Wo liegt der Unterschied zwischen Micro-USB, Mini-USB, USB-C und Thunderbolt 3?

0

Egal ob Ladegerät oder Anschluss von Mobilgeräten an PC und Mac: Das richtige Kabel ist trotz aller kabellosen Lösungen nach wie vor die einfachste und angenehmste Methode, um Daten zwischen Smartphone und Computer auszutauschen oder die Geräte zu laden. Doch warum gibt es so viele Schnittstellen? Und was bedeuten sie?

Der eine hat ein iPhone, der andere ein Android-Tablet, der Dritte ein Windows-Phone. Der Satz „Hast Du mal schnell ein Ladegerät für mich?“ sorgt bei diesem Setting leicht für Probleme: Während Apple den proprietären Lightning-Anschluss verwendet, setzt ein Großteil der Android- und Windows-Phone-Geräte heute auf Micro-USB oder USB-C, sehr alte Geräte werden sogar noch per Mini-USB betankt. Und dann gibt es natürlich andere Gerätetypen, die ebenfalls eigene Kabel verwenden, etwa externe Festplatten und Peripherie wie TV-Adapter für den PC, digitalen Spiegelreflexkameras oder eBook-Reader. Hier stellt sich ebenfalls die bange Frage, was wo verwendet werden kann – und ob es Probleme gibt. Denn neben dem Stecker selbst spielt auch die Spannungsversorgung nicht selten eine entscheidende Rolle dabei, ob das Gerät geladen und synchronisiert werden kann oder eben nicht. Im Alltag kann das schnell nerven.

Von wegen universal: USB liefert zahlreiche Standards

Denn trotz ihres ähnlichen Funktionsumfangs gibt es inzwischen zahlreiche USB-Steckertypen. Am häufigsten trifft man im Alltag wohl auf den guten alten Typ-A-Stecker: die große Buchse, die sich in aller Regel am Computer- und Netzteil-Ende aller anderen USB-Stecker befindet. Wie vermutlich jedem auf den ersten Blick klar sein dürfte, sind diese Buchsen zu groß für kompakte Geräte, weshalb bereits im Jahr 2000 mit dem USB-2.0-Standard ein kleinerer Stecker spezifiziert wurde: der Mini-USB war geboren.

Mini USB

Mini-USB: Der trapezförmige Stecker ist vergleichsweise klein und kommt daher bis heute vor allem bei kompakter USB-Peripherie und Digitalkameras zum Einsatz, auch Smartphones und Mediaplayer älterer Bauart besitzen ihn.

2007 wurde dann eine noch kleinere Steckervariante auf den Markt gebracht: Micro-USB – heute der Standard-Anschluss vieler Mobilgeräte – wartete fortan auf seinen Einsatz.

Micro USB

Der Micro-USB-Anschluss des Sony Xperia M5 hat eine wasserabweisende Beschichtung und kommt so ohne Deckel aus.

Lesetipp der Redaktion: Das Sony Xperia M5 besitzt einen 2600-mAh-Akku mit bis zu 2 Tagen Laufzeit und muss daher nicht täglich aufgeladen werden. Wir haben das Smartphone getestet.

Die Sache mit Apples proprietären Schnittstellen

Da Standard-USB vielen Herstellern zu sperrig und der Micro-USB-Stecker alles andere als robust war, entwickelten in den 2000er-Jahren viele Hersteller – darunter neben Apple auch Samsung, Sony-Ericsson oder Nokia – eigene, proprietäre Steckersysteme, die ein schnelles Docken der Mobilgeräte ermöglichten. Diese Stecker waren in aller Regel breiter als Micro-USB und damit mechanisch robuster, weshalb sie eine ganze Zeit lang trotz hoher Preise für die Kabel eine bessere Lösung darstellten. Bis heute geblieben ist aber nur Apples Dock-Connector, der bis vor nicht allzu langer Zeit in iPods, iPhones und iPads zum Einsatz kam und auch heute noch an vielen Audiogeräten zu finden ist. Der Grund dafür ist einzig und allein die Tatsache, dass Apples iPod-System (und damit auch die Ableger iPhone und iPad) lange Zeit Marktführer in diesem Segment waren. Per Adapter kann ein Dock-Anschluss in einen Micro-USB-Anschluss umgewandelt werden, funktional ist er mit dem USB-2.0-Standard identisch.

USB-C macht USB endlich benutzerfreundlich

Das größte Problem all dieser Lösungen – von normalem USB über Micro- und Mini-USB bis hin zu Apples Dock-Connector und ähnlichen Lösungen anderer Hersteller – war immer, dass die Stecker nur in einer Richtung eingesteckt werden konnten. Das machte die Bedienung vergleichsweise knifflig. Im Sommer 2014 kam USB-C auf den Markt, der erste USB-Anschluss, der punktsymmetrisch ist und daher ohne Fummelei einfach eingesteckt werden kann. Zudem ist er klein genug, um auch in wirklich kleinen und dünnen Smartphones Platz zu finden.

