PlayStation VR-Games: „Until Dawn: Rush of Blood“ und „PlayStation VR Worlds“ im Test

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„Until Dawn: Rush of Blood“ vs. „PlayStation VR Worlds“. Erst mit den richtigen Spielen entfaltet Sonys Virtual-Reality-Brille PlayStation VR (PSVR) ihr ganzes Potenzial. Wir stellen zwei hochinteressante und spannungsreiche VR-Games vor.

Da stehe ich nun, in meinem Stahlkäfig mitten im Ozean. Über Funk bekomme ich letzte Anweisungen, werde leicht abwertend als „Grünschnabel“ tituliert. Und schon beginnt der Abstieg auf den Grund des Meeres. Ich sehe bunte Korallen, sinke durch einen farbenfrohen Quallenschwarm, durch einen engen Graben, finde ein U-Boot. Und dann … kommt der Hai. Beißt in meinen Stahlkäfig, dessen Gitterstäbe zerbrechen wie Streichhölzer.

Ocean Descent Test PlayStation VR

VR-Experience mit Schockpotenzial: In „Ocean Descent“ treffen Sie auf einen aggressiven Weißen Hai.

Quälend langsam ziehen die Kollegen den kaum noch als solchen zu erkennenden Käfig nach oben, während der Hai mich weiterhin zu seinem Mittagessen machen will. Schnell merke ich: Mir geht ordentlich die Düse. In letzter Sekunde gelingt die Flucht … Und dann bin ich wieder in meinem Wohnzimmer, sicher, trocken und vor allem: kein Haihappen.

PlayStation: VR-Games im Test

Die beschriebene Szene stammt aus „Ocean Descent“, einer der fünf Virtual-Reality-Erfahrungen aus Sonys PlayStation VR Worlds. Auch gut zehn Monate nach dem Markstart von Sonys Virtual-Reality-Brille PlayStation VR ist PSVR Worlds immer noch einer der Vorzeigetitel des PS4-Zubehörs. Das gleiche gilt für „Until Dawn: Rush of Blood“. Der VR-Ableger der Horrorreihe „Until Dawn“ macht einfach Laune. Wir stellen die beiden VR-Titel im Doppeltest vor.

PlayStation VR Games im Test

Bei der PlayStation VR handelt es sich um eine Virtual-Reality-Brille speziell für die Sony PlayStation 4.

Lesetipp der Redaktion: Unser Allyouneed Magazin-Redakteur hat die PlayStation VR zwei Monate auf Herz und Nieren geprüft. PlayStation VR im Test: In diesem Artikel gibt er wichtige Installationstipps, beschreibt seine Eindrücke und berichtet von seinem ersten Ausflug in die virtuelle Realität.

PlayStation VR Worlds: Allround-Demo für die PlayStation VR

PlayStation VR Worlds gehörte zusammen mit dem kostenlosen Playroom VR zu den Titeln, die Sony gemeinsam mit der PlayStation VR auf den Markt brachte. Die Sammlung enhält fünf kurze Spiele, die die Fähigkeiten der PSVR demonstrieren sollen.

Der Meeresbodenausflug aus „Ocean Descent“ ist gewissermaßen das Schnupperprogramm für die VR-Brille. Dabei handelt es sich weniger um ein Spiel im klassischen Sinne, sondern eher um einen interaktiven Film. Die komplette Szene läuft ohne Zutun des Spielers ab.

Ocean Descent PlayStation VR Worlds Test

PlayStation VR Worlds: Die Tauchfahrt von „Ocean Descent“ beginnt entspannend …

Was auf dem TV strunzlangweilig wäre, wird in der virtuellen Realität zum Erlebnis. Die Egoperspektive sorgt dafür, dass ich wirklich das Gefühl habe, statt im Wohnzimmer auf – oder besser unter – hoher See zu sein. Wo ich auch hingucke sehe ich schöne Korallen, neugierige Fische oder emsige Krabben, alles wirkt real und greifbar. Wenn schließlich der Hai angreift, steigt der Adrenalinpegel wie bei einem spannenden Kinofilm.

Für einen ersten Blick auf das, was einen in der virtuellen Welt erwartet, taugt der Ozeantauchgang gut. Doch danach hat der Gamer in mir Lust auf etwas mehr Interaktion. Daher wechsele ich im Hauptmenü von PlayStation VR Worlds zu „Danger Ball“. Dabei handelt es sich um eine Art futuristisches Pong.

Danger Ball Test Playstation VR

„Danger Ball“ ist nichts anderes als eine modernisierte Neufassung von „Pong“ – und macht dank cooler VR-Steuerung richtig Laune.

