Gewitterfotografie: So gelingen spektakuläre Fotos von Sommergewittern

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Der Himmel wird auf einmal tiefschwarz. Bedrohliches Donnergrollen nähert sich. Immer wieder erhellen Blitze die dunkle Landschaft. Während die meisten sich bei solchen Sommergewittern schnell verkriechen und hoffen, dass das Naturschauspiel bald vorbei ist, sehen es die anderen als große Chance – auf spektakuläre Gewitterfotos. Wie Ihnen die gelingen, zeigen unsere 7 Praxis-Tipps!

Gewitter sind Naturschauspiele, die auf viele Menschen furchteinflößend, aber gleichzeitig auch fesselnd wirken. Wer den Leitblitz mit seinen Verästelungen oder den späteren Hauptblitz auf die Speicherkarte bannen will, hat jedoch eine anspruchsvolle Aufgabe zu bewältigen. Wo ein Blitz einschlägt, lässt sich während eines Gewitters ebenso wenig genau vorhersagen wie das Wann.

Gewitterfotografie

Die Gewittersaison geht in Deutschland von Mai bis September. In den gewitterstärksten Monaten Juni und Juli liegt die Anzahl der Gewittertage laut Deutschem Wetterdienst bei 4 bis 7 im Monat.

Zudem ist man bei der Standortwahl eingeschränkt. Sich auf ein freies Feld zu stellen, mit der Kamera auf einem metallischen Stativ, ist schließlich nicht die allerbeste Idee. Sicherer ist da der Platz am Fenster zu Hause oder im Auto. Hat man eine geeignete Position gefunden und ein Gewitter ist im Anmarsch, sollte man sich schleunigst vorbereiten, denn so schnell wie ein Gewitter kommt, ist es meist auch schon wieder vorbei.

Gewitterfotografie: Unsere 7 Tipps werden Ihnen helfen, spektakuläre und eindrucksvolle Fotos einzufangen.

Blitze und Gewitter fotografieren – eine Anleitung

Tipp 1: Das richtige Equipment besorgen
Für spektakuläre Fotos von Blitzen sind Smartphone-Cams und günstige Kompaktkameras leider ungeeignet. Der Grund: Sie müssen die Blende und die Belichtungszeit manuell einstellen können. Und das geht nur mit einer spiegellosen Systemkamera, einer DSLR oder einer hochwertigen Kompakt- oder Bridgekamera. Außerdem ist ein Objektiv mit einer Weitwinkelbrennweite empfehlenswert. Schließlich soll in der Regel ein möglichst großer Bildausschnitt eingefangen werden. Ansonsten brauchen Sie nur noch ein Stativ und optional einen Fernauslöser. Anschließend können Sie mit Ihrer Blitzjagd loslegen!

Tipp 2: Echtzeitmessung von Gewittern überprüfen
Die Wettervorhersage in der Tagesschau hilft Ihnen bei der Gewitterfotografie nur sehr begrenzt weiter. Schließlich erfahren Sie dort bloß, dass es ein Gewitter geben könnte. Wo und wann es tatsächlich gewittert, lässt sich meist nur mit einer Vorlaufzeit von rund 60 Minuten vorhersagen. Hilfreich für alle Blitzjäger ist die Website lightningmaps.org (Link). Hier können Sie in Echtzeit überprüfen, wo sich das Gewitter gerade befindet und in welche Richtung es zieht.

Tipp 3: Standort und Hintergrund auswählen
Kommt ein Gewitter auf Sie zu, heißt es: Vorbereitungen treffen. Schrauben Sie die Kamera auf das Stativ und suchen Sie sich einen Standort aus, mit dem ein schöner Bildhintergrund erfasst wird. Der Grund dafür ist simpel. Damit das Gewitterfoto möglichst dramatisch wirkt, sollte auch der restliche Bildinhalt attraktiv sein. Denkbar ist beispielsweise die Skyline einer Stadt, ein Gebirgspanorama oder auch ein Getreidefeld.

Gewitter Blitze Fotografieren

Ein Gewitter geht oft Hand in Hand mit einem Sturm einher. Achten Sie deshalb darauf, Ihre Kamera stabil zu positionieren. Dazu eignet sich beispielsweise ein Stativ oder auch ein sogenannter Bohnensack.

