Motoröl – Was Sie beim Kauf beachten müssen

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Kaum etwas hat so viel Einfluss auf die Lebensdauer eines Automotors wie das richtige Motoröl. Doch zahllose Standards und Preisklassen verunsichern viele Autofahrer. Dabei ist es eigentlich ganz einfach, das passende Produkt zu finden.

Beim Kauf von Motoröl hat man die Qual der Wahl: Manchmal steht es für kleines Geld beim Discounter, in großen Super- und Baumärken gibt es ein ganzes Regal mit bekannten Marken oder vermeintlichen Billigprodukten. Im Gegensatz dazu kommt bei der Vertragswerkstatt in der Regel ausgesprochen teurer Schmierstoff zum Einsatz. Der Kunde fragt sich zwangsläufig, ob es da nicht Sparpotenzial gibt, ist aber aufgrund der zahllosen Motoröl-Standards schnell überfordert. Zumal moderne Motoren mit Turbo-Zwangsbeatmung und Downsizing-Konzept schnell Schaden nehmen können, wenn das falsche Öl verwendet wird. Der Kanister günstiges 10W40 vom Discounter , der früher stets im Kofferraum mitgeführt wurde, hat bei der heutigen Motortechnik jedenfalls ausgedient, obwohl auch moderne Motoren gerne das ein oder andere Schlückchen Öl verbrauchen, weshalb nach wie vor das Nachfüllen zwischen zwei Ölwechseln nötig werden kann. Doch welches Öl ist das richtige?

Motoröl: Reißt der Schmierfilm, nimmt der Motor Schaden

Wer billigstes Öl kauft und auf den Ölwechsel oder das Nachfüllen verzichtet, der wird sich relativ bald einen kapitalen Motorschaden einhandeln. Der Grund dafür ist einfach: Das Öl schmiert die sich mit enormer Geschwindigkeit und hohen Kräften bewegenden Motorteile. Reißt der Schmierfilm ab, kommt es zu massiv erhöhtem Verschleiß an allen Bauteilen des Motors, was auf kurz oder lang für schwere Defekte sorgt. Moderne Motoren mit kleinem Hubraum und hoher Leistung sind hier besonders anfällig. Gleichzeitig altert das Öl im Motorraum durch Verschmutzungen, Abrieb und permanentes Durchwalken, weshalb es regelmäßig gewechselt werden muss. Mit der Zeit altern die Polymerketten im Öl und werden kürzer, der Schmierfilm reißt schneller ab, der Motorschaden ist vorprogrammiert.

Rund 250 Ölsorten werden auf dem deutschen Markt angeboten. Auf der sicheren Seite liegt man, wenn man das Motoröl nachfüllt, das der Hersteller oder die Vertragswerkstatt eingefüllt hat.

Rund 250 Ölsorten werden auf dem deutschen Markt angeboten. Auf der sicheren Seite liegt man, wenn man das Motoröl nachfüllt, das der Hersteller oder die Vertragswerkstatt eingefüllt hat.

Für eine lange Motorlebensdauer sollten Ölwechselintervalle also eingehalten, der Ölstand regelmäßig geprüft und das richtige Öl verwendet werden. Gerade moderne Turbodiesel und -benziner sind hier sehr wählerisch. Hinzu kommt: Wird das falsche Öl verwendet, kann der Hersteller bei einem Motorschaden den Garantieanspruch mindern oder zurückweisen.

Motoröl: Viskosität, Temperaturtoleranz und chemische Beschaffenheit

Wenn die Ölanzeige das Nachfüllen verlangt, muss Öl nachgekauft werden. Und hier sind viele Autofahrer bereits überfragt, wenn sie vor dem Supermarktregal stehen: Was bedeutet 10W40? Was ist der Unterschied zwischen einem synthetischen und einem Mineralöl? Ist ein Longlife-Öl besser als ein normales? Und welches ist das passende Öl für meinen Motor? Zunächst sind Mineralöle zwar billiger, in der Regel aber auch deutlich weniger robust. Und die Zahlenkombination mit dem „W“ in der Mitte beschreibt die Viskosität: Der erste Wert gibt an, wie flüssig ein Öl bei 0 Grad Celsius ist, der zweite die Viskosität bei 100 Grad. Je kleiner die Werte, desto dünnflüssiger ist das Öl. In der Regel werden diese Spezifikationen vom Hersteller vorgegeben. Das Problem: Früher waren Motoren durch die gröbere Bauweise deutlich weniger empfindlich, weshalb „falsches“ Öl keinen allzu großen Effekt hatte, „Hauptsache Öl“, könnte man sagen. Bei modernen Motoren ist das nicht mehr der Fall, die Viskositätswerte allein reichen nicht mehr aus, es gibt weitere Faktoren wie etwa die chemische Struktur, die die Eignung eines Öls für einen bestimmten Motor beeinflussen, weshalb die Autohersteller inzwischen auf sogenannte Motorölspezifikationen nach ACEA (Association des Constructeurs Européens d’Automobiles) setzen. Eine gute Übersicht über die verschiedenen Spezifikationen bietet der ADAC.

