Medion Lifebeat E65111: Bluetooth-Lautsprecher im Praxistest

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Tragbare Bluetooth-Lautsprecher gibt es wie Sand am Meer. Doch Medions Lifebeat E65111 ist anders: Mit schickem Retro-Design und gutem Klang überzeugt er nicht nur Mobilnutzer, sondern alle, die Wert auf gute Musikqualität per Bluetooth legen.

Ehrlich gesagt bin ich kein großer Freund von Bluetooth-Lautsprechern, besonders nicht von tragbaren. Zu oft haben mich die Brüllwürfel in Sachen Klangqualität enttäuscht: Gerade die Preisklasse unter 100 Euro beweist in der Regel zwar Qualitäten in Sachen Lautstärke, Klangqualität und nicht selten auch die Bässe bleiben jedoch meist auf der Strecke. Das mag der Jugend von heute genügen, die am Badesee ihre Freunde und Menschen im Umkreis von 50 Metern mit knacksenden Elektrobeats und übersteuernden Autotune-Popsongs beschallen möchte. Für Menschen wie mich jedoch, die zu Hause noch eine klassische Stereoanlage mit Airplay-Adapter stehen haben und lieber Rock, Ska und klassischen Hip-Hop hören – in Zimmerlautstärke, aber eben gerne auch mal lauter – ist das nichts. Entsprechend skeptisch war ich daher zunächst, als ich den Auftrag erhielt, den mobilen Medion Lifebeat E65111 (MD84945) Bluetooth-Lautsprecher mit einer UVP von 79,95 Euro unter die Lupe zu nehmen.

Der Medion Lifebeat E65111 punktet mit seinem Retro-Design

Den ersten Pluspunkt sammelt der Medion Lifebeat E65111 mit seiner Optik. Von Format und Gewicht an ein klassisches Kofferradio erinnernd, besitzt der in grauem und weißem Kunststoff mit Leder-Optik gehaltene Bluetooth-Lautsprecher ein ausgesprochen elegantes Retro-Design. Ergänzt wird dies durch den braunen Kunstleder-Tragegurt, der an zwei soliden Chrom-Haltern befestigt wird.

Medion Boxen Life Beat

Der Medion Lifebeat E65111 verfügt über ein elegantes Retrodesign, auch wenn das Gehäuse aus Plastik ist.

Die Optik des Medion Lifebeat E65111 ist minimalistisch, das Gerät besitzt nur fünf hochwertige Knöpfe (An/Aus, Play/Pause, Lautstärke +/–, Bluetooth) an der Oberseite sowie Stromanschluss, Line-In und USB-Anschluss für Audiogeräte auf der Rückseite. Die Front wird von den 2 x 15-Watt-Lautsprechern dominiert. Dass es sich bei der Außenhülle lediglich um Plastik mit Leder-Textur handelt, ist übrigens geschenkt: Das Gerät sieht gut aus und der Kunststoff macht es nur robuster, zumal der Medion Lifebeat E65111 laut Handbuch gegen Spritzwasser geschützt ist und damit auch problemlos zum Badesee mitgenommen werden kann – allerdings fehlt eine IP-Zertifizierung. Das Netzteil und die Anschlüsse sind ebenfalls nicht geschützt, insofern sollte Feuchtigkeit eher gemieden werden. Ich würde den Medion Lifebeat E65111 jedenfalls nur auf trockenem Untergrund benutzen.

Medion Lautsprecher: Simple Bedienung mit Tücken

Die Bedienung des Medion Lifebeat E65111 ist, wie bei Bluetooth-Lautsprechern üblich, simpel: Nach dem Einschalten blinkt die Bluetooth-Leuchte, Geräte können per Bluetooth 4.0 gekoppelt werden. Dank NFC ist das mit Smartphones, die eine entsprechende Funktion besitzen, sogar noch einfacher. Einmal verbundene Geräte werden anschließend jederzeit wiedererkannt.