USB-C

USB-C ist ein Industriestandard der nächsten Generation, der Lade-, Datenübertragungs- und Videofunktion in einem einfachen Anschluss vereint. Ihr MacBook verfügt über einen USB-C-Anschluss.

Apple ging das jedoch offensichtlich nicht schnell genug: Bereits 2012 präsentierte der Hersteller mit Lightning einen eigenen Standard, der ähnliche Vorteile aufweist. Außerdem besitzt Lightning anders als USB-C einen eingebauten Microcontroller, der dem Endgerät mitteilt, um was für eine Hardware es sich handelt. Zudem gibt es einen Authentifizierungschip, der unerlaubte Nachbauten verhindern soll. Wie schon beim Dock-Anschluss sind aber auch hier Adapter zu Micro-USB erhältlich.

USB-C ist die Zukunft – oder doch eher Thunderbolt 3?

USB-C ist also im Grunde der flexiblere und preiswertere Standard und sogar Apple verbaut ihn im ultrakompakten MacBook Retina. Neue Smartphones und Tablets sind in aller Regel ebenfalls mit ihm ausgestattet.

USB-C

Moderne Smartphones wie das Lumia 950 benutzen bereits den USB-C-Anschluss.

Da der Stecker nicht nur zum Aufladen dient, sondern als Teil der USB-3.1-Spezifikation Übertragungsraten von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde ermöglicht, ist er bestens für den Einsatz in künftigen Smartphones und Tablets geeignet. Zumal er auch einen ausgesprochen hohen Ladestrom von 100 Watt verkraftet. Das reicht sogar für den Betrieb eines kompakten Gaming-Notebooks, weshalb die Schnittstelle in Zukunft wohl auch im Laptop an Bedeutung gewinnen und sperrige Netzteile endgültig in die Mülltonne der Computergeschichte verbannen dürfte. Allerdings hat USB-C bereits jetzt einen mächtigen Konkurrenten: Die Thunderbolt-3-Schnittstelle ist nämlich steckerkompatibel zum USB-C-Standard, bietet allerdings noch einmal einen deutlichen Leistungsschub. Neben einer Übertragungsrate von bis zu 40 Gigabit pro Sekunde stellt die Schnittstelle PCI-Express, Display-Port- und Ethernet-Kanäle zur Verfügung, womit sie den aktuellen Gipfel der Schnittstellenentwicklung darstellt. Für PCs, Macs und Mobilgeräte aller Art dürfte die Thunderbolt-Schnittstelle also künftig an Wichtigkeit gewinnen, einfach weil sie mit dem Komfort eines USB-C-Steckers alle Docking-Möglichkeiten abdeckt und den Anschluss beliebiger Peripherie erlaubt.

Was ist denn jetzt mit dem Ladekabel?

Doch zurück zum Ladekabel: Natürlich lösen USB-C und Thunderbolt vermutlich schon bald alle Schnittstellen- und Ladegerät-Inkompatibilitäten, derzeit müssen Anwender aber noch mit dem variantenreichen Ökosystem aus Mini- und Micro-USB, Apple-Dock und -Lightning sowie der neuen USB-C-Schnittstelle leben. Immerhin: Wenn das Gerät nur geladen werden soll, tut es inzwischen jedes USB-Netzteil, da sich am anderen Ende der zahlreichen Adapter ja dann doch immer ein USB-A-Stecker für den großen, alten USB-Port befindet. Zudem lassen sich viele der Stecker risikofrei per Adapter ineinander umwandeln. Eine Lösung für das Ladegerät-Problem ist zwar mit USB-C und Thunderbolt 3 in Sicht. Bis dahin bleibt Nutzern von Smartphones und Tablets jedoch nur die Option, mindestens ein für ihr Gerät passendes Kabel dabeizuhaben. Die kosten für alle Steckertypen deutlich weniger als 10 Euro und nehmen kaum Platz in der Handtasche, Jackentasche oder dem Rucksack weg. Dafür ermöglichen sie das Laden des geliebten Smartphones oder Tablets an jedem beliebigen USB-A-Port – und die gibt es inzwischen überall, sogar im Flugzeug. Wichtig beim Laden ist nur – das ist das Gute an allen USB-Standards inklusive proprietärer Lösungen wie Apples Lightning –,dass der Stecker passt.

Lesetipp der Redaktion: Mobile Bluetooth-Boxen gibt es wie Sand am Meer, doch der Teufel Rockster XS ist ein ganz besonderer Vertreter seiner Gattung: Mit gutem Klang und enormer Akkulaufzeit ist er das ideale Beschallungswerkzeug für alle Outdoor-Fans. Übrigens: Geladen wird der Teufel Rockster XS mit dem mitgelieferten Micro-USB-Kabel.