Im Spiel gegen den Computer kommt es teilweise zu hektischen Ballwechseln auf der Jagd nach den fünf Punkten, die den Spielsieg bedeuten. Statt wie Anno Pief mit einem Controller, steuere ich den quadratischen Schläger mit dem Kopf: Das Spiel vermittelt auf überzeugende Art und Weise das Gefühl, dass ich Teil des Schlägers bin. So gut haben sich Sportspiele auf der Konsole zuletzt auf der Nintendo Wii angefühlt.

Durch die abwechslungsreichen Gegner und das fordernde Gameplay bietet „Danger Ball“ sogar überraschend viel Langzeitmotivation – vielleicht sogar die größte im PS VR Worlds-Paket. Leider verschenkt das Spiel durch einen fehlenden Online-Multiplayer viel Potenzial. Mit der Zeit sind selbst die stärksten Computergegner durchschaut und ich gewinne die Matches ohne viel Aufwand.

So spaßig „Danger Ball“ ist, so langweilig und frustrierend ist „VR Luge“. Das Rennspiel schickt den Spieler auf einem Rollbrett in Downhill-Rennen auf stark befahrenen Straßen. Gelenkt wird das Gefährt per Kopfbewegung, eine Bremse gibt es natürlich nicht.

VR Luge PSVR Game Test

„VR Luge“: Die matschige Grafik verhindert, dass trotz dreistelliger KM/h-Angaben kein Geschwindigkeitsrausch aufkommt.

Was sich spaßig anhört, ist in der Praxis ein Rohrkrepierer. Das liegt vor allem an der ungenauen Steuerung, die ein exaktes Lenken fast unmöglich macht. Kollisionen mit LKWs und Autos haben zudem kaum Einfluss auf die Fahrt, was der Immersion schadet. Alles in allem kann man „VR Luge“ freilich einmal ausprobieren, sollte aber nicht zu viel erwarten.

„Scavengers Odyssey“ ist ein Weltraum-Shooter mit Suchtcharakter

Wesentlich besser gefällt mir „Scavengers Odyssey“, ein Weltraum-Shooter in virtueller Umgebung. In einem Kampfroboter durchstreife ich verlassene Raumfähren und ballere auf fiese Alien-Käfer. Die Steuerung, ein perfekter Mix aus Bewegung und klassischem Konsolen-Gamepad, geht nach einigen Minuten in Fleisch und Blut über. Durch meine Kopfbewegungen steuere ich ein virtuelles Visier und nehme die fiesen Krabbler unter Beschuss.

Scavengers Odyssey PlayStation VR Worlds Test

Der Weltraum-Ausflug von „Scavengers Odyssey“ macht Laune – vorausgesetzt, man ist einigermaßen schwindelfrei!

Zwischen den Kämpfen springe ich mit dem Mech (eine Art fiktiver Laufroboter) zwischen Asteroidenfeldern und Raumschiff-Trümmern hin und her – und muss dabei sogar gegen Schwindel kämpfen. Die schnellen Bewegungen und Drehungen im Weltraum fühlen sich durch die PlayStation VR erstaunlich echt an. Wer sich unsicher ist, ob der Körper die VR-Erfahrung mitmacht, findet hier den perfekten Praxistest. Nach der kurzen, aber knackigen Kampagne habe ich vor allem Lust auf mehr: „Scavengers Odyssey“ zeigt, wie gut Actionspiele auf der PlayStation VR funktionieren können.

VR-Banküberfall: „London Heist“ rundet die PlayStation VR Worlds ab

Abgerundet wird die PS VR Worlds durch „London Heist“. Aus der Egoperspektive wird der Spieler Teil eines Banküberfalls. Die Gangsterstory ist kurz, aber knackig inszeniert und macht dadurch auch dann noch Laune, wenn man „London Heist“ ein weiteres Mal spielt.

London Heist VR Game im Test PlayStation

„London Heist“ erzählt eine kurze, aber überaus packende Gangstergeschichte mit tollem Film-Feeling.

Das gilt vor allem im Zusammenspiel mit den PlayStation Move-Controllern. Die beiden bewegungssensitiven Sticks übertragen meine Armbewegungen ins Spiel. So knacke ich mit viel Fingerspitzengefühl einen Tresor, belohne mich per Griff mit einer Zigarre – und ballere mich durch eine wilde Verfolgungsjagd.

London Heist PlayStation VR Worlds VR-Games

Vor allem die unterschiedlichen Bedienkonzepte kommen in „London Heist“ gut zur Geltung.

