Fußball fotografieren: Flanke, Kopfball, abgedrückt!

0

Ihr Sohn spielt in einer Jugendmannschaft Fußball? Das heißt für Sie: Ab an den Spielfeldrand, Kamera zücken und abdrücken, wenn dieser gerade zum entscheidenden Torschuss ansetzt. Hier kommen die wichtigsten Profi-Tipps für gelungene Sportfotos!

Wer schon einmal versucht hat, mit seiner Kompaktkamera oder seiner Smartphone-Cam vom Spielfeldrand bei einem Fußballspiel tolle Fotos zu machen, wird schnell gemerkt haben, wie schwer das ist! Bevor die Kamera scharfgestellt hat, zappelt der Ball längst im Tor. Und hat man doch einmal einen Spieler im Großformat erhascht, ist die Aufnahme unscharf und verwackelt.

Wichtig: Dieses Equipment brauchen Sie bei der Sportfotografie

Sollte es Ihnen auch schon einmal so ergangen sein, können wir Sie beruhigen: Es lag nur an der Technik, nicht an Ihren mangelnden fotografischen Fähigkeiten. Für tolle Fußballfotos brauchen Sie nämlich unbedingt ein hochwertiges Foto-Equipment. Und das besteht aus:

Warum solch eine Ausrüstung so wichtig ist, lässt sich leicht erklären. Digitale Spiegelreflexkameras (DSLR) und spiegellose Systemkameras (MSC) bringen einen viel schnelleren Autofokus mit als Kompaktkameras. Sie können schneller scharfstellen und zudem in der Serienbildfunktion problemlos mehrere Bilder pro Sekunde aufnehmen. Außerdem ist der Bildsensor in der Kamera größer. So können Sie bei Ihren Fotos die Schärfentiefe steuern – dazu später noch mehr.

Sportfotografie im Fußball erfordert daher große Brennweiten. 200mm sollten es schon sein, 300mm sind noch besser.

Teleobjektiv: Sportfotografie im Fußball erfordert große Brennweiten. 200 mm sollten es schon sein, 300 mm sind noch besser.

Ebenfalls unabdingbar ist ein Teleobjektiv – bei Kameras mit einem APS-C-Sensor sollten Sie ein Objektiv mit einer Brennweite von mindestens 200 mm zur Verfügung haben. Warum, erklärt der Profi-Fotograf und Fachbuchautor Alexander Heinrichs (www.ah-photo.de): „Teleobjektive ermöglichen Aufnahmen aus größerer Entfernung, typische Aufnahmegebiete sind deshalb die Sport-, Tier- und Portrait-Fotografie. Durch den meist großen Abbildungsmaßstab weisen Bilder mit Teleobjektiven meist eine geringe Schärfentiefe auf. Motive können damit schön vor dem Hintergrund freigestellt werden, da dieser unscharf wird.“

Ein Teleobjektiv brauchen Sie also, um zum Beispiel einen Zweikampf vom Spielfeldrand aus großer Entfernung formatfüllend ablichten zu können. Mal eben aufs Spielfeld laufen geht schließlich nicht. Wenn Sie jedoch mit einer Telebrennweite fotografieren, kann jedes kleine Händeruckeln für verwackelte Bilder sorgen. Und genau deshalb darf auch ein Stativ in Ihrer Ausrüstung nicht fehlen. Besonders geeignet sind hierbei Einbeinstative, da Sie hiermit schnell Ihren Standort wechseln können. Zum Beispiel, weil Sie sich nach einem Elfmeterpfiff hinter das Tor stellen wollen.

Mit welchen Kameraeinstellungen sollte ich fotografieren?

Haben Sie die richtige Ausrüstung zur Hand, stellt sich jetzt die Frage, welche Kameraeinstellung Sie für Fußballfotos wählen sollten. Naheliegend ist hierbei das Motivprogramm Sport, das fast alle Kameras zur Auswahl anbieten. Doch was bewirkt das überhaupt? Die Antwort liefert Michael Gradias, Profi-Fotograf und Fachbuchautor (www.gradias.de): „Bei der Sportfotografie ist es wichtig, dass schnelle Bewegungsabläufe im Bild festgehalten werden können. So wählt die Kamera in diesem Modus eine Blende-Verschlusszeit-Kombination aus, bei der sich eine möglichst kurze Belichtungszeit ergibt. Gegebenenfalls wird dazu die ISO-Empfindlichkeit erhöht. Für den Autofokus kommt eine automatische Messfeldvorwahl zum Einsatz, sofern Ihr Kameramodell eine solche Funktion unterstützt.“

Das hört sich zunächst kompliziert an, ist es aber eigentlich gar nicht. Beim Fotografieren sind neben der eingestellten Brennweite zwei Faktoren maßgeblich: die Blende und die Verschlusszeit. Mit dem Blendenwert geben Sie an, wie weit das Objektiv geöffnet werden soll. Je weiter es offen ist, desto mehr Licht wird eingefangen. Mit der Verschlusszeit geben Sie vor, wie lange das Objektiv geöffnet bleiben soll.

