Experte Michael Gradias zu Makrofotografie

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Wie macht man tolle Makrofotos? Wie findet man geeignete Motive? Antworten gibt der Makrofotograf und Buchautor Michael Gradias (Makro- & Nahfotografie, Markt+Technik Verlag) im Interview zum Thema Makrofotografie.

Was macht für Sie die Makrofotografie so spannend?

Michael Gradias: Zum Beispiel, dass man die Schönheit der Natur erkennen kann, die man meist mit dem bloßen Auge gar nicht sieht. Es kommt sehr oft vor, dass ich nach dem Laden der Bilder erst am Rechner erkenne, welch eine schöne Szene ich bei meiner Fototour erwischt habe.

Welche Motive sind für Makrofotos besonders reizvoll?

Michael Gradias: Neben Aufnahmen in der Natur finde ich „Licht“ ganz besonders interessant – also etwa Aufnahmen von brennenden Streichhölzern, LED-Lichter oder ähnliches. In der Natur finde ich unzählige Motive, die ein Foto wert sind. Ich habe mich ein wenig auf die Libellen- und Insektenfotografie spezialisiert. Bei Libellen finde ich die Schönheit der Tiere faszinierend. Und ich finde es klasse, wenn man auf Fotos erkennen kann, wie die Facettenaugen einer ganz gewöhnlichen Stuben- oder Fleischfliege aussehen, was man mit bloßem Auge nicht erkennen kann.

Wie finden Sie spannende Motive? Zufällig im Alltag oder gehen Sie gezielt auf die Suche?

Michael Gradias: Beides. Wenn ich zum Beispiel gerne kleine Insekten fotografieren möchte, setze ich mich meist ein paar Stunden an eine Aue und warte ab, was so an Tierchen „vorbeikommt“. Das benötigt viel Geduld, bringt aber in den meisten Fällen die schönsten Motive zutage. Zu bestimmten Jahreszeiten, wenn ich weiß, welche Tiere gerade in der Natur unterwegs sind, gehe ich ganz gezielt auf Suche – etwa bei Marienkäfern oder Libellen. Dazu muss man natürlich ein wenig Kenntnisse über die Gewohnheiten der gewünschten Tiere besitzen. Die habe ich im Laufe der vielen Jahre meiner Makrofotografie ganz automatisch erlernt.

Geht es in der Makrofotografie eigentlich auch ohne DSLR und Makroobjektiv oder braucht man solch ein Equipment unbedingt?

Michael Gradias: Das kommt auf die eigenen Aufgabenstellungen an. „Normale Makroaufnahmen“ kann man ohne Weiteres ohne viel Equipment mit „ganz normalen“ Kameras aufnehmen – etwa Frösche oder andere etwas größere Tiere, was auch für die „Großlibellen“ gilt, die etwa fünf oder etwas mehr Zentimeter größer sind. Möchte man dagegen gerne einer Fliege in die „Augen schauen“ und dabei den Hintergrund schön freistellen, kommt man um ein Makroobjektiv an einer Spiegelreflexkamera kaum herum. Der Grund ist ein einfacher. Zwar kann man, auch mit Nahlinsen, größere Abbildungsmaßstäbe beim Einsatz von Kompaktkameras erreichen – mit dem Freistellen klappt es dann allerdings nicht, weil die „echte“ Brennweite der Kompaktkameras einfach zu gering ist.

Makroobjektive sind ja in der Regel Festbrennweitenobjektive. Welche Brennweite würden Sie für den Kauf empfehlen?

Michael Gradias: Ich habe sehr lange auf das Sigma-Objektiv mit 105 mm Brennweite geschworen, bis ich mir ein Tamron-Objektiv mit 180 mm zugelegt habe. Seitdem fotografiere ich Makroaufnahmen fast ausschließlich damit. Der Hauptgrund ist der größere Mindestabstand, den ich zum Objekt der Begierde wahren kann. So beträgt der Mindestabstand bei einem 105-mm-Objektiv etwa 30 Zentimeter, wobei ich bei einem 180-mm-Objektiv knapp 50 Zentimeter vom Motiv entfernt sein kann. Das ist beispielsweise bei Fotos von Libellen oder Heuschrecken ein großer Vorteil, da die kleinen Tierchen dann nicht so schnell flüchten.

Worauf muss man beim Makrofotografieren achten? Gibt es allgemeingültige Tipps?

Michael Gradias: Man darf nicht erwarten, dass man binnen wenigen Minuten sofort das „perfekte Foto“ schießt– das kann nicht klappen. Es sind meist viele Versuche und – etwa bei Tieraufnahmen – eine Menge Geduld und viele Versuche nötig, ehe ein gelungenes Foto entstehen kann. Man sollte sich auch von Misserfolgen nicht gleich entmutigen lassen. So kommt es schon vor, dass ich von einigen hundert geschossenen Bildern letztendlich nur gut 10 % übrig behalte, weil bei den anderen Bildern beispielsweise der Schärfepunkt nicht ganz präzise platziert war – schnell ist dann die gesamte Bildwirkung dahin. Wenn man auf weitere Hilfsmittel – wie etwa Blitzgeräte – verzichten will, kann es auch passieren, dass eine Fototour nur wenig verwertbare Ergebnisse gebracht hat, weil einfach das Licht an diesem Tag „nicht passte“.

Wir bedanken uns für das Gespräch!

Lesetipp der Redaktion: Wer noch nie mit seiner Kamera Makrofotos aufgenommen hat, hat eine Menge verpasst! Pflanzen, Insekten, Wasser, Licht, Oberflächen aller Art: Die Makrofotografie bietet unendlich viele spannende Motive. Für den Einstieg brauchen Sie noch nicht einmal teures Equipment. Schnappen Sie sich einfach Ihre Kompaktkamera!