Fette Nummer: Das iPad Pro im Test

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Mit dem iPad Pro hat Apple das größte iPad aller Zeiten auf den Markt gebracht. Das riesige 12,9-Zoll-Display verspricht im Zusammenspiel mit Smart Keyboard und Apple Pencil eine deutlich bessere Produktivität. Wir haben das XXL-Tablet einem Test unterzogen.

Das iPad Pro also. Ich muss gestehen, dass ich nicht besonders begeistert war, als Apple das Gerät vorstellte. Ein iPad mit den Maßen eines MacBooks, das preislich in der gleichen Liga spielt und deshalb ein „Pro“ im Namen trägt? Obwohl das Betriebssystem nach wie vor iOS ist? Nun gut, ich war skeptisch und habe mich nicht näher mit dem Gerät befasst. Denn obwohl ich seit vielen Jahren Apple-Nutzer bin, finde ich andere Lösungen wie Microsofts Surface als „Pro“-Gerät grundsätzlich sinnvoller. Deren Vorteil ist offensichtlich: Statt mit iOS arbeiten sie mit einem vollwertigen Betriebssystem – allerdings Windows oder Android, weshalb sie für mich nicht in Frage kommen. Insofern passt es dann doch wieder ganz gut, das iPad Pro für das Allyouneed Magazin unter die Lupe nehmen zu können.

iPad Pro im Test: Was für ein XXL-Brocken!

Einmal aus der iPad-typischen Verpackung geschält, fällt sofort auf, dass das iPad Pro gigantisch ist: Der 12,9-Zoll-Bildschirm dominiert das Gerät, ansonsten ist es in Sachen Design und Haptik identisch mit den kleineren Modellen Air und Mini. Allerdings gibt es den neuen Smart-Connector für Tastaturen und vier statt bisher zwei Lautsprecher.

iPad Pro Test

10 Stunden Batterielaufzeit: Selbst mit seinem hochauflösenden Retina-Display und der leistungsstarken Performance ist das iPad Pro effizient und hält lange durch.

Zudem ist es deutlich dicker und schwerer als seine Verwandten: Mit satten 723 Gramm wartet das Wi-Fi+Cellular-Modell auf, und ist damit nur minimal leichter als das Ur-iPad von 2010. Trotzdem ist es gefühlt immer noch ein ziemlich schwerer Klotz. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass solche Geräte in den letzten Jahren deutlich leichter und schlanker geworden sind und man einfach nicht so viel Tablet erwartet. Immerhin: Mit 6,9 Millimetern Dicke ist es schlank, allerdings sollte wie bei allen iPads eine Hülle verwendet werden, um Kratzer zu vermeiden – auch wenn das natürlich zusätzlich aufträgt. Wird dann noch das 339 Gramm schwere Smart Keyboard angehängt, wiegt das iPad Pro sogar deutlich mehr als das MacBook Retina mit 12-Zoll-Display – und das ist immerhin ein vollwertiges Notebook!

iPad Pro im Test: Der Bildschirm ist über jeden Zweifel erhaben

Dreh- und Angelpunkt des iPad Pro ist wie bei seinen kleineren Brüdern das Display – und das ist über jeden Zweifel erhaben: Satte 2.732 x 2.048 Pixel hat der riesige Bildschirm und damit über eine Million Pixel mehr als MacBook Pro Retina mit 13,3-Zoll-Display. Die Pixeldichte von 264 ppi ist genauso hoch wie beim iPad Air 2; nur das iPad Mini Retina besitzt eine noch höhere Pixeldichte.

Allyouneed Magazin iPad Pro

Im iPad Pro arbeitet der neue A9X, die dritte Generation des Apple-Chips mit 64 Bit-Desktoparchitektur. Er liefert eine bis zu 1,8-fache CPU Performance und die doppelte Grafikleistung des iPad Air 2.

