Makrofotografie mit der Canon EOS: Kleine Dinge ganz groß

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Makrofotografie bietet die Möglichkeit, kleine Dinge ganz groß wiederzugeben. Besonders gut ist das mit einer Spiegelreflexkamera von Canon möglich. Anders als viele Kompaktkameras haben Spiegelreflex- und Systemkameras aber oft keinen dedizierten Makromodus. Wir erklären, wie EOS-Einsteiger Insekten, Blüten und andere kleine Dinge trotzdem anspruchsvoll ablichten.

Kleine Dinge in Großaufnahme – die Makrofotografie macht’s möglich! Sie zeigt den Mikrokosmos, der uns umgibt, nicht in Form mikroskopischer Aufnahmen, sondern mit ganz normalen technischen Mitteln. Von Insekten über Blüten und Pflanzen bis hin zu kleinen Schmuckstücken oder Schalentieren erlaubt die Makrofotografie das Hervorheben von Kleinigkeiten und Details, die dem Auge sonst entgehen.

Makrofotografie Tutorial

Insekten, Pflanzen, aber auch Münzen, ein einfacher Hosenknopf oder das menschliche Auge werden aus ungewöhnlichen Perspektiven nah fotografiert. Dadurch entstehen beeindruckende Bilder.

Die Herausforderung bei den DSLR-Kameras der EOS-Serie von Canon: Sie haben keinen dedizierten Makromodus, wie er bei Kompaktkameras üblich ist. Stattdessen gibt es auf dem Modus-Wahlrad nur das Blumen-Symbol für „Nahaufnahme“. Was bedeutet, dass man sich mit dem jeweils verwendeten Objektiv auskennen muss.

Modus-Wahlrad Canon EOS 750D Makrofotografie

Das Modus-Wahlrad (Blumen-Symbol) Ihrer EOS (hier die 750D) bietet Ihnen die Möglichkeit der Nahaufnahme.

Makrofotografie Tutorial: Das Objektiv entscheidet über die Makroqualität einer DSLR

Das Objektiv ist bei Makroaufnahmen entscheidend: Kompaktkameras setzen im Makromodus auf eine bestimmte Anordnung der Linsen. Die ändert die Naheinstellungsgrenze, also den Abstand zwischen Objektiv und Motiv, auf zumeist 5-10, bei manchen Edelkompakten sogar auf einen Zentimeter. Das ist bei einer DSLR wegen der Wechseloptik nur in begrenztem Umfang möglich. Stattdessen besitzen alle Objektive eine feste Naheinstellungsgrenze. Beim Standard-Kitobjektiv EF-S 18-55 IS STM der Canon EOS beträgt diese zum Beispiel 25 Zentimeter, also deutlich mehr als bei üblichen Kompaktkameras.

Makrofotografie Tutorial

Einsteiger können mit dem im Lieferumfang Ihrer Canon EOS-Kamera (hier die Canon 100D) enthaltenen Standardobjektiv (hier das EF-S 18-55 IS STM) erste Erfahrungen sammeln. Später bietet sich der Umstieg auf ein spezielles Makroobjektiv an.

Deshalb ist ein zweiter Wert für die Qualität von Makroaufnahmen entscheidend, der sogenannte Abbildungsmaßstab: Dieser bezeichnet einen, ebenfalls bei jedem Objektiv festen, Faktor zwischen tatsächlicher Größe und fotografischer Abbildung. Was zunächst kompliziert klingt, ist in der Praxis recht simpel: Je größer der Faktor für den Abbildungsmaßstab, desto besser ist das Objektiv für sehr kleine Dinge geeignet.

Alle Canon EF- und EF-S-Makroobjektive (mit Ausnahme des MP-E 65 mm 1:2,8 1-5x Makro) fokussieren bis unendlich. Sie eignen sich somit für praktisch alle Situationen der Makrofotografie.

Alle Canon EF- und EF-S-Makroobjektive (mit Ausnahme des MP-E 65 mm 1:2,8 1-5x Makro) fokussieren bis unendlich. Sie eignen sich somit für praktisch alle Situationen der Makrofotografie.

