Der Pedelec-Ratgeber: Welches E-Bike passt zu mir?

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Radfahren mit Elektromotor boomt: Fast die Hälfte der Deutschen besitzt ein E-Bike. Der Markt wächst rasant und mittlerweile gibt es unzählige Marken. Wie soll man da noch den Überblick behalten? Wenn Sie sich ein E-Bike kaufen möchten, erhalten Sie hier die besten Tipps: Welches E-Bike für welchen Zweck, wie lange hält der Akku und was ist eigentlich ein Pedelec?


Das Pedelec ist eine neue Erfindung? Weit gefehlt. Schon vor über 100 Jahren entstand die Idee des motorunterstützten Fahrrads. Damals kannten die Leute das Wort Pedelec allerdings noch nicht, das erst in den 90er Jahren von der Journalistin Susanne Brüsch erfunden wurde. Ein Pedelec bezeichnet ein Fahrrad mit automatischer Tretunterstützung und unterscheidet sich damit von Rädern, die per Gasgriff gesteuert werden. Heute schmeißen Radler die Begriffe durcheinander. E-Bike, Pedelec, Elektro-Rad – alles das gleiche. Dass das nicht der Fall ist, wird weiter unten im Artikel gezeigt. Wo sich aber alle einig sind: Das E-Bike erfreut sich größter Beliebtheit und hat längst den Ruf eines Reha-Fahrrads hinter sich gelassen.

Ob für den Weg zur Arbeit, für eine lange Radtour oder einfach als Ersatz fürs Auto im Stadtverkehr – E-Bikes sind aus dem Straßenverkehr nicht mehr wegzudenken. Laut einer aktuellen Studie von fahrrad.de fahren fast 45 Prozent der Deutschen mit einem E-Bike, fast die Hälfte der Befragten besitzen sogar ein eigenes (Die gesamte Studie finden Sie hier als Download). 2017 gingen laut Zweirad-Industrie-Verband rund 720.000 E-Bikes über den Verkaufstresen. Das zeigt, dass das Pedelec die perfekte Alternative ist. Fragt sich nur: Welches E-Bike passt überhaupt zu wem? Die Auswahl ist unendlich groß, der Markt wächst Jahr für Jahr, immer neue technologische Errungenschaften springen uns aus den Schaufenstern der Radläden entgegen. Ein Überblick.

Was ist ein Pedelec?

Verschiedene Begriffe kursieren in der Werbung, aber was eigentlich genau der Unterschied ist, wissen nur die Profis. Oder diejenigen, die sich bereits ein E-Bike gekauft haben. Wie oben beschrieben, handelt es sich bei einem Pedelec um ein Fahrrad mit einem elektrischen Antriebsassistenten, der beim Treten unterstützt. Das verrät schon der Name, denn Pedelec steht für Pedal Electric Cycle. Je nach Trittfrequenz oder Tretleistung unterstützt der Motor mal mehr und mal weniger. Sie können ihn sogar komplett ausschalten und sich ganz auf Ihre Muskelkraft verlassen. Bis zu 250 Watt kann so ein Motor leisten und ist damit ideal, wenn Sie beispielsweise im Bergischen Land unterwegs sind und die zahlreichen Hügel bereits nach den ersten paar Metern satthaben. Mithilfe des Motors ist eine Geschwindigkeit von bis zu 25 Stundenkilometern möglich, obwohl Sie durchaus schneller mit dem Pedelec fahren können.

Pedelec: E-Bike mit Antriebsassistent

Ein Pedelec ist ein E-Bike mit elektrischem Antriebsassistenten. Je nach Einstellung unterstützt der Motor den Fahrenden oder auch nicht – allerdings kann ein Pedelec nicht vollständig alleine fahren.

Es gibt auch sogenannte S-Pedelecs, wobei das S für Speed (Geschwindigkeit) steht. Die Motoren erbringen eine höhere Leistung, bis zu 500 Watt, und ermöglichen es Ihnen, mit bis zu 45 Kilometern pro Stunde durch die Welt zu fahren. Das Pedelec unterscheidet sich bis auf den Motor nicht vom herkömmlichen Fahrrad. Auch rechtlich sind beide Zweiräder gleich zu behandeln. Das heißt: Sie dürfen damit auch auf Radwegen fahren, es ist kein Mindestalter vorgeschrieben, eine Versicherungspflicht gibt es nicht. Anders beim S-Pedelec: Damit müssen Sie auf der Straße fahren, das Mindestalter beträgt 16 Jahre und ein Mofa-Führerschein muss vorliegen. Auch Helm und Versicherung sind obligatorisch beim S-Pedelec.


