Negative digitalisieren: Darauf müssen Sie achten

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Negative digitalisieren: Auch wenn die Digitalfotografie seit 15 Jahren Standard ist, besitzen viele Fotografen noch zahlreiche Negative aus der guten alten analogen Zeit. Zum Glück lassen sich diese recht einfach digitalisieren. 



Neulich musste ich für eine Party in meiner Fotokiste wühlen. Eine große IKEA-Box, in der sich neben analogen Fotoalben zahllose Fototaschen mit Fotos und Negativen befinden. Dabei fiel mir auf, dass ich noch wirklich viel analoges Material besitze, das ich bisher nicht digitalisiert habe. Jugendfotos, und das nicht zu knapp, denn meine erste Digitalkamera kaufte ich erst 2002 – und war damit vermutlich noch ein Early Adopter. Gerade Spiegelreflex-Fans dürften noch deutlich länger mit der alten Analogkamera gearbeitet haben. Langer Rede kurzer Sinn: Die ollen Negative werden nicht besser, wenn sie jahrzehntelang in der Fotokiste liegen. Zeit, sie zu digitalisieren!

Warum Negative digitalisieren?

Der Vorteil der Digitalisierung von Negativen ist die meist deutlich bessere Qualität gegenüber dem Scannen analoger Fotos. Die Negative sind auf einem sehr haltbaren Material aus Kunststoff „gespeichert“. Während ausbelichtete Fotos oft mit der Zeit optisch altern oder durch die dem Fotopapier eigene Körnung oft im Scan „alt“ aussehen, können Negativ-Scans deutlich bessere Qualität liefern. Das Negativ ist sozusagen die analoge RAW-Datei des Bildes und enthält wesentlich mehr Informationen als das ausbelichtete Foto, was mit einem analogen JPEG vergleichbar ist. In meinem speziellen Fall gibt es aber noch einen anderen Grund: Ich habe von vielen Negativen keine Positive mehr, weil ich sie über die Jahre verschenkt, verbastelt oder verloren habe.

Negative digitalisieren

Wer viel analog fotografiert hat, wird vermutlich auch viele Negative besitzen.

Negative scannen: Die richtige Hardware ist wichtig

Um Negative einzuscannen, ist es wichtig, einen Scanner zu besitzen, der Negative verwenden kann. Dazu ist eine sogenannte Durchlichteinheit nötig. Dabei handelt es sich um eine Plastikplatte, in die die Negative eingespannt werden und die dann auf den Scanner gelegt wird. Bessere Fotoscanner wie etwa Canons CanoScan 9000F besitzen eine derartige Funktion, günstiger geht es mit einem Gerät wie dem Epson Perfection V370. Noch preisgünstiger sind dedizierte Dia-Negativscanner wie der ROLLEI 20689 DF-S 500 SE, allerdings sind diese oft bei der Auflösung auf 5 Megapixel oder weniger beschränkt. Da Negative sehr klein sind, empfiehlt sich ein hoher DPI-Wert von 2.400 DPI oder mehr.

Negative digitalisieren mit EPSON Scanner

Ein Scanner mit Durchlichteinheit, wie der Epson Perfection V370, ist Pflicht, um Negative zu digitalisieren.

Auswahl der Negative

Ist das Gerät angeschafft und eingerichtet, ist ein weiterer Schritt notwendig: Die Negative müssen ausgewählt und gereinigt werden. So gibt es aus meiner Jugend zahllose banale Schnappschüsse, die keinerlei Mehrwert haben – ich war jung und hatte keine Ahnung von Fotografie. Hier müssen also relevante von irrelevanten Negativen getrennt werden. Um sich schnell eine Übersicht zu verschaffen, hilft der Blick durch das Negativ gegen das Licht. Um mehr Negative gleichzeitig zu sichten, empfiehlt sich eine gleichmäßige Lichtquelle als Leuchtplatte. Als iPad-Nutzer kann ich das Gerät als Leuchte für Negative zweckentfremden, etwa mit der App MyLight, die einfach einen weißen, hellen Bildschirm einblenden kann.