Der Monitor ist sauber ausgeleuchtet, kontrastreich und blickwinkelunabhängig. Erstaunlich ist die Helligkeit: Das Display kann tatsächlich so hell gedreht werden, dass ohne Probleme in direktem Sonnenlicht gearbeitet werden kann – obwohl der Bildschirm wie bei allen Apple-Geräten spiegelt. Durch die hohe Auflösung ist das iPad Pro hervorragend für die Bildbetrachtung und -bearbeitung geeignet. Unschärfen auf Fotos springen sofort ins Auge, die Bildbearbeitung ist bis in kleinste Details möglich. Die Arbeit mit Apps wie Pixelmator wird dadurch zu einer regelrechten Freude – hier spielt das iPad Pro durchaus in der Profiliga und kann sich mit den hochauflösenden Pro-MacBooks messen.

iPad Pro im Test: Das Smart Keyboard schwächelt

Zusammen mit dem iPad Pro hat Apple zwei neue Zubehörteile vorgestellt: Zum einen den Apple Pencil, ein Stylus, der keiner sein will. Außerdem das Smart Keyboard, ein Bildschirmschutz mit integrierter Tastatur, der leider aktuell nur mit englischem Tastaturlayout zu haben ist. Beide Zubehörteile sind separat erhältlich und alles andere als günstig: Der Pencil kostet satte 109 Euro, das Keyboard schlägt mit weiteren 179 Euro zu Buche.

Das außerordentlich schlanke Keyboard ist weder besonders hübsch, noch stabil – und macht das iPad Pro keinesfalls zu einem Notebook-Ersatz. Es ist vielmehr ein Tastatur-Dock und erinnert in seiner Machart ein wenig an Apples glückloses Keyboard-Dock, das mit dem iPad 1 vorgestellt wurde. Wirklich nützlich ist es nicht, auch weil Sondertasten für die Direktsteuerung von iPad-Funktionen wie Helligkeit oder Lautstärke fehlen. Wesentlich sinnvoller ist da der Einsatz einer Aufstell-Hülle mit externer Bluetooth-Tastatur oder der Einsatz eines echten Keyboard-Cases wie dem Zagg Slimbook. Dies nutzt allerdings noch nicht den Smart-Connector, sondern verbindet sich wie eh und je per Bluetooth mit dem iPad Pro.

iPad Pro im Test: Der Apple Pencil ist äußerst praktisch

Ganz anders sieht es bei dem Apple Pencil aus: Er ist ein mehr als praktisches Zubehörteil für alle Bildbearbeiter und der wohl erste iPad-Stift, der wirklich präzise arbeitet. Mit ihm lässt sich – die richtige App, etwa Pixelmator (Link) vorausgesetzt – auf dem iPad-Bildschirm wie auf Papier zeichnen, und das hochpräzise und ohne Verzögerung. Kein Vergleich zu den alten Finger-Simulatoren mit dicker Gummispitze, die es für wenige Euro im Zubehör zu kaufen gibt. Die funktionieren natürlich auch – während der Apple Pencil bis auf Weiteres auf das iPad Pro beschränkt bleibt.

Apple Pencil iPad Pro

Die fein abgestimmten Druck- und Neigungssensoren im Apple Pencil erkennen sofort, wenn der User fester aufdrückt oder den Neigungswinkel verändert.

Allerdings gibt es auch hier zwei kleine Wermutstropfen: Der Stift besitzt eigene Elektronik, muss also geladen werden und verbindet sich per Bluetooth mit dem iPad Pro. Wer ihn nutzen will, muss deshalb immer mit aktiviertem Bluetooth herumlaufen. Deutlich schwerer wiegt aber das seltsame Industriedesign: Der Stift wird am Lightning-Anschluss des iPads geladen und ragt dabei in voller Länge aus dem Gerät. Wenigstens liegt ein Adapter für Lightning-Kabel bei, wodurch auch am normalen iPad-Pro-Ladestecker Strom nachgetankt werden kann. Ein kurzes Lightning-Verlängerungskabel kann hier Abhilfe schaffen – ärgerlich, dass Apple das nicht beilegt. Ein anderes Design wäre aber grundsätzlich wünschenswert, denn der winzige Adapter ist ein guter Kandidat dafür, verloren zu gehen – wie übrigens auch der Stift selbst, da eine Befestigung am iPad fehlt. Hier werden Case-Hersteller nacharbeiten müssen.

