik“ Marke MP3 ist also weitestgehend ausgeschlossen – und selbst diese Revolution hat Musiker nicht arbeitslos gemacht. Stattdessen performen sie ihre Songs bei Auftritten immer wieder neu und machen so jedes Konzert zu einem einzigartigen Erlebnis. Damit bleibt der menschliche Faktor weiterhin eine der wichtigsten Komponenten beim Musikgenuss – und solange es keine künstlichen Intelligenzen gibt, die uns geistig überlegen sind, wird sich daran auch nichts ändern. Denn das Steinway Spirio ist trotz aller Innovation im Grunde nichts anderes als eine außerordentlich hochentwickelte und wertige Variante der Pianola oder, abstrakter, der Schallplatte – und das wird es für lange Zeit bleiben.