E-Bike und Pedelec: Der Unterschied

Was aber ist nun der Unterschied zwischen Pedelec und E-Bike? Viele benutzen die Begriffe synonym und so sehr unterscheiden sich die beiden Zweiräder tatsächlich nicht. Beim Pedelec unterstützt der Motor Sie beim Treten. Ein E-Bike fährt per Gasgriff auch ganz ohne Ihre Hilfe und ist daher eher mit einem Moped zu vergleichen. Ohne jegliche Tretleistung und auf Knopfdruck chauffiert das E-Bike Sie durch das Bergische Land und verspricht eine sehr entspannte Radtour: Sie müssen lediglich lenken und bremsen. Für das E-Bike brauchen Sie einen Führerschein, ein Versicherungskennzeichen und eine Betriebserlaubnis. Fahren Sie schneller als 20 Kilometer pro Stunde, müssen Sie einen Helm tragen.

Diese Erklärungen zeigen: Es besteht durchaus ein Unterschied zwischen E-Bikes und Pedelecs. Die meisten Menschen werden sich wohl für ein Pedelec interessieren, der Einfachheit halber spreche ich im Artikel aber auch von E-Bikes. Pedelecs sind ein teures Vergnügen, Sie sollten einen vierstelligen Betrag beim Kauf einplanen. In Discountern werden sie oft schon für rund 700 Euro angeboten, hier wird jedoch an wichtigen Komponenten gespart oder qualitativ minderwertiges Material genutzt. Das heißt: Wer ein E-Bike kaufen möchte, sollte nicht das billigste nehmen und den Kauf aus der Portokasse bezahlen. Im Durchschnitt geben die Deutschen rund 2.300 Euro für ein Pedelec aus. Sparen Sie also lieber ein paar Monate länger und kaufen Sie sich dann ein hochwertiges Pedelec zu einem angemessenen Preis beim Fahrradhändler. Bei guter Pflege hält das Fahrrad viele Jahre, sodass sich die Anschaffung rechnet.

Asphalt oder Waldboden – welches E-Bike für welchen Zweck?

Vor dem Kauf eines Pedelecs sollten Sie überlegen, was Sie mit dem Rad so alles vorhaben. Wird es die Alpenüberquerung im Sommer? Die täglichen 15 Kilometer zur Arbeit? Oder doch nur im Stadtverkehr zum Kino oder zum Supermarkt? Oder planen Sie gar sportliche Ausflüge am Wochenende auf Downhill-Strecken? Für jedes Vorhaben bietet der Markt das passende E-Bike – vom gemütlichen Stadtrad bis zum Mountainbike. Einen Allrounder gibt es nicht, jedes Rad hat seine Vorzüge. Daher sollte man sich vor dem Kauf darüber im Klaren sein, für welche Zwecke das E-Bike genutzt werden wird. Im Folgenden finden Sie eine Übersicht der verschiedenen Pedelec-Typen:

  • City-E-Bike: Das E-Bike für die Stadt ist der perfekte Begleiter im Alltag, wenn Sie schnell zum Supermarkt oder zur nächsten Kneipe möchten. Für den Weg zur Arbeit brauchen Sie wahrscheinlich weniger Gänge, viele City-E-Bikes sind daher mit einer Nabenschaltung ausgerüstet. Besonders interessant für Pendler sind die faltbaren E-Bikes, die in jedem Zugabteil Platz finden.
Pedelec: E-Bike Modelle

Je nach Verwendung können Sie aus verschiedenen E-Bike Modellen wählen.

  • Trekking-E-Bike: Es soll etwas sportlicher zugehen und Sie suchen ein passendes Pedelec für die nächste lange, mehrtägige Radtour durch Feld und Flur? Dann könnte ein Trekking-E-Bike eine gute Alternative sein. Der Rahmen ist oft robuster als der eines City-E-Bikes, da Sie beim Trekking-Rad meistens viel Gewicht und Gepäck dabeihaben. Außerdem muss das Trekking-Rad mehr können, als nur auf Asphalt zu kurven.
  • E-Mountainbike: Was gibt es Schöneres, als mit dem Mountainbike rasant Berge hinabzusausen? Wäre da nicht nur immer dieser mühselige Weg bergauf. Mit einem E-Mountainbike stellen Berge kein Problem mehr dar. Das rundum gefederte Rad fährt Sie fast wie von selbst hinauf. Kleiner Nachteil: das Gewicht, das beim Mountainbike doch störend sein kann.
  • E-Lastenrad: Wer regelmäßig Wasserkästen durch die Stadt schleppen muss, ist mit einem E-Lastenrad bestens bedient, bei dem am Vorderrad eine Art Schubkarre angeschraubt ist.



