Food-Fotografie: Genießen und es der Welt zeigen

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Food-Fotografie: Wer kennt sie nicht, die aus der Hüfte geschossenen, verwackelten und verrauschten Fotos verschiedenster Gerichte, mit denen Facebook-Nutzer, Instagram-Poser und Twitter-User die Welt an ihrem „Genuss“ teilhaben lassen. Das geht auch anders: Wir zeigen Ihnen, wie Sie Nahrungsmittel so fotografieren, dass dem Betrachter das Wasser im Munde zusammenläuft.

Im Smartphone-Zeitalter gehören Aufnahmen von Essen neben Katzenbildern und Fotos von Füßen am Strand wohl zu den häufigsten Motiven. Das Problem dabei: Viele Hobbyfotografen schaffen es nicht, ihr Essen wirklich appetitanregend abzulichten. Licht und Blickwinkel stimmen oft nicht, auch wird das Essen häufig sehr nachlässig dekoriert und nicht selten ganz banal bei Kunstlicht aus viel zu großer Entfernung abgelichtet.

Food-Fotografie: Tipps vom Food-Blogger

www.herzfutter.net: Björn Valentin ist Food-Blogger und lebt in Berlin.

Dabei sind ansprechende Aufnahmen von Gerichten keine Kunst, die Wahl der Kamera ist dabei sogar vergleichsweise nebensächlich. Wie es geht, verrät unser Experte Björn Valentin, Betreiber des Food-Blogs Herzfutter.

Ratgeber: 8 Tipps für perfekte Food-Fotos

  1. Für das richtige Licht sorgen
    Die richtige Beleuchtung spielt bei der Food-Fotografie eine wichtige Rolle: Nur wenn das Licht angemessen ist, kommt das Essen entsprechend zur Geltung. Zudem vermeidet eine gute, natürliche Beleuchtung Kamerarauschen und übermäßige Schattenbildung. „Wer die Möglichkeit hat, sollte immer im Tageslicht fotografieren“, weiß Björn Valentin. „Am Fenster, auf dem Balkon oder im Garten – das Licht ist so einfach natürlicher und die Farben kommen besser raus. Wer es etwas professioneller möchte, kann sich zusätzlich einen Reflektor zulegen, damit die Schatten nicht zu hart werden oder auch die ein oder andere Tageslichtlampe für die perfekte Beleuchtung. Dies erfordert allerdings Übung.“
  2. Auf eine passende Unterlage und den Hintergrund achten
    Passende Unterlagen machen Appetit auf mehr. Zum rustikalen Menü ein schartiges Holzbrett, leichte Salate auf einem einfachen weißen Teller: Eine wohlüberlegte Präsentation lässt Gerichte nicht nur geschmackvoll erscheinen, sondern sorgt darüber hinaus für ein ruhiges, thematisch stimmiges Bild. Björn Valentin rät zum Einsatz einfacher, aber effektiver Mittel: „Im Baumarkt kann man günstig dünne Sperrholzplatten kaufen, diese ganz nach Geschmack lackieren und schon hat man schnell und günstig einen schönen Unter- und Hintergrund für seine Bilder.“

    Food-Fotografie: Frische ist extrem wichtig

    Frische ist extrem wichtig. Das heißt: kochen, anrichten und direkt fotografieren.

  3. Die Frische spielt eine große Rolle
    „Wenn das Gericht nicht schön aussieht, wird daran eine spezielle Kamera oder ein Bildbearbeitungsprogramm auch nichts mehr ändern können“, so Valentin. Frische sei daher extrem wichtig. Das heißt: kochen, anrichten und direkt fotografieren. „Bei einem Nudelgericht sieht es beispielsweise immer schöner aus, wenn sich Nudeln und Soße noch nicht zu einer Matsche vereint haben“, empfiehlt der Experte.
  4. Weniger Deko ist mehr
    Auch bei der Dekoration gilt: Weniger ist mehr. Björn Valentin reduziert die Deko bei der Food-Fotografie daher auf das Nötigste: „Es sollte niemals vergessen werden, dass bei der Food-Fotografie das Essen der Star ist, nicht die Deko drumherum.“ Die Deko sollte daher nur zur Akzentuierung eingesetzt werden, um später ein lebendigeres Foto zu erhalten.
  5. Die richtige Perspektive macht’s
    Wie bei allen Fotografien hat die Perspektive natürlich auch bei Food-Fotos einen enormen Einfluss auf die Wirkung des Bildes: „Grundsätzlich werden hohe Gerichte wie eine Torte eher von der Seite, flache Gerichte wie eine Suppe eher von oben fotografiert“, rät Valentin. Allerdings sollte jeder für sich ausprobieren, welche Perspektive am besten wirkt, niemand solle sich zu sehr festlegen. Sein Vorschlag: „Verbiegt euch, steigt auf eine Leiter, kriecht auf dem Boden herum – spielt mit der Perspektive!“ Nur so könne individuell die perfekte Perspektive für das Foto ermittelt werden.

