Ratgeber: Makrofotografie mit dem iPhone

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Die iPhone-Kamera kann mehr als banale Schnappschüsse: Schon ab Werk ist die Naheinstellungsgrenze gering, wodurch tolle Nahaufnahmen möglich sind. Doch auch echte Makrofotos sind mit ein wenig Zubehör kein Problem.

Anfangs hat Apple ein wenig gebraucht, um den praktischen Nutzen der iSight-Kamera auf der Rückseite des iPhones zu erkennen: Das Original-iPhone war, ebenso wie seine Nachfolger 3G und 3GS, in Sachen Kamera eher schwachbrüstig, die lausigen Linsen lieferten rauschige und unterbelichtete Bilder. Seit dem iPhone 4 sieht die Sache aber anders aus: Dank hoher Lichtstärke der Optik und ausreichender Auflösung – damals eine Blende von ƒ/2,8 und fünf Megapixel, heute beim iPhone 6S sogar satte 12 Megapixel und eine sehr große Blende von ƒ/2,2 – ist die iPhone-Kamera längst den Kinderschuhen entwachsen und lehrt sowohl die Smartphone-Kameras der Konkurrenz als auch klassische Digitalkameras das Fürchten. Auf Flickr ist das iPhone 6 sogar die mit Abstand beliebteste Digitalkamera (Link). Kein Wunder: Die Bilder, die die kleine iPhone-Knipse schießt, stellen auch durchaus anspruchsvolle Fotografen zufrieden.

Makrofotografie Iphone

Es muss nicht immer die schwere Spiegelreflex- oder Systemkamera sein: Auch mit dem iPhone (oder anderen Smartphones) können ohne Weiteres hervorragende Fotos geschossen werden.

Lesetipp der Redaktion: Das iPhone besitzt eine leistungsstarke Kamera mit lichtstarker Optik und Festbrennweite und ist damit im Grunde besser ausgestattet als so manche Digitalkamera, wenn diese schon einige Jahre alt ist. Warum also nicht einfach nur das iPhone in den Urlaub mitnehmen? …mehr

Makrofotografie: Die kleine Welt ganz groß

Entsprechend hoch ist natürlich das Interesse, die Fähigkeiten der iPhone-Kamera mit ihrer 35mm-Optik äquivalent Kleinbild zu erweitern. Denn sie kann weit mehr als bloß Schnappschüsse schießen und Videos aufnehmen. So gibt es tatsächlich Fotografen, die die iPhone-Kamera zur Makrofotografie einsetzen – leistungsstarkes und preiswertes Zusatzzubehör macht es möglich. Makrofotografie rückt das Kleine in den Fokus und zeigt Details, die dem menschlichen Auge sonst vorenthalten bleiben.

Der Clou: Schon in der Grundeinstellung kann man mit der iPhone-Linse sehr nah ans Motiv herangehen, ab einem Abstand von etwa 7 Zentimetern stellt die Kamera scharf. Kleine Motive wie Blüten, Insekten oder andere interessante Strukturen lassen sich also schon so ganz gut im Großformat ablichten, auch wenn offiziell ein Makromodus oder eine Makrolinse am iPhone fehlen. Hier kann übrigens auch keine App helfen – die Fähigkeiten der Kamera sind an diesem Punkt schlicht optisch eingeschränkt.

Makrofotografie: Mit Zusatzlinse zum Ziel

Richtig spektakulär werden die Makros mit dem iPhone daher erst, wenn man eine zusätzliche Linse wie etwa das handliche, ansteckbare Makroobjektiv von Olliclip oder eine magnetische Makro-Linse installiert. Diese ändern durch ihren eigenen optischen Schliff die Brennweite der iPhone-Kamera und ermöglichen auf diese Weise, näher an das Motiv heranzugehen, als es die iPhone-Kamera normalerweise erlaubt. Allerdings hat dies in aller Regel eine Reduzierung der Lichtstärke und, je nach Linsenqualität, auch der Bildschärfe zur Folge, solange durch das Aufsatz-Objektiv fotografiert wird.

Makrofotografie

Makrofotografie rückt das Kleine in den Fokus und zeigt Details, die dem menschlichen Auge sonst vorenthalten bleiben.

Linsen dieser Art gibt es in vielen Qualitätsstufen und mit verschiedenen Befestigungssystemen, hier ist der persönliche Geschmack und Geldbeutel gefragt. Im Web gibt es einfache Linsen-Sets zum Aufstecken schon ab rund 13 Euro, die auch gleich noch ein Fish-Eye oder ein Teleobjektiv enthalten. Einmal aufgesteckt, ist das iPhone dann auch in der Lage, die kleine Welt ganz groß wiederzugeben.