Das alles dauert nicht mehr als eine halbe Stunde, gehört aber dennoch zu einem der beeindruckendsten Spielerlebnisse meines Lebens. „London Heist“ ist nicht nur top inszeniert, es macht auch einfach Spaß. Wer jemals selbst in einem Gangsterfilm mitspielen wollte, bekommt hier die Möglichkeit dazu.

Die abschließende Wertung von PlayStation VR Worlds ist gar nicht so einfach. Die einzelnen Episoden sind für sich genommen kein Grund, viel mehr als 20 oder 30 Euro auszugeben. Und dennoch habe ich auch nach mehreren Wochen immer wieder Lust darauf, die Story von „London Heist“ zu erleben, eine Runde „Danger Ball“ zu zocken oder mich auf dem virtuellen Meeresgrund zu entspannen. Nicht zuletzt eignet sich die Sammlung vor allem dafür, interessierten Freunden einen schnellen Einblick in die Möglichkeiten der PlayStation VR zu verschaffen. So ist PlayStation VR Worlds vor allem die perfekte Demo für das, was mit der PlayStation VR möglich ist. Wer sich von den Fähigkeiten der VR-Brille überzeugen will, muss zugreifen.

Lesetipp der Redaktion: Input Lag, 4K, Curved-Design, Bildrate. Das Allyouneed Magazin zeigt Ihnen, worauf Sie beim Kauf eines guten Gaming-Fernsehers achten müssen.

„Until Dawn: Rush of Blood“ ist eine echte VR-Geisterbahn

Während die PlayStation VR Worlds eher als Schnupperprogramm in Sachen Virtual Reality an der PlayStation 4 gelten, ist „Until Dawn: Rush of Blood“ ein Vorzeigetitel für Sonys VR-Brille. Der VR-Ableger von „Until Dawn“ versetzt den Spieler in eine blutig-abstruse Geisterbahnfahrt, die wahrlich nichts für schwache Nerven ist. Die Story passt dabei ebenso auf einen Bierdeckel wie das Gameplay von „Rush of Blood“: Auf einer Jahrmarkt-Geisterbahn nimmt der Spieler versehentlich die falsche Abzweigung. Statt mit Papp-Geistern sieht man sich auf einmal mit brutalen Killer-Clowns und einer Armee von Untoten konfrontiert. Glücklicherweise verwandeln sich die Wasserpistolen vom Anfang der Schreckensfahrt passend zum Ungemach in zwei Colts, sodass ich alles andere als wehrlos bin.

Until Dawn: Rush of Blood PlayStation VR Game Test

Die Killer-Clowns sind bei Weitem nicht das einzige Problem, mit dem man sich in „Rush of Blood“ herumschlagen muss.

Geschossen wird dabei idealerweise über die beiden Move-Controller, wobei jeder Arm eine Knarre kontrolliert. Während ich also im „echten“ Leben mit zwei Plastikstöckchen herumfuchtele, sehe ich im Spiel zwei schicke Revolver, deren Bewegungen durch die PlayStation VR und die PlayStation-Kamera nahezu perfekt mit meinen Armen abgestimmt werden. „Until Dawn: Rush of Blood“ belebt die guten alten Rail-Shooter, die vor allem Mitte der 1990er Jahre in Spielhallen wie auf Heimkonsolen extrem beliebt waren. Gewissermaßen eine Neuauflage von „Time Crisis“ oder „Virtua Cop“ im Horrorgewand.

PSVR Games Test PlayStation 4

Schon das Intro von „Until Dawn: Rush of Blood“ sorgt für Gänsehaut. Die Levelgestaltung von „Rush of Blood“ sorgt für wohlige Gruselatmosphäre und ist gespickt mit Horror-Anspielungen.

Tatsächlich funktioniert das alte Spielprinzip dank VR-Upgrade erstaunlich gut. Das liegt vor allem an der überaus präzisen Steuerung sowie der überzeugenden Level-Gestaltung. Das Horror-Thema sollte man übrigens durchaus ernst nehmen. Zwar ist „Rush of Blood“ weitaus actionreicher als Atmosphäre-Knüller wie „Resident Evil 7“ oder „Outlast“, dennoch ist der Titel nichts für Zartbesaitete. Das liegt vor allem daran, dass der Horror durch die PlayStation VR schlichtweg sehr viel realer wirkt als bei klassischen Grusel-Games am TV.