Wichtig: Negative vor der Digitalisierung reinigen

Was folgt, ist die Reinigung der ausgewählten Negative: Fingerabdrücke und winzige Stäubchen können bei der enormen Vergrößerung, die bei der Digitalisierung erfolgt, zu riesigen Flecken anwachsen. Genau deshalb sollte jedes Negativ vor dem Scan gereinigt werden. Staub entfernen Sie am besten mit einem Druckluftspray. Falls der Schmutz sehr hartnäckig ist, sollten Sie die Negative einweichen. Ich hatte dieses Problem bei einigen der Bilder, dochwenige Minuten im Wasserbad samt anschließender vorsichtiger Reinigung unter fließendem kalten Wasser und Trocknung mit einem feinen Mikrofasertuch brachte die Filmstreifen wieder auf Vordermann. Achtung: Probieren Sie das erst mit Negativen aus, die keine wichtigen Bilder enthalten!


Negative digitalisieren: So geht’s!

Das war es dann auch schon. Sie können die Negative in die Durchlichteinheit legen und Ihren Scanner auf den entsprechenden Modus schalten. Ein Vorschauscan zeigt, wie die Ergebnisse aussehen werden. Bei vielen Scannern können Sie einstellen, dass die Bilder der Durchlichteinheit einzeln als Bilddatei abgelegt werden. Wichtig: Sie sollten nicht direkt in JPEG scannen, da das JPEG-Format mit einem Qualitätsverlust verbunden ist. Besser, Sie verwenden, soweit möglich, das TIFF-Format.

Tipp: Die richtige Auflösung wählen

Wenn Sie Ihre Negative digitalisieren, sollten Sie außerdem eine möglichst hohe Auflösung wählen: Die DPI-Zahl steht dabei im direkten Verhältnis zur Megapixel-Auflösung des Scans. Ein typisches Kleinbild-Negativ hat die Maße 36 x 24 Millimeter. DPI steht für „Dots per Inch“, also „Punkte pro Zoll“. Ein Zoll entspricht 25,4 Millimetern. Sie können noch folgen? Gut: Ein Kleinbildfilm hat also die Maße 36 x 24 Millimeter, was 0,94 x 1,41 Zoll entspricht. Die Formel für die Errechnung der Megapixel lautet demzufolge:

Auflösung horizontal / Zoll = DPI

Das lässt sich recht einfach überschlagen: Anhand der standardisierten Megapixel-Werte, wie man sie zum Beispiel der Wikipedia entnehmen kann, errechnet sich ein Wert von: 3.264 Pixel x 1,41 Zoll = 2.314 DPI.
Um ein Negativ also mit rund 8 Megapixeln zu scannen, müssen Sie etwa 2.400 DPI auswählen. Höhere DPI-Werte sorgen entsprechend für höhere Megapixel-Auflösungen.

Negative reinigen

Alte Negative benötigen im Zweifel viel Reinigung und Nachbearbeitung

Negative digitalisieren: Nachbearbeitung nicht vergessen

Sind alle Negative gescannt, können Sie sie nach und nach im Bildbearbeitungsprogramm Ihrer Wahl nachbearbeiten. Natürlich gibt es hier reichlich Auswahl: Von Photoshop oder Lightroom bis hin zu Apple Fotos oder Programmen wie das kostenlose Bildbearbeitungsprogramm GIMP haben Sie die freie Auswahl, um zum Beispiel Farbfehler, Kratzer, Belichtung und Beschädigungen am Bild zu korrigieren. Alle Programme bieten ausreichend Möglichkeiten, um das Beste aus dem gescannten Negativ herauszuholen, vor allem, wenn der Scan im TIFF-Format vorliegt. Erst, wenn Sie alle Nachbearbeitungsschritte durchgeführt haben, empfiehlt es sich, das Bild für platzsparende Archivierung ins JPEG-Format zu exportieren. Ich habe auf diese Weise meine Fotokiste nach und nach digitalisiert – übrigens eine wunderbare Beschäftigung für verregnete Abende.

Lesetipp der Redaktion: Viele Fotografen, die schon vor der Verbreitung von Smartphone und Digitalkamera fotografiert haben, besitzen riesige Dia-Sammlungen. Falls Sie auch dazu gehören, interessiert es Sie sicherlich zu erfahren, wie Sie Dias digitalisieren. Wir zeigen, wie Sie das bewerkstelligen können.