Makrofotografie: Mit einem Stativ Makros präziser aufnehmen

Wer sich bereits mit Makrofotografie befasst hat, weiß, dass selbst kleinste Wackler schnell für unscharfe oder verwackelte Fotos sorgen. Dafür reicht oft schon der Druck auf den Auslöser oder bei Spiegelreflex-Kameras sogar der Spiegelschlag, vom üblichen Zittern der Hand ganz abgesehen. Insofern ist ein Stativ nicht nur bei der Makrofotografie mit einer „großen“ Digitalkamera Pflicht, sondern auch beim Einsatz des iPhones. Dummerweise gibt es beim iPhone keine Stativaufnahme, allerdings sind schon ab sechs Euro ultrakompakte Dreibein-Klemmstative für iPhones und andere Smartphones erhältlich, mit denen sich das Handy ohne größere Probleme genau auf das Motiv ausrichten lässt.

Tipp der Redaktion: Wer gerade kein Stativ zur Hand hat, kann übrigens improvisieren: Viele KFZ-Halterungen für Smartphones aus dem Zubehörhandel lassen sich dank ihres flexiblen Schwanenhals-Gelenks und des Saugnapfes für diesen Zweck entfremden: Dazu muss man den Saugnapf, der den Halter sonst an der Windschutzscheibe befestigt, auf der Tischplatte befestigen. Anschließend lässt sich das iPhone präzise auf das Motiv ausrichten Alternativ kann auch der Klemmaufsatz eines Selfie-Sticks auf einem normalen Kamerastativ aufgeschraubt werden.

Makrofotgrafie: Fernauslöser verwenden

Leider gibt es bei der iPhone-Makrofotografie selbst mit Stativ eine weitere Quelle für Verwackler und Fehlfokusse: den Auslöser! Die schwergängigen Lautstärkeknöpfe sind genauso wenig wie der Bildschirm-Auslöser für präzises Fotografieren geeignet. Vielmehr sind die beiden Auslösefunktionen selbst mit Stativ fast schon ein Garant für wacklige und unscharfe Bilder, zumal günstige Smartphone-Stative oder zweckentfremdete KFZ-Halterungen in Kombination mit dem iPhone nicht gerade schwer und solide sind, also schnell wackeln, wenn man auslöst. Schon deshalb sollte jeder iPhone-Fotograf besser zum Fernauslöser greifen. Entsprechende kabelgebundene Geräte gibt es ab ca. 12 Euro (Link), zudem ist der Einsatz bereits vorhandener kabelgebundener Auslöser für die digitale Spiegelreflex kein Problem, wenn der Fernauslöser-Stecker eine 3,5mm-Mini-Klinke ist. Dieser passt natürlich auch auf den Kopfhörer-Anschluss des iPhones. Allerdings muss der Fernauslöser nicht zwangsläufig angeschafft werden: Wer noch den bei jedem iPhone mitgelieferten Kopfhörer besitzt, kann auch diesen als Kabelfernauslöser verwenden. Die Lautstärketasten am Kopfhörer funktionieren in der Kamera-App genauso wie die Lautstärkeregler am iPhone selbst.

Makrofotografie: Richtig beleuchten und belichten

Nachdem die technischen Hürden genommen sind, steht spektakulären Makrofotos mit dem iPhone im Grunde nichts mehr im Weg. Wie bei allen Fotos gilt natürlich auch bei Makros, dass die Beleuchtung stimmen sollte. Es empfiehlt sich also, die Aufnahmen an Fenstern ohne direkte Sonneneinstrahlung oder mit Hilfe einer leistungsstarken Lampe zu erstellen. Um harte Schatten zu vermeiden, kann die Lampe mit weißem Papier oder einem weißen Kopfkissenbezug abgehängt oder auf die Decke ausgerichtet werden. Hier sollte aber unbedingt der Brandschutz beachtet werden – idealerweise kommen also LED- oder Energiesparlampen zum Einsatz.

Makrofotografie

Camera+ enthält drei verschiedene Modi: Makro, Normal, Fern. Damit haben Sie für jedes Motiv die richtigen Einstellungen parat.

Zu guter Letzt gibt es noch ein (kleines) Problem: Die Kamera-App des iPhones besitzt nur wenige Einstellmöglichkeiten – hier kann der Einsatz einer App wie Camera+ (Link) dabei helfen, die Belichtung, den Weißabgleich und den Fokus zu optimieren, um noch bessere Fotos zu schießen.

Fazit: Makrofotografie mit dem iPhone ist ein Kinderspiel

Egal ob mit oder ohne Zubehör: Das iPhone eignet sich hervorragend zum Fotografieren auch kleiner Details. Mit ein wenig Übung und den passenden Zubehörartikeln sind faszinierende Bilder möglich, die sich qualitativ durchaus mit denen größerer Kameras vergleichen lassen.