Lifehack: Smartphone-Beamer zum Selberbauen

0

Wir haben eine – zugegeben – etwas ungewöhnliche Frage: Möchten Sie sich die U21-Europameisterschaft zur Abwechslung mal mit Hilfe eines selbstgebastelten Smartphone-Beamers ansehen? Dann hätten wir genau die richtige Bastelanleitung für Sie. Natürlich haben wir die Anleitung im Selbstversuch getestet, den Smartphone-Beamer gebaut, ausprobiert und schlussendlich für MacGyver-tauglich befunden.

Wie schütze ich meinen Notebook-Screen mit einer Cornflakes-Schachtel vor lästigen Sonnenstrahlen? Wie bastle ich einen Smartphone-Ständer aus einer alten Kassettenhülle? Es kursieren zahlreiche Technik-Lifehacks im Internet. Das Zweckentfremden alltäglicher Gegenstände zur Lösung von Alltagsproblemen füllt Internetseiten, Social-Media-Plattformen und Videoportale. Einige der dort vorgestellten Lifehacks eignen sich als hilfreiche und kostengünstige Alltagshelfer. Andere sind eher skurril, witzig oder dienen als kurzfristiger Notnagel bei kleinen Problemen.

Smartphone Beamer zum Selberbauen DIY

Insgesamt sollte man (vorausgesetzt das Smartphone ist bereits vorhanden) für den
Beamer-Selbstbau ungefähr 5 Euro an Materialkosten einplanen.

Wir haben uns bei unserem Projekt für einen Smartphone-Beamer Marke Eigenbau entschieden. Dieser Technik-Lifehack funktioniert nach den Prinzipien eines herkömmlichen Beamers.

Do it yourself (DIY): Der Beamer zum Selberbauen

Zum Fokussieren und Vergrößern der Projektion unseres Smartphone-Beamers benutzen wir eine handelsübliche Lupe oder Linse. Anstelle eines separaten Leuchtmittels dient das Smartphone-Display als Leuchtquelle. Dadurch ist die Helligkeit der an die Wand geworfenen Bilder nicht immer perfekt. Eine Projektion in Full-HD sollte man von unserem Beamer-Selbstbau natürlich nicht erwarten. In dunkler Umgebungen können sich die Bilder aber durchaus sehen lassen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Smartphone-Beamer bauen

Um unseren Smartphone-Beamer nachzubauen, benötigt man folgendes Arbeitsmaterial: einen Schuhkarton, eine Lupe oder Linse, nichttransparentes Klebeband, etwas Klebstoff, einen Kugelschreiber, eine Schere bzw. ein Tapetenmesser, schwarzes Tonpapier, eine Büroklammer und natürlich ein SmartphoneKleiner Tipp: Geeignete Lupen und Linsen finden sich beispielsweise in den zahlreichen 1-Euro-Shops bundesdeutscher Großstädte. Wir haben es uns besonders leicht gemacht und für den Handy-Beamer geeignete Linsen beim nächstgelegenen Optiker „abgestaubt“. Kostenlos! Bei vielen Optikern lagern gebrauchte und daher unverkäufliche Linsen ungenutzt in den Schubladen. Hier lohnt sich ein freundliches Nachfragen.

Faustregel: Insgesamt sollten (vorausgesetzt das Smartphone ist bereits vorhanden) für den DIY-Beamer ungefähr 5 Euro an Materialkosten eingeplant werden.

Schritt 1: Schuhkarton als Beamer-Gehäuse präparieren

Ein handelsüblicher Schuhkarton eignet sich wunderbar als leichtes und gleichzeitig stabiles Gehäuse. Wir haben bei unserem Beamer-Selbstbau auf den Karton eines Sportartikelherstellers aus dem bayerischen Herzogenaurach zurückgegriffen. Das Unternehmen verpackt seine Schuhe mit den weltbekannten drei Streifen – jedenfalls in unserem Fall – in Kartons mit folgenden Maßen: 32 Zentimeter Länge, 22 Zentimeter Breite und 12 Zentimeter Höhe.

Smartphone Beamer: Schuhkarton als Beamer-Gehäuse präparieren

Schuhkarton-Innenseite: Mit einem abgedunkelten Karton erreicht man später eine
bessere Bildqualität. Wir haben uns für die Tonpapier-Variante entschieden.

Kleiner Tipp: Sollten die Innenseiten des Schuhkartons eine helle Farbe haben, so ist es empfehlenswert, sie entweder schwarz anzumalen oder mit schwarzem Tonpapier zu bekleben. Das Anmalen einer Schuhkarton-Innenseite kann langwierig und eintönig sein. Wir haben uns daher für die Tonpapier-Variante entschieden. Mit einer Schere haben wir das Tonpapier auf die richtige Größe zurechtgeschnitten und mit etwas Klebstoff im Schuhkarton befestigt. Mit einem abgedunkelten Karton erreicht man später eine deutlich bessere Bildqualität.

Schritt 2: Lupe bzw. Linse in den Schuhkarton einsetzen

Bei diesem Arbeitsschritt legen wir die Linse mittig auf das kurze Ende des Schuhkartons und zeichnen die Außenkante mit einem Kugelschreiber nach. Mit einem Tapetenmesser schneiden wir danach den Kreis aus. Jetzt wird die Linse vorsichtig eingesetzt. Kleiner Tipp: Nicht zu großzügig ausschneiden. Die Linse muss passgenau in der Öffnung sitzen und es darf später kein Licht von außen in den Schuhkarton fallen. Zur Not kann die Linse mit nichttransparentem Klebeband zusätzlich fixiert werden.