Wichtig: Motoröl-Spezifikationen schützen vor Fehlkäufen

Gerade Besitzer von Fahrzeugen mit flexiblen Service-Intervallen – also Fahrzeuge, die selbstständig merken, wann sie für die Inspektion in die Werkstatt müssen – sollten direkt einen Blick in das Bordhandbuch werfen, wenn Öl nachgefüllt werden muss. Denn diese Motoren sind bei niedrigem Ölstand oder gealtertem Öl besonders anfällig für Motorschäden. Im Handbuch stehen im Kapitel über Wartung oder im Anhang mit den technischen Daten normalerweise die Öl-Spezifikationen in Form einer Viskositätsklasse oder einer Herstellerfreigabe. Bei Volkswagen sieht diese zum Beispiel so aus: VW 504 00. Die Nummer besagt, dass dieses Öl speziell für diesen Motor freigegeben ist. Die Bezeichnung muss exakt so auf der Flasche stehen, andernfalls ist das Öl nicht für den Motor geeignet und kann Schäden verursachen.

Praxis-Tipp: Laden Sie sich am besten das Handbuch Ihres Autos von der Hersteller-Website herunter oder fotografieren Sie die Seite mit den Öl-Spezifikationen mit Ihrem Smartphone ab, damit Sie diese jederzeit zur Hand haben, falls neues Öl benötigt wird.

Ist teures Motoröl besser?

Grundsätzlich ist ein Öl nach Hersteller-Spezifikation immer für das entsprechende Fahrzeug geeignet, man kann also bedenkenlos zum preiswerteren Produkt greifen. Allerdings kommt der Preis für Motoröl, genau wie zum Beispiel bei Nahrungsmitteln, nicht von ungefähr: Je besser die Qualität, desto höher der Preis. So mischen hochpreisige Hersteller ihren Ölen bestimmte Additive bei, die die Lebensdauer des Motors zusätzlich erhöhen und beispielsweise den Verbrauch senken oder die Motoreffizienz verbessern können.

Zu wenig, zu viel aber auch ungeeignetes Öl kann zu einem Motorschaden führen. In den meisten Fällen schreiben die Fahrzeughersteller vor, welches Öl für welches Auto geeignet ist.

Zu wenig, zu viel aber auch ungeeignetes Öl kann zu einem Motorschaden führen. In den meisten Fällen schreiben die Fahrzeughersteller vor, welches Öl für welches Auto geeignet ist.

Gerade bei Motoren, bei denen es keine Herstellerspezifikation, sondern nur eine Viskositätsvorgabe gibt, kann der Griff zum besseren Öl also einige Vorteile haben. Ob diese den Mehrpreis rechtfertigen, ist natürlich eine Frage, die jeder Autofahrer für sich selbst entscheiden muss.

Übrigens: Öle mit gleicher Spezifikation lassen sich beim Nachfüllen problemlos mischen. Trotzdem sollten Ölwechsel-Intervalle strikt eingehalten und bei niedrigem Ölstand sofort Schmiermittel nachgefüllt werden. Das garantiert eine lange Motorlebensdauer und verhindert, dass sich der Hersteller bei einem Motorschaden im Garantiezeitraum nicht mit dem Argument eines falschen oder fehlenden Motoröls aus der Verantwortung stehlen kann. Und auch wenn Öl teuer ist, sollte es nicht lange gelagert werden. Laut TÜV-Süd sind ungeöffnete Flaschen maximal fünf Jahre haltbar, geöffnete sollten binnen eines Jahres verbraucht werden, da auch ungenutztes Öl einer chemischen Alterung unterliegt. Das gilt natürlich auch für Öl, das sich bereits im Motor befindet: Wenn ein Fahrzeug über einen Zeitraum von mehr als ein, zwei Jahren nicht gefahren wurde, ist es ratsam, das Öl prophylaktisch zu wechseln, um Schäden zu vermeiden.