Die 0,36 beim EF-S 18-55 IS STM sind für den Einstieg nicht schlecht. „Echte“ Makroobjektive wie Canons EF-S 60mm f/2.8 Macro USM, das EF-M 28mm f/3.5 Macro IS STM oder das EF 50mm f/2.5 Compact Macro sind jedoch um einiges leistungsstärker. Sie haben einen Abbildungsmaßstab von 1,0 oder sogar mehr, was deutlich detailliertere Makrofotos möglich macht – aber natürlich auch mit erheblich höheren Kosten verbunden ist.

Makrofotografie Tutorial

Mit diesem Autofokus-Objektiv (1,2-fache Vergrößerung) mit integrierter Makroleuchte sorgen Sie für die perfekte Ausleuchtung des Makromotivs. Das Canon EF-M 28mm f/3.5 Macro IS STM wurde für die Kameras der EOS M-Serie entwickelt.

Doch keine Angst: Für den Einstieg in die Makrofotografie reicht das Kit-Objektiv Ihrer EOS-Kamera aus.

Canon: Mehr Nähe mit Zwischenringen und Nahlinsen

Übrigens: Um den Abbildungsmaßstab eines Objektivs zu erhöhen, können bei EOS-Kameras von Canon zusätzliche Objektivadapter verwendet werden. Sogenannte Nahlinsen verringern den Fokusabstand und machen das Objektiv sozusagen „kurzsichtig“. Sie werden einfach wie ein Filter vor das Objektiv geschraubt und sind in zwei Varianten erhältlich, und zwar als CU 250D mit 4 Dioptrien und als CU 500D mit zwei Dioptrien. Achtung: Gegebenenfalls ist ein Filteradapter notwendig!

Die zweite Lösung sind EF-Zwischenringe. Hier wird der Abstand zwischen Bildsensor und Objektiv verlängert, indem ein linsenfreier Adapterring zwischen Objektiv und Body geschraubt wird. Dadurch wird die Vergrößerung des Objektivs erhöht. Der Preis dafür ist allerdings – wie auch bei den Linsen – eine verringerte Lichtstärke und Autofokus-Präzision, weshalb sich weder Nahlinse noch Adapter für den ständigen Gebrauch eignen.

Makrofotografie mit der Canon EOS in der Praxis

Doch wie funktioniert die Makrofotografie in der Praxis? Ganz einfach! Um ein Makrofoto aufzunehmen, muss zunächst das Objektiv voll ausgefahren werden, anschließend kann die Kamera in den Nahaufnahme-Modus (Blumen-Symbol) versetzt werden.

Makrofotografie Tutorial

Tiere, Wassertropfen und Pflanzen sind ein beliebtes Motiv (nicht nur) in der Makrofotografie.

Dieser Modus sorgt für optimale Bedingungen bei der Makrofotografie und optimiert die Kamera auf kurze Belichtungszeiten, öffnet also die Blende und zieht gegebenenfalls die ISO-Werte hoch. Warum? Nun: Bei der Makrofotografie tritt besonders leicht Verwacklungsunschärfe auf. Einerseits, weil lange Brennweiten genutzt werden. Andererseits, weil der kurze Abstand zum Motiv sowie dessen geringe Größe Verwackler nicht verzeihen. Auch der Blitz wird von der Automatik notfalls hinzugeschaltet, funktioniert aber nur, wenn das Objektiv keinen Schatten wirft. Wir empfehlen die Verwendung eines Aufsteckblitzgerätes (beispielsweise das Canon Speedlite 270 EX II), am besten mit Diffusor (Bouncer).

Makrofotografie Canon

In der Natur bieten sich Blumen als Einsteiger-Motive für Makroaufnahmen an. Sie können aber auch in den eigenen vier Wänden (Kaffeebohnen, Hosenknöpfe, Kreditkarten) mit der Makrofotografie starten.

Das war es im Grunde auch schon: Fokussieren Sie das Objekt, das Sie als Makro ablichten möchten, und drücken Sie den Auslöser.