    Wichtig: Ein leerer Bauch fotografiert nicht gern.

    Wichtig: Ein leerer Bauch fotografiert nicht gern.

  6. Mit der Tiefenschärfe spielen
    Genau wie bei der Porträt-Fotografie ist es bei der Food-Fotografie sinnvoll, mit einem Bokeh zu arbeiten: „Das Gericht ist der Star des Fotos“, so Valentin. „Der Bildfokus sollte auf dem Gericht liegen, das Umfeld unscharf werden.“ Das funktioniert natürlich am besten durch Reduzierung des Blendenwerts des Objektivs, eine Blende von 2,8 oder weniger sorgt für eine hübsche Tiefenunschärfe. Ideale Werkzeuge dafür sind Spiegelreflexkameras mit lichtstarken Objektiven. Food-Fotografen können mit der Blende ihres Objektivs spielen, um die ideale Einstellung und den perfekten Aufnahmeabstand herauszufinden.

    Bokeh:
    Bokeh ist ein in der Fotografie verwendeter Begriff für die Qualität eines Unschärfebereichs. Unscharfe Gebiete eines Fotos werden von einem Objektiv durch Projektion auf eine Abbildungsebene (heute typischerweise einen Lichtsensor) erzeugt. Sie sind sozusagen „Erfindungen“ des Objektivs; das Auge sieht die Unschärfen nicht oder anders. Bokeh versucht, die meist subjektive, ästhetische Qualität dieser objektivabhängigen Unschärfen zu kennzeichnen; dabei geht es nicht um die Stärke der Unschärfe, sondern darum, wie die Unschärfebereiche aussehen, etwa wie Ringe oder Kreise.“ (Quelle: Wikipedia)
  7. Bilder sinnvoll nachbearbeiten
    Trotz aller Möglichkeiten der digitalen Nachbearbeitung können selbst Photoshop-Künstler ein misslungenes Foto nicht in ein gutes Bild verwandeln. Man sollte nicht von vornherein auf eine digitale Nachbesserung setzen: „Wer Essen fotografiert, sollte daher immer so arbeiten, dass eigentlich auf eine Nachbearbeitung verzichtet werden kann“, rät der Food-Blogger. „Allerdings lassen sich Bilder natürlich anschließend immer noch etwas verbessern – egal ob bei Belichtung, Farbkorrektur, Kontrast oder auch Schärfe.“ Daher empfiehlt es sich, auf das RAW-Format zu setzen.
  8. Ein leerer Bauch fotografiert nicht gern
    Zu guter Letzt noch ein Rat an alle, die sofort mit der Food-Fotografie beginnen möchten: Da es darum geht, die Frische einzufangen, sollte niemals nur für das Foto gekocht werden. Teilen Sie das Gericht in mehrere Portionen ein und essen Sie zunächst selbst davon, damit Sie satt und entspannt fotografieren können, zumal das Essen auf dem Bild ja nicht warm sein muss. Wichtig: Richten Sie erst unmittelbar vor der Fotosession die zu fotografierende Portion an. Vor allem Soßen, Dressings und Deko sollten erst zugegeben werden, wenn Sie tatsächlich mit den Fotos beginnen.Björn Valentin: Björn Valentin ist Food-Blogger und lebt in Berlin. Als leidenschaftlicher Hobbybäcker und -koch beschreibt, probiert und fotografiert er seit 2011 auf seinem Blog Herzfutter kulinarische Genüsse. Sie finden ihn auch auf Instagram, Twitter und Facebook.