Ratgeber: So erkennen Sie Fake-Gewinnspiele auf Facebook

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Ein neues iPhone für einen Kommentar? Ein Auto für ein „Like“? Das klingt nicht nur zu schön, um wahr zu sein, das ist es auch – und nicht nur das! Immer wieder tauchen gefälschte Gewinnspiele bei Facebook auf. Dahinter steckt eine miese Abzocke – wir zeigen Ihnen, wie Sie sich dagegen schützen können!

„Wir erhielten 125, 32 GB Samsung Galaxy Note 4, die nicht verkauft werden können, weil sie nicht richtig eingepackt worden sind. Aus diesem Grund machen wir eine Verlosung auf dieser Seite!“. So begrüßt die Facebook-Seite „Mega Gewinnspiele“ ihre Besucher und fordert diese auf, beim vermeintlichen Gewinnspiel mitzumachen. Um an der Verlosung des Edel-Tablets teilzunehmen, sollen die User lediglich die Seite, sowie den Beitrag mit einem „Gefällt mir“ versehen. Zusätzlich das zugehörige Foto mit ihren Freunden teilen und mit einem Ein-Wort-Kommentar versehen.

Lesetipp der Redaktion: Sie möchten Ihren Facebook-Account löschen oder deaktivieren? Kein Problem! Für beide Varianten haben wir die passende Kurz-Anleitung in petto.

Wir lehnen uns nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn wir behaupten, dass wohl keiner der Teilnehmer am 1. April 2015 (dem offiziellen Ende des Gewinnspiels) tatsächlich ein Galaxy Note 4 bekommen hat. Es handelt sich um ein Fake-Gewinnspiel, dessen einziges Ziel darin besteht, die Nutzerdaten der Teilnehmer abzugreifen. Das verrät schon ein Blick auf die Seiteninfos und die Teilnahmebedingungen. Diese fehlen schlicht und ergreifend. Das verstößt nicht nur gegen die Facebook-Richtlinien, sondern auch gegen deutsche Datenschutzgesetze.

Fake Gewinnspiele auf Facebook

Vorsicht Abzocker: Schon ein Blick auf die Seiteninfos reicht oft aus, um unseriöse
Gewinnspiele zu entlarven.

Zumindest auf den ersten Blick seriöser wirkt die Facebook-Gruppe „Gratis Apple Produkte“. Hier gibt es deutlich mehr Beiträge und die Seiteninfos und Teilnahmebedingungen sind ausgefüllt. Wer genauer hinsieht, findet aber auch hier grobe Lücken. Es handelt sich bei der angegebenen Adresse und den Kontaktdaten nicht nur um ungültige Informationen, die zudem noch nach Zypern weisen, auch die Herkunft der angeblich verlosten Produkte ist mehr als zweifelhaft (mehr dazu weiter unten). Je nach Gewinnspiel müssen die Teilnehmer hier übrigens noch auf einer Facebook-externen Webseite ihre Kontaktdaten wie Adresse, E-Mail und sogar die Telefonnummer eintragen – ein weiteres Zeichen für ein unseriöses Angebot.

Was steckt hinter den Fake-Gewinnspielen?

Facebook wird seit einigen Jahren geradezu von derlei Pseudo-Gewinnspielen überschwemmt. Kein Wunder: Mit über einer Milliarde aktiver Nutzer ist das Netzwerk ein gefundenes Fressen für Datensammler und Betrüger. Zudem lösen die vermeintlich einfachen Teilnahmebedingungen und die attraktiven Preise den „Habenwollen“-Reflex der Facebook-User aus. Immerhin ist eine Teilnahme meist in drei Minuten erledigt. Die Verlockung, dafür mit einem teuren Apple-Produkt oder anderen netten Gewinnen belohnt zu werden, genügt offenbar, um Tausende Facebook-Nutzer zur Teilnahme zu motivieren.

Doch was haben die Betreiber davon? Das ist von Mal zu Mal unterschiedlich. Besteht die Aufgabe vor allem darin, eine Facebook-Seite per Klick mit „Gefällt mir“ zu markieren, planen die Hintermänner oft den Verkauf der Seite an Dritte. Eine solche Fanseite mit mehreren Tausend „Likes“ kann eine stolze Summe auf dem Schwarzmarkt einbringen. Alternativ werden aufgebauschte Fanseiten oft dazu genutzt, die „Fans“ durch das Teilen oder Verschicken von Links auf illegale Webseiten zu locken. Dahinter steckt beispielsweise ein Affiliate-Angebot, durch das die Betreiber des vermeintlichen Gewinnspiels Geld verdienen, indem sich die Nutzer (oft sogar unwissentlich!) für Newsletter, Online-Dienste oder Spiele anmelden.