Das iPad Pro ist kein vollwertiger Notebook-Ersatz

Von der Bedienung her ist das iPad Pro ein ganz normales iPad – mit allen damit verbundenen Vorzügen und Nachteilen. Der größte Mangel ist gleichzeitig auch der größte Vorteil: Das schlanke, stromsparende und Touch-optimierte iOS-Betriebssystem erleichtert die Bedienung massiv. Allerdings ist es nach wie vor ein Nachfahr des Ur-AppleOS, das Apple zusammen mit dem ersten iPhone vor neun Jahren vorstellte. Als Mobilbetriebssystem ist es für Smartphones eine gute Wahl, war jedoch schon auf dem regulären iPad zu beschränkt, um das volle Potenzial des Geräts als hochmobiler Laptop-Ersatz auszuschöpfen. Dass nach wie vor auch mit USB-Adapter kein vollwertiger USB-Anschluss vorhanden ist und das Dateisystem keinen Zugriff auf extern angeschlossene Medien oder Netzwerklaufwerke erlaubt, weil ein Finder/Explorer fehlt, ist das größte Manko von Apples gesamter iOS-Produktlinie. Cloud und reduziertes Apple-Design hin oder her: Ein Gerät mit Profi-Anspruch sollte sich möglichst nahtlos in fremden (Kunden-)Systeme einfügen können – und dafür sind Schnittstellen und Dateimanager nach wie vor unerlässlich. Das bietet ein MacBook – ein iPad Pro hingegen nicht, wodurch es sich als Notebook-Ersatz disqualifiziert. Es bleibt zu hoffen, dass Apple dieses Problem in Zukunft beheben wird – vielleicht, indem es iOS zu einem Mac OS X für Mobilgeräte weiterentwickelt.

Fazit: Ein gutes Gerät für Grafiker und Bildbearbeiter

Insgesamt ist das iPad Pro mit seinem großen Bildschirm und dem Apple Pencil ein sinnvoller Zuwachs zur iPad-Familie und ein handliches Gerät für Grafiker, Zeichner und alle anderen, die mit Bildbearbeitung zu tun haben und eine Möglichkeit suchen, unterwegs Skizzen zu zeichnen und Fotos zu bearbeiten.

iPadPro Test

Sicherheit: Mit der Touch ID Technologie im iPad Pro wird der persönliche Fingerabdruck zum Passwort, das man nicht vergessen kann.

Auf das Smart Keyboard kann man hingegen zugunsten preiswerterer Alternativen gut verzichten, zumal es aktuell nur mit amerikanischer QWERTY-Tastatur zu haben ist. Erwachsen ist das iPad Pro wegen der Mängel des iOS-Betriebssystems allerdings noch nicht: Bei vielen Einsatzszenarien fühlt man sich als Benutzer unnötig beschränkt – was ärgerlich ist, weil diese Baustelle sich durch klügeres Software-Design problemlos beheben ließe. Aber vermutlich will Apple den eigenen MacBooks nicht das Wasser abgraben. Schade, denn ein iPad Pro mit flexiblerem Betriebssystem, USB-Schnittstelle und Dateimanager würde ich sofort kaufen. Schließlich wäre es die perfekte Mobilergänzung zu einem iMac oder Mac Pro. So aber bleibt das iPad Pro für mich eine Spielerei – und ich kann guten Gewissens weiterhin mein iPad Air 2 benutzen.

Fotoquelle: Apple