Smartphone-Beamer: Lupe bzw. Linse in den Schuhkarton einsetzen

Beamer bauen: Die Linse muss passgenau in der Öffnung sitzen und es darf kein Licht von
außen in den Schuhkarton fallen.

Schritt 3: Smartphone positionieren und einstellen

Jetzt kann es eigentlich losgehen. Zuerst sorgen wir für die richtige Testumgebung. Das Smartphone-Display wird auf die volle Helligkeitsstufe gestellt, die Vorhänge an den Fenstern zugezogen und das Licht ausgeschaltet. Je dunkler der Raum ist, desto besser wird die Bildqualität unseres DIY-Beamers. Nun gilt es, das Smartphone an der richtigen Stelle im Schuhkarton zu platzieren. Diese Angelegenheit ist in der Tat etwas knifflig. Experimentieren Sie einfach ein bisschen herum, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen bzw. das Bild zu optimieren. Kleiner Tipp: Damit das Smartphone im Schuhkarton nicht ständig umfällt, empfehlen wir, eine einfache Smartphone-Halterung zu basteln, beispielsweise aus einer Büroklammer. Zahlreiche Anleitungen dazu findet man im Internet. Auch eine kleine Dockingstation kann man für diese Aufgabe zweckentfremden.

Smartphone Beamer: Smartphone positionieren und einstellen

Experimentieren Sie ein bisschen herum, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen bzw.
das Bild (Jürgen Klopp/ Quelle: bvb.de/presse) zu optimieren.

Nicht wundern: Das projizierte Bild steht auf dem Kopf. Das Smartphone-Bild muss daher gedreht werden. Im Idealfall verfügt Ihr Smartphone werksseitig über eine solche Einstellungsmöglichkeit. Android-Nutzer können zur Problemlösung auch auf kostenlose Apps wie „Screen Rotation Steuerung“ oder „Ultimate Rotation Control“ zurückgreifen. Gefällt Ihnen das projizierte Bild? Dann können Sie den Schuhkarton mit seinem Deckel verschließen. Der DIY-Beamer ist nun einsatzbereit.

Schritt 4: Live-Stream der ARD aufrufen

Am 17. Juni 2015 ist es soweit: Fußball-Deutschland schaut nach Tschechien. Marc-André ter Stegen hat nach dem überragenden Champions-League-Triumph mit dem FC Barcelona den nächsten großen Titel im Visier: Mit der U21-Nationalmannschaft kämpft der Torhüter bei der Europameisterschaft in Tschechien um den Sieg. Acht Nationen nehmen teil. Neben den sieben Play-Off Gewinnern (u.a. England, Portugal und Italien) spielt auch der Gastgeber in der Endrunde. Die DFB-Auswahl von Horst Hrubesch trifft auf Serbien, Dänemark und Tschechien. Unter www.daserste.de/live können Sie sich die Spiele kostenlos auf Ihrem Smartphone ansehen.

Schritt 5: Den Ton nicht vergessen

Was wäre die Live-Übertragung eines Fußballspiels ohne den richtigen Ton? Im geschlossenen Schuhkarton klingen die Lautsprecher Ihres Smartphones eher suboptimal. Kleiner Tipp: Bluetooth-Lautsprecher. Wir haben in unserem Lifehack-Selbstversuch einen Boomster von Teufel eingesetzt. Bluetooth 4.0 garantiert eine saubere, stabile, kabellose Verbindung bei gleichzeitig minimalem Stromverbrauch. Reichweiten von mindestens 10 Metern werden problemlos erreicht. Besonders wichtig für die Interviews nach dem Spiel: Der Videoton wird lippensynchron übertragen.

Unser Fazit: Der selbstgebaute Smartphone-Beamer funktioniert

Wir sind schon ein bisschen stolz auf unseren Beamer-Selbstbau. Das Ausprobieren des DIY-Lifehacks hat eine Menge Spaß gemacht und bei den Kollegen in der Redaktion für neugierige und erstaunte Gesichter gesorgt. Wenn wir ganz ehrlich sind, würden wir uns die U21-Europameisterschaft trotzdem lieber auf dem Fernseher oder mit Hilfe eines richtigen Beamers ansehen. Die Qualität der wiedergegebenen Bilder unseres Handy-Beamers ist für ein entspanntes und dauerhaftes Sehvergnügen einfach zu schlecht.

Smartphone Beamer: Der selbstgebaute Smartphone-Beamer funktioniert

Der selbstgebaute Smartphone-Beamer funktioniert. Eine Projektion in Full-HD sollte man von unserem selbstgebauten Beamer natürlich nicht erwarten

Den Fans der U21-Europameisterschaft raten wir in den nächsten Tagen daher eher zu herkömmlichen Abspielgeräten. Bei der eher mäßigen Bildqualität des kleinen DIY-Beamers sieht Marc-André ter Stegen nach wenigen Minuten aus wie Kevin Volland. Übrigens: Der Begriff Lifehack geht auf Danny O’Brien zurück. Der englische Technologie-Journalist hielt 2004 einen Vortrag mit dem Titel „Technische Geheimnisse überproduktiver Alpha-Geeks“ und stellte kleine Tricks vor, die den Alltag erleichtern. Aus diesem Vortrag  entstand eine Lifehack-Kolumne für das Online-Magazin „Makezine“. Facebook, Twitter und YouTube sorgten in den folgenden Jahren für eine massenhafte Verbreitung des Lifehack-Phänomens (nicht nur) im Internet.