Medion Lifebeat Lautsprecher USB

Die 2 x 15 Watt RMS (Root Mean Square) bieten satten Sound, gute Bässe und saubere Mitten und Höhen – das ist in dieser Preisklasse alles andere als Standard!

Schön: Der Medion Lifebeat E65111 gibt beim Starten, Ausschalten und Koppeln zwar einen Signalton – der ist aber weder so laut noch so penetrant, wie es zum Beispiel bei preislich deutlich höher liegenden Konkurrenzprodukten der Fall ist. Praktisch ist die Möglichkeit, schnell ein anderes Gerät zu koppeln: Dafür muss nur die BT-Taste gedrückt werden, bis sie blinkt, anschließend kann das andere Gerät gekoppelt werden. Die Steuerung erfolgt direkt über das Smartphone, Tablet oder den PC/Mac – oder über die Gerätetasten. Hier wird es leider etwas knifflig: Zunächst war ich verwundert, weil der Lifebeat die Lieder skippte, statt die Lautstärke zu regeln. Dann (nach einem erneuten Blick ins Handbuch, das man natürlich immer lesen sollte) fiel mir aber auf, dass die Lautstärkeknöpfe eine Doppelfunktion haben: Werden sie doppelt „geklickt“, springt das Lied weiter oder zurück, die Lautstärke regelt man nahezu stufenlos, indem man die Lauter- oder Leiser-Taste einfach gedrückt hält. Leider ist das nicht allzu präzise, schnell wird aus Versehen auf das nächste Lied umgeschaltet. Auch die Bluetooth-Taste ist doppelt belegt: Kurz gedrückt schaltet sie zwischen Bluetooth-Quelle, Aux-Quelle und Ladefunktion um, lang gedrückt wird das Gerät in den Pairing-Modus versetzt. Insofern ist die Bedienung insgesamt nicht intuitiv, lässt sich aber nach einiger Übung durchaus sicher beherrschen.

Eine Freisprecheinrichtung fehlt übrigens, was ich persönlich positiv finde, da mich diese Funktion an anderen Bluetooth-Speakern eher nervt. Die Reichweite von 10 Metern ist, wie bei Bluetooth üblich, nur eine Näherungsangabe und hängt sehr davon ab, wie viele Störeinflüsse und Hindernisse im Feld sind und wie gut die Sendequalität des Abspielgeräts ist. Mit dem iPad erzielte ich im Test Reichweiten von knapp 12 Metern durch zwei Wände, während es beim Macbook schon nach zwei Metern erste Verbindungsprobleme gab.

Kleiner Minuspunkt: Unlogische Lade- und Abspielfunktion

Wirklich kritikwürdig ist eigentlich nur die Ladefunktion des Medion Lifebeat E65111: Das Handbuch lehrt, dass man Smartphones, Tablets und andere Geräte über die rückseitige USB-Buchse mit 5 Volt/1 Ampere laden kann, indem man das Gerät hier anschließt. Ähnlich wie bei der Steuerung, die jedoch mit ein wenig Einarbeitung problemlos zu handhaben ist, lässt der Medion hier jegliche Möglichkeit einer intuitiven Bedienung vermissen: Schließt man ein Mobilgerät an – etwa ein iPhone oder iPad – wird es zunächst nicht geladen. Erst das Drücken der Bluetooth-Taste sorgt dafür, dass die Ladefunktion eingeschaltet wird. Dummerweise geht dann Bluetooth nicht mehr – ein paralleles Laden im Betrieb ist also nicht möglich.

Medion Lifebeat E65111

Stromanschluss, USB und Line-In sind alles, was ein Gerät dieser Klasse braucht. Dummerweise erlaubt der Medion nicht, ein Endgerät gleichzeitig zu laden und abzuspielen.