Jumpscares: Durch Schockmomente zum Revolverhelden

Schon in den ersten Minuten wird klar: „Until Dawn: Rush of Blood“ hält sich selten zurück. Die Szenerie ist blutig-bizarr, die Schockmomente häufig, wohl orchestriert und deftig. Als das erste Mal das Licht ausgeht, ich durch die Kopfhörer ein Kichern und Trippel-Schritte höre, weiß ich: Das geht nicht gut. Und natürlich habe ich Recht: Nach endlosen Sekunden der Stille springt mit lautem Kreischen ein Horror-Clown auf mich zu. Ich schäme mich nicht zuzugeben, dass ich mich an dieser Stelle verdammt erschreckt habe. Solche neumodisch als Jumpscares bezeichneten Momente kommen immer wieder vor, wobei das Game die VR-Technik clever einsetzt.

Jumpscares: Until Dawn: Rush of Blood VR-Games

BUH! Gut orchestrierte Schreckmomente sorgen dafür, dass der Adrenalinpegel nicht so schnell absinkt. Die Entwickler haben sich ordentlich ausgetobt und geizen nicht mit bizarr-blutigen Details.

Wenn zum Beispiel zwei entstellte Geistermädchen im an „Shining“ erinnernden Horror-Hotel erst im Blickfeld auftauchen, nachdem man den Kopf einmal nach rechts und wieder zurückbewegt hat, ist der Gruselfaktor hoch. Worüber ich als Horror-Fan im Kino nur noch müde lächele, sorgt durch die VR-Brille tatsächlich für Gänsehaut. Schließlich kann ich mich weder verstecken noch die Augen schließen – dann heißt es nämlich schnell „Game Over“.

PlayStation VR: Kampf gegen blutrünstige Killer-Clowns

Doch je länger die Fahrt durch die Geisterbahn von „Until Dawn: Rush of Blood“ andauert, desto mehr härte ich ab – schließlich habe ich meine beiden treuen Revolver, die dank präziser Move-Controller und ein wenig Übung mit den Geistern kurzen Prozess machen. Nach einigen Stunden „Rush of Blood“ lache ich den blutrünstigen Killer-Clowns entgegen, während ich sie mit den Schrotflinten-Upgrades wegpuste. Ein wenig fühle ich mich wie Bruce Campbell als Ash im Horror-Klassiker „Tanz der Teufel“. This is my boomstick, Clown.

Erfreulich: Trotz des vermeintlich monotonen Gameplays fesselt „Until Dawn: Rush of Blood“ bis zum Ende. Das Horror-Setting sorgt vor allem bei Genre-Fans für Abwechslung, außerdem bietet die Geisterbahn eine Reihe von wählbaren Abzweigungen, die ein erneutes Durchspielen spannend machen. In Kombination mit der Herausforderung, die eigene Trefferquote nach oben zu schrauben, trete ich die Fahrt immer wieder gerne an. Zudem wird die Ballerei gelegentlich durch kleine Bewegungsaktionen aufgelockert. Beispielsweise muss ich mich im Schweinemetzger-Level unter schwingenden Kreissägen wegducken – ein wenig Sport während des Horrortrips ist also garantiert.

Technisch ist das Spiel auf einem guten Niveau: Die Horrorszenen wirken bedrückend, das Sounddesign ist gelungen. Lediglich bei der Gestaltung der Bösewichte wünsche ich mir gelegentlich ein wenig mehr Abwechslung. Darüber kann ich aber ohnehin nur selten nachdenken, packt mich das Spiel doch während der virtuellen Fahrt viel zu sehr.

Alles in allem ist „Until Dawn: Rush of Blood“ für mich ein kleines Phänomen. Selten hat mich ein Spiel, das so simpel gestrickt und dabei noch nicht einmal besonders umfangreich ist, so lange gefesselt. Immer wieder will ich die Fahrt antreten und die fiesen Clowns und andere Bösewichte zurück ins Jenseits pusten. Das Spiel ist für mich der perfekte Beweis dafür, wie die virtuelle Realität auch altbackenen Spielkonzepten neues Leben einhauchen kann. Mein Fazit ist daher eindeutig: „Until Dawn: Rush of Blood“ ist ein Pflichtkauf für alle PSVR-Besitzer, die sich auch nur ansatzweise für die Thematik und das Gameplay erwärmen können.

Fotos: Sony

Lesetipp der Redaktion: Möchten Sie mit Ihren Spielständen und aufgenommenen Videos von Ihrer PS4 auf die PS4 Pro umziehen? Dann lesen Sie unbedingt unsere praxisnahe Sechs-Schritte-Anleitung.