Tipp 4: Voreinstellungen an der Kamera vornehmen
Wenn das Gewitter bei Ihnen ist, haben Sie nicht mehr viel Zeit, die nötigen Kameraeinstellungen vorzunehmen. Deshalb sollten Sie schon jetzt loslegen:

  • Stellen Sie das Belichtungsprogramm der Kamera auf „Manuell“.
  • Stellen Sie den ISO-Wert auf eine möglichst niedrige Stufe – zum Beispiel 100. Ein höherer ISO-Wert ist unnötig, da Sie eh mit einer langen Belichtungszeit fotografieren. Außerdem steigt das Risiko von Bildrauschen, je höher der Wert eingestellt ist.
  • Deaktivieren Sie den Bildstabilisator falls möglich. Der versucht vermeintliche Bewegungen auszugleichen – auch dann, wenn es gar keine gibt. Das kann bei Blitzaufnahmen für unscharfe Fotos sorgen.
  • Deaktivieren Sie den Autofokus und fokussieren Sie manuell auf „Unendlich“.
Foto Gewitter ISO

Gewitterfotografie: Als Grundeinstellung können Sie mit ISO 100, einer Belichtungszeit von 30 Sekunden und Blende f/8 anfangen. Außerdem empfehlen wir ein Weitwinkelobjektiv mit 16-20 mm Brennweite.

Tipp 5: Mit diesen Einstellungen fotografieren
Eine allgemeingültige Regel, welche Belichtungszeit und welcher Blendenwert für ein Gewitterfoto ideal sind, gibt es nicht. Das hängt nämlich von mehreren Faktoren ab:

Fotografieren Sie tagsüber oder nachts in der Dunkelheit? Bei Aufnahmen am Tag kann das Bild schnell überbelichtet werden, wenn die Belichtungszeit zu lang ist.

Möchten Sie einen Blitz einfangen oder das ganze Bild von mehreren Blitzen erleuchten lassen? Jeder Blitz, der während der Belichtungszeit zu sehen ist, wird von der Kamera eingefangen.

Ein guter Startwert, um erste Aufnahmen von Blitzen und Unwettern zu machen, ist ein Blendenwert von f/8 und eine Belichtungszeit zwischen 5 und 30 Sekunden.

Tipp 6: Einstellungen variieren
Das erste Foto wird in den seltensten Fällen perfekt. Variieren Sie deshalb Ihre Einstellungen. Ist das Bild zu hell, schließen Sie die Blende um eine Stufe, oder reduzieren Sie die Belichtungszeit. Möchten Sie einen längeren Zeitraum nutzen, um Blitze fotografisch einzufangen, schließen Sie die Blende (zum Beispiel f/32). So gelangt weniger Licht auf den Sensor. Die Aufnahme wird damit nicht so schnell überbelichtet!

Gewitter Kamera Fotografieren

Blende und Belichtungszeit müssen Sie manuell einstellen. Bei der Gewitterfotografie sollten Sie daher auf spiegellose Systemkameras, DSLRs oder hochwertige Kompakt- oder Bridgekameras setzen.

Tipp 7: Mit Fernauslöser fotografieren
Das Problem bei Aufnahmen mit langer Belichtungszeit: Schon kleinste Erschütterungen können das Bild ruinieren! Und als Erschütterung kann es bereits ausreichen, dass Sie den Auslöser an der Kamera drücken. Um das Problem zu umgehen, empfiehlt sich der Einsatz eines kabellosen oder kabelgebundenen Fernauslösers. Damit lässt sich auch die Kameraeinstellung „Bulb Langzeitbelichtung“ optimal nutzen, den viele hochwertige Cams mitbringen. Der Clou ist hierbei: Sie können mit einem Tastendruck die Belichtung jederzeit manuell starten und beenden. So verpassen Sie garantiert keinen Blitz mehr!

Gewitterfotografie: Lassen Sie sich nicht abschrecken!

Fotos von Blitzen zu machen ist anfangs etwas knifflig, weil man ein Gefühl dafür entwickeln muss, wie lange man bei welchem Umgebungslicht belichten „darf“. Trotzdem sollten sich Einsteiger nicht abschrecken lassen, denn meist gelingen schon nach einigen Versuchen spektakuläre Fotos. So freut man sich direkt schon wieder auf das nächste Gewitter!

Wichtiger Hinweis: Auch das beste Foto ist es nicht wert, sein Leben zu riskieren. Achten Sie bei der Gewitterfotografie immer zuerst auf Ihre Sicherheit, bevor Sie an das perfekte Foto denken.

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