Der Gegencheck mit dem Line-In bringt das gleiche Ergebnis: Das Smartphone oder Tablet kann am Medion Lifebeat abspielen oder laden – beides zugleich funktioniert nicht, und das ist ärgerlich. Zudem ist auch keine Steuerung von per USB angeschlossenen MP3-Playern möglich, vielmehr dient die USB-Buchse einzig und allein dem Zweck, den Medion-Lautsprecher als ziemlich wuchtige Powerbank zu benutzen. Mit 2.200 mAh ist hier allerdings nicht genug Akkukapazität im Lautsprecher vorhanden, um zum Beispiel ein iPhone mobil vollständig aufzuladen. So kann der Medion Lifebeat E65111 bestenfalls im Netzbetrieb als Ladestation arbeiten – hier schafft er es aber sogar, ein iPad Air 2 aufzuladen, wenn auch langsam.

Klarer Pluspunkt: Der Medion Lautsprecher überzeugt mit gutem Klang

Doch genug der Kritik. Was wäre ein Bluetooth-Lautsprecher ohne seine Boxen? Mit zwei 15-Watt-Boxen hat der Medion Lifebeat E65111 ordentlich Wumms und kann sowohl Höhen als auch Bässe in guter Qualität wiedergeben. In der Tat liegt das Leistungsniveau der Medion Lifebeat E65111-Speaker nicht auf dem lausigen Quäker-Niveau der handelsüblichen mobilen Lautsprecher, sondern deutlich darüber und kann sich sogar mit einer günstigen Kompaktanlage oder einem Kombigerät messen.

Sein Volumen von rund 4 Litern (Außenkanten) und das solide, schwere Kunststoffgehäuse sorgen für genug Reserven bei Bässen, und auch Mitten und Höhen sind deutlich erkennbar, wenn auch je nach Song ein wenig blechern. Den Rest kann man per Equalizer auf dem Mobilgerät regeln, faktisch lässt sich der mobile Lautsprecher aber nur bei enormen Lautstärken übersteuern und bleibt auch im lauten Betrieb ausgeglichen. Unter Berücksichtigung von Gehäusegröße und Preis würde ich dem Gerät alles in allem sehr gute Klangeigenschaften bestätigen – unabhängig davon, ob man lieber Hip-Hop, Rock oder elektronische Musik hört. Nur bei Klassik versagt der Lautsprecher, wie so viele kleinere Boxen. Wie schon erwähnt, ist der Medion Lifebeat E65111 mit einem eingebauten Akku ausgestattet. Dieser hat eine Kapazität von 2.200 mAh und eine Spannung von 11,1 Volt beziehungsweise 24,4 Wattstunden. Bei etwas mehr als Zimmerlautstärke hielt er damit im Test weit über acht Stunden durch, eignet sich also hervorragend für die Beschallung von Grillparties und Badesee-Sitzungen.

Fazit: Ein guter Bluetooth-Speaker für drinnen und draußen

In Anbetracht des niedrigen Preises ist die Qualität des Medion Lifebeat E65111 erstaunlich. Er kann sich durchaus mit deutlich teureren Geräten wie denen von JBL oder Jabra messen und liegt klanglich durchaus auf dem Niveau einer kleinen Kompaktanlage. Abzüge gibt es bei der Bedienung und vor allem durch die mir völlig unverständliche Konzeption der USB-Buchse: Es ergibt bei einem Gerät dieser Größe keinen Sinn, dass ein Smartphone nicht gleichzeitig laden und abspielen kann, weshalb ich den Speaker eher im Heimbetrieb einsetzen würde und nur gelegentlich bei Ausflügen in die Natur. Notfalls kann er aber auch als mobile Stereoanlage arbeiten, dann sollte jedoch sichergestellt sein, dass der Smartphone-Akku vor dem Ausflug voll geladen ist. Nichtsdestotrotz ist der Medion Lifebeat E65111 ein qualitativ hochwertiger und eleganter Bluetooth-Lautsprecher mit gutem Klang zu einem erstaunlich günstigen Preis, den ich rundum empfehlen kann.