E-Bike: Der richtige Motor

Wer sich für das passende E-Bike entschieden hat, muss außerdem festlegen, wo der Motor angebracht werden soll:

  • Nabenmotor am Vorderrad: Vor allem die günstigeren E-Bikes haben einen vorderen Motor. Nachteil: Bei rutschigem Untergrund kann das Hinterrad schnell wegrutschen oder das Vorderrad durchdrehen.
  • Mittelmotor am Tretlager: Dies ist die beliebteste Variante, da die Tretkraft über die Kette direkt auf das Hinterrad projiziert wird.
  • Nabenmotor am Hinterrad: Dieser ist vor allem an den sportlichen E-Bikes zu finden.

Akkuleistung des E-Bikes: Wie lange hält er durch?

Ist beim Auto die Batterie leer, geht erstmal nichts mehr. Beim Pedelec ist das zum Glück nicht der Fall. Auch ohne Akkuleistung können Sie weiterfahren, erhalten dann aber keine Unterstützung mehr vom Motor. Die Frage nach der Reichweite treibt viele Radfahrer um. Allerdings lässt sich dies nicht pauschal beantworten, da hierbei viele Faktoren eine Rolle spielen, zum Beispiel Gewicht des Fahrers, Fahrstil oder auch Temperatur. Im Normalfall schafft ein qualitativ hochwertiges E-Bike je nach Fahrweise circa 50 bis 100 Kilometer. Für kleine Trips in der Stadt reicht das allemal.

Pedelec: Der E-Bike Akku

Ein qualitativ hochwertiges E-Bike schafft je nach Fahrweise ca. zwischen 50 und 100 Kilometer pro Akkuladung.

Wer aber lange Strecken plant, sollte darauf achten, dass der Akku aufgeladen ist. An manchen offiziellen Radwanderwegen gibt es Rad-Tankstellen, wo Sie das Pedelec wieder aufladen können. Ansonsten lässt sich der Akku ganz einfach mit dem Original-Ladekabel an einer herkömmlichen Steckdose laden. Mit ein paar kleinen Tricks können Sie das Beste aus Ihrem E-Bike herausholen und mit einer Akkuladung noch weiterkommen:

  • In angemessenem Tempo fahren: Nutzen Sie nur die niedrigen Gänge und vermeiden Sie hohe Drehzahlen. 70 Umdrehungen pro Minute sind ideal für einen geringen Stromverbrauch.
  • Muskeln nutzen: Verlassen Sie sich nicht komplett auf den Motor. Die höchste Unterstützungsstufe ist nicht immer nötig, gerade bergab können Sie die Motorleistung herunterfahren.
  • Ausreichend Luft: Je weniger Luft im Reifen ist, umso größer ist der Widerstand auf der Straße. Je besser die Reifen aufgepumpt sind, umso höher ist die Reichweite.
  • Kälte vermeiden: Bei winterlichen Temperaturen macht der Akku schneller schlapp. Schützen Sie ihn daher mit einem Neoprenschutz.



Pedelec-Akku pflegen

Bei den meisten Akkus in E-Bikes handelt es sich um eine Lithium-Ionen-Technologie, die rund 1.000 Ladezeiten aushalten. Umgerechnet sind das ungefähr 100.000 Kilometer, also zweieinhalb Mal um den Erdball herum. Um diese Leistung zu erhalten, müssen Sie den Akku pflegen. Hersteller geben meist eine Lebensdauer von fünf Jahren an. Achten Sie bei Radtouren darauf, dass sich der Akku nicht gänzlich entleert. Ein bisschen Rest-Power sollte vor dem Ladegang noch enthalten sein. Nach jeder Radtour sollten Sie den Akku mit dem Original-Ladegerät an die Steckdose anschließen, warten Sie nicht erst ab, bis er sich entleert hat.

Achten Sie außerdem darauf, dass der Akku weder Hitze noch Kälte ausgesetzt ist und ergreifen Sie Maßnahmen, wie etwa einen Neoprenschutz. Fahren Sie längere Zeit nicht mit dem Pedelec, sollten Sie den Akku entnehmen und ihn bei einer Temperatur zwischen 10 und 20 Grad Celsius lagern. Auch hier gilt wieder: Der Akku darf nicht komplett entladen sein. Laden Sie ihn selbst dann etwas auf, wenn Sie über einen längeren Zeitraum nicht mit dem Pedelec unterwegs sind.

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