Die Sache mit den Schatten bei der Makrofotografie

Diese Vorgehensweise führt bereits zu ersten Ergebnissen, allerdings sind die nicht unbedingt optisch so ansprechend wie gewünscht: Das harte, kalte Blitzlicht oder die Sonne verursachen möglicherweise unerwünschte Schlagschatten. Und Verwackler lassen sich trotzdem nicht immer vermeiden. Daher ist es sinnvoll, auf eine vernünftige Ausleuchtung zu achten.

Für professionelle Makrobeleuchtung mit einer EOS-Kamera von Canon gibt es mit dem Macro Ring Lite MR-14EX (hier im Bild) und dem Macro Twin Lite MT-24EX zwei Blitzgeräte, die speziell für Nahaufnahmen entwickelt wurden.

Für professionelle Makrobeleuchtung mit einer EOS-Kamera von Canon gibt es mit dem Macro Ring Lite MR-14EX (hier im Bild) und dem Macro Twin Lite MT-24EX zwei Blitzgeräte, die speziell für Nahaufnahmen entwickelt wurden.

Bei Außenaufnahmen bei Tageslicht können Sie zum Beispiel wie oben bereits erwähnt einen Diffusor oder Reflektor verwenden. In der einfachsten Form ist das ein weißer Regenschirm als Schutz vor allzu hartem direktem Licht oder ein Reflektor in Form eines Stücks Papier oder Pappe. Alternativ können Sie das Motiv optimal ausleuchten, allerdings ist das eine Kunst für sich, bei der Sie mit zahlreichen Lampen arbeiten müssen, um Schatten zu vermeiden. Beim Einsatz eines externen Blitzgeräts kann es oft schon helfen, dieses auf die Decke zu richten. Die funktioniert dann als Bouncer und verhindert scharfe Schlagschatten.

Produkttipp: Der Blitzkopf des Canon Speedlite 270EX II kann gedreht werden. Damit eignet er sich perfekt dazu, das Blitzlicht für eine schattenfreie, weiche Ausleuchtung von einer Decke reflektieren zu lassen. Das leicht zu bedienende Blitzgerät wiegt nur 155 Gramm (ohne Akkus), ist kompakt und passt auch in kleine Zubehörtaschen.

Makrofotografie mit der Canon EOS: Blende einstellen und Stativ verwenden

Ein weiteres Problem ist die Tiefenschärfe, beziehungsweise die Tiefenunschärfe. Die springt besonders bei Objektiven mit großem Abbildungsmaßstab ins Auge. Bei der Aufnahme einer Wespe ist dann nur der Kopf oder die Oberseite scharf, der Rest verschwindet im sogenannten Bokeh. Dieser Begriff kommt aus dem Japanischen und bedeutet soviel wie unscharf oder verschwommen. Bokeh ist ein in der Fotografie verwendeter Fachbegriff für die Qualität eines Unschärfebereichs. Hier geht es zur Wikipedia-Erklärung (Link).

Abbildungsmaßstab: Die DIN-Norm 19040 zählt alles im Maßstabbereich zwischen 1:10 und 10:1 als Makro- bzw. Nahaufnahme.

Abbildungsmaßstab: Die DIN-Norm 19040 zählt alles im Maßstabbereich zwischen 1:10 und 10:1 als Makro- bzw. Nahaufnahme.

Schuld an der Tiefenunschärfe sind eine große Blendenöffnung und die Nähe zum Motiv. Um das Problem einzudämmen, müssen Sie bei Ihrer EOS-Kamera die Blende schließen, also einen möglichst hohen Blendenwert einstellen. Das verursacht jedoch ein anderes Ärgernis: Es kommt gehäuft zu Verwacklern, weil die Elektronik der Kamera versucht, die geringere Lichtausbeute durch längere Belichtungszeiten auszugleichen.

Das Allyouneed Magazin verrät Ihnen, wie Sie kleine Motive groß darstellen können und welches Equipment Sie dafür benötigen.