Auch verbreiten Fake-Gewinnspiele oft virenverseuchte Seiten oder verlinken auf Phishing-Websites, auf denen die Nutzer ihre Daten eingeben sollen. Diese Daten sind für Hacker und Betrüger bares Geld wert, worauf Sicherheitsexperten hinweisen: „Cyberkriminelle kennen viele Strategien, um ihre Opfer auf gefälschte Phishing-Seiten zu locken“, erklärt Holger Suhl, General Manager DACH bei Kaspersky Lab. „Die Links auf die gefälschten Webseiten sind in E-Mails und nachgeahmten Nachrichten von sozialen Netzwerken enthalten, oder sie verbergen sich hinter Werbebannern bei Drittanbietern. Dabei versprechen die Betrüger ihren Opfern zumeist einen besonders interessanten Inhalt. Wer hier nicht aufpasst, gibt seine Zugangsdaten und andere Infos direkt an Cyberkriminelle weiter“.

So erkennen Sie Fake-Gewinnspiele auf Facebook

Wie seriös ein Gewinnspiel auf Facebook wirklich ist, lässt sich relativ einfach herausfinden. Der erste Schritt sollte stets der Aufruf der Teilnahmebedingungen und des Impressums sein. Sind diese Informationen lückenhaft oder fehlen sie ganz, wird der Fake schnell offensichtlich. Gleiches gilt auch für Gewinnspiel-Texte, die vor Rechtschreib- und Grammatikfehlern strotzen oder schon mehrfach editiert worden sind. Den Bearbeitungsverlauf können Sie über die Statusleiste des Facebook-Postings einsehen.

Fake Gewinnspiele auf Facebook

Vorsicht: Nicht nur ist die Herkunft der iPhones zweifelhaft, auch verstoßen die
Teilnahmebedingungen gegen Facebooks AGBs.

Hinzu kommt, dass Facebook in seinen allgemeinen Geschäftsbedingungen seit längerem Gewinnspiele verbietet, für deren Teilnahme das Teilen von Fotos oder das Markieren anderer Nutzer verlangt wird. Auch ist es nicht zulässig, wenn die Teilnehmer einen Beitrag über das Gewinnspiel oder den angeblichen Anbieter auf ihrer eigenen Facebook-Seite veröffentlichen müssen. Seriöse Gewinnspiele werden selten auf Webseiten angeboten, hinter denen nicht eindeutig ein großes Unternehmen steht und die lediglich einige Tausend „Gefällt mir“-Angaben haben. Skepsis ist auch dann angebracht, wenn die versprochenen Gewinne angeblich von bekannten Firmen gesponsert werden, weil sie „nicht mehr verkauft werden können“. Das verspricht beispielsweise die schon angesprochene Facebook-Seite, die ihre Gewinne angeblich von Apple sowie bekannten Resellern wie Gravis erhält. Bedenken Sie: Selbst ein gebrauchtes iPhone 6 ist immer noch mehrere Hundert Euro wert, erst recht, wenn bislang lediglich „die Packung geöffnet wurde“. Da Apple und andere Hersteller gebrauchte und generalüberholte Geräte zudem leicht reduziert über ihre eigenen Refurbished-Shops verkaufen, ist es mehr als unwahrscheinlich, dass die Hersteller hunderte iPhones und andere High-End-Produkte einfach so verschenken.

Letzten Endes ist das beste Mittel gegen Fake-Gewinnspiele eine gesunde Portion Menschenverstand. Ob es sich bei einem Gewinnspiel um ein seriöses Angebot handelt oder nicht, lässt sich mit wenigen Klicks herausfinden. Zusätzlich helfen Initiativen wie „Zuerst denken, dann klicken“ dabei, verdächtige Facebook-Seiten zu erkennen. So verlockend es auch klingt: Ein iPhone bekommt man nicht einfach per „Gefällt mir“ geschenkt.

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