Bei Sportfotos gibt es nun die folgende Besonderheit: Die Spieler bewegen sich ständig, weshalb Sie mit einer kurzen Belichtungszeit (zum Beispiel 1/500 s) fotografieren müssen. Ansonsten wird das Bild unscharf – aufgrund der Bewegung während der Bildaufzeichnung.

In der Praxis empfiehlt es sich für Einsteiger, bei Fußballfotos im Modus Blendenautomatik, beziehungsweise Zeitvorwahl oder Zeitpriorität zu fotografieren.

In der Praxis empfiehlt es sich für Einsteiger, bei Fußballfotos im Modus Blendenautomatik, beziehungsweise Zeitvorwahl oder Zeitpriorität zu fotografieren.

Wenn Sie mit einer kurzen Verschlusszeit fotografieren, müssen Sie das Objektiv relativ weit öffnen – ansonsten würde das Bild nämlich zu dunkel. Es wäre unterbelichtet! Genau deshalb sind lichtstarke Teleobjektive (1:3,5 bis 1:5,6) für professionelle Sportfotografen auch so wichtig – sie erlauben es, auch bei schlechten Lichtverhältnissen mit kurzen Belichtungszeiten zu fotografieren. Schließlich finden Sie nicht auf jedem Fußballplatz immer eine moderne Flutlichtanlage!

Indem Sie mit einer Kamera mit großem Bildsensor, langen Brennweiten und großen Blendenöffnungen fotografieren, erreichen Sie ganz nebenbei einen sehr attraktiven Bildeffekt: Die Schärfentiefe des Bildes ist relativ gering. So werden die Spieler im Vordergrund des Fotos scharf abgebildet, der Hintergrund aber nicht. Der Blick des Betrachters wird also auf das Wesentliche gelenkt: auf die Spielszene! Mit einer Kompaktkamera können Sie solch einen Effekt nicht erzielen.

In der Praxis empfiehlt es sich für Einsteiger, bei Fußballfotos im Modus Blendenautomatik, beziehungsweise Zeitvorwahl oder Zeitpriorität zu fotografieren. Wie dieser Aufnahmemodus genau heißt, ist von Kamerahersteller zu Kamerahersteller verschieden. In diesem Modus können Sie eine kurze Belichtungszeit vorgeben, die Kamera wählt anschließend automatisch eine passende Blende, um ein ausgewogen belichtetes Bild zu erreichen. Falls nötig können Sie übrigens auch die ISO-Empfindlichkeit des Bildsensors manuell hochstellen. So bekommen Sie trotz kurzer Verschlusszeiten auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch gelungene Fotos.

Spektakuläre Bilder mit der „Mitzieher-Technik“

Einen tollen Effekt erzielen Sie bei Sportfotos übrigens mit der sogenannten Mitzieher-Technik. Hierbei wird der Fußballer scharf abgebildet, während der Hintergrund etwas verschwommen dargestellt wird. So wirken Fußballer auch auf dem Bild so, als würden sie sprinten – und nicht so, als hätte sie jemand mitten in der Bewegung eingefroren! Um solch ein Bild aufzunehmen, stellen Sie zunächst manuell eine Belichtungszeit von 1/30 s ein. Fokussieren Sie auf den Sportler und verfolgen ihn anschließend permanent im Sucher oder über den Kameramonitor. Sie müssen also nur noch warten, bis Sie den perfekten Bildausschnitt gefunden haben! Variieren Sie wenn nötig die Belichtungszeiten, falls die Bewegungsunschärfe zu stark oder zu gering ist.

Ganz klar: Mit der richtigen Ausrüstung sind spektakuläre Aufnahmen von Fußballspielen kein Hexenwerk.

Die Spieler bewegen sich ständig, weshalb Sie mit einer kurzen Belichtungszeit (zum Beispiel 1/500 s) fotografieren müssen.

Fazit: Sportfotografie ist kein Hexenwerk

Mit der richtigen Ausrüstung sind spektakuläre Aufnahmen von Fußballspielen kein Hexenwerk. Mit Ihrem Smartphone wird das aber leider nicht klappen. Das eignet sich höchstens, um schöne Aufnahmen der Zuschauer auf den benachbarten Plätzen zu machen – was aber natürlich auch seinen Reiz haben kann!