Das Allyouneed Magazin verrät Ihnen, wie Sie kleine Motive groß darstellen können und welches Equipment Sie dafür benötigen.

An diesem Punkt wird ein Stativ dringend empfohlen. Das allerdings wackelt ebenfalls, sobald Sie den Auslöser drücken. Nutzen Sie daher entweder den Selbstauslöser, um eine verzögerte (und damit verwacklungsfreie) Aufnahme zu gewährleisten. Oder setzen Sie auf einen Fernauslöser.

Alle modernen EOS-Kameras – auch solche ohne WLAN – können zum Beispiel mit dem EOS-Utility für Mac und PC per USB-Kabel angesteuert und fernausgelöst werden. Solche mit WLAN sogar per Smartphone-App. Und zur Not besitzen sämtliche EOS-DSLR-Kameras eine Schnittstelle für Fernauslöser.

Produkttipp: Rollei hat mit dem Rollei C5i Carbon und dem Rollei C6i Carbon zwei hochwertige Dreibeinstative im Programm. Der Panoramakugelkopf, der bei beiden Stativen im Lieferumfang enthalten ist, lässt sich umschwenken, feststellen, neigen und um 360 Grad drehen. Dank ihrer hohen Tragkraft von bis zu zwölf beim C6i Carbon bzw. acht Kilogramm beim C5i Carbon eignen sich die Stative auch für professionelle Video- und DSLR-Kameras. Aufgrund der umdrehbaren Mittelsäule sind beide Stative auch für Makrofotografen geeignet.

Lesetipp der Redaktion: Welche Motive eignen sich für den Einstieg in die Welt der Makrofotografie? Was ist der Unterschied zwischen makrofähigen und echten Makroobjektiven? Hier finden Sie die besten Makrofotografie-Tipps für Einsteiger.

Focus-Stacking als Alternative

Zusätzlich gibt es noch eine weitere Methode, einen durchgehenden Fokus bei sehr kleinen Objekten zu erzielen, etwa wenn die Blende nicht ausreicht und immer noch Teilunschärfen auftreten: das sogenannte Focus-Stacking. Dabei müssen Sie zunächst mit Stativ mehrere Aufnahmen machen und zwischen den Fotos immer ein wenig den Fokus verschieben. Bei einem Insekt beginnen Sie zum Beispiel mit dem Kopf, gehen weiter zum Mittelteil, dann zum Hinterleib.

Sie möchten ungewöhnliche und spannende Fotos schießen? Dann sollten Sie sich an die Makrofotografie wagen. Das Allyouneed Magazin erleichtert den Einstieg.

Sie möchten ungewöhnliche und spannende Fotos schießen? Dann sollten Sie sich an die Makrofotografie wagen. Das Allyouneed Magazin erleichtert den Einstieg.

Dabei sollten Sie auch noch Zwischenschritte machen, etwa: hinterer Kopfbereich, vorderer Mittelteil, Mittelteil, hinterer Mittelteil, vorderer Hinterleib und so weiter. Anschließend können Sie all diese Fotos mit einer Software wie Photoshop oder, einfacher, der Freeware Enblend für Windows, Mac und Linux (Link) zu einer einzigen Aufnahme mit durchgehender Tiefenschärfe verbinden. Das ist zwar mit ein wenig Arbeit verbunden – die Ergebnisse können jedoch berauschend ausfallen. Das funktioniert natürlich auch mit anderen Kameras als Canons EOS-Serie und ist eine ideale Methode, um perfekte Makrofotos zu produzieren.

Lesetipp der Redaktion: Die Kamera Ihres iPhones kann mehr als nur banale Schnappschüsse: Schon ab Werk ist die Naheinstellungsgrenze gering, wodurch tolle Nahaufnahmen möglich sind. Selbst echte Makrofotos sind mit ein wenig Zubehör kein Problem. Das Allyouneed Magazin erklärt Ihnen, wie die Makrofotografie mit dem iPhone zum Kinderspiel wird.

Fotos: Canon/ iStock