devolo: Der Einstieg ins smarte Heim

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Das Thema „Smart Home“ ist für mich auch im Jahr 2016 noch immer ein zweischneidiges Schwert: Einerseits interessiert es mich als Technik-Enthusiasten brennend, andererseits scheue ich mich vor aufwendiger Umrüstung in der Wohnung. Mit dem Home Control Starter Kit will devolo ebendiese Hürde nehmen und einen einfachen Einstieg ins Smart Home ermöglichen. Im Test prüfe ich, ob es funktioniert.

Das devolo Home Control Starter Kit besteht im Wesentlichen aus drei Komponenten. Herzstück ist die Basis, die in eine Wandsteckdose gesteckt und anschließend über das mitgelieferte Netzwerkkabel direkt mit einem Router oder einem dLAN -Adapter verbunden wird. Außerdem liegt eine smarte Steckdose sowie ein Kontaktsensor im Paket, der prüft, ob Fenster, Türen oder Schubladen geöffnet werden und bei Bedarf eine Aktion initiiert.

Schneller und einfacher geht´s nicht: in zehn Minuten zum Smart Home. Einfach auspacken, einstecken und loslegen!

Schneller und einfacher geht´s nicht: in zehn Minuten zum Smart Home. Einfach auspacken, einstecken und loslegen!

Weitere Komponenten müssen separat erworben werden. Neben Steckdosen und Türsensoren bietet devolo unter anderem Bewegungsmelder, Feuermelder und Thermostate an, die sich nach und nach in das System integrieren lassen. Die Preise liegen dabei zwischen 40 und 100 Euro pro Zubehörteil – ein komplettes Haus auf „smart“ umzustellen, erfordert also eine entsprechend hohe Investition.

Alle Teile des Starter Kits sowie die weiteren Komponenten des Systems kommunizieren über den mittlerweile etablierten Z-Wave-Standard untereinander. Neben anderen Produkten aus devolos Home Control Serie lassen sich auch Smart Home Geräte sonstiger Hersteller mit der Basis verbinden, die im Z-Wave-Standard arbeiten. So können beispielsweise Philips Hue-Lampen mit in die Zentrale integriert und angesteuert werden – ein großer Pluspunkt für das Home Control Starter Kit!

Schnell startbereit, fragwürdiger Cloud-Zwang

devolo verspricht, dass die Einrichtung der smarten Heimsteuerung in zehn Minuten erledigt ist – und das ist tatsächlich machbar. Sobald die Home Control Zentrale mit dem Router verbunden ist, geht es auf die Startseite von devolo (Link), wo ich mich zunächst registriere. Neben einer E-Mail-Adresse verlangt devolo auch meine Postadresse und mein Geburtsdatum – angeblich werden die Daten aber nur zu Supportzwecken verwendet.

Nach dem Log-in dauert es nur wenige Sekunden, bis die verbundene Zentrale erkannt und eingerichtet wird. devolo aktualisiert automatisch die Firmware der Zentrale, danach ist sie startbereit. Nun gilt es, die mitgelieferten Komponenten mit der Basis zu verbinden, was ebenfalls kein Problem darstellt: entsprechendes Gerät im Browser auswählen, einstecken, auf den Knopf drücken, verbunden. Auf die gleiche Weise lassen sich beliebig viele weitere Geräte mit der Zentrale verbinden, sodass die Einrichtung ein Klacks ist. Die Verbindung funktionierte im Test auch durch mehrere Wände und auf eine Distanz von rund 20 Meter zur Zentrale problemlos. Einmal registriert lassen sich alle Geräte entweder einzeln bedienen oder mit verschiedenen Szenarien kombinieren – mehr dazu später.

Kleiner Minuspunkt: Die Anmeldung beim devolo Onlineportal zur Steuerung der Geräte ist zwingende Voraussetzung. Das bietet natürlich Vorteile wie den weltweiten Zugriff per App (s. unten), allerdings wäre mir ein optionaler „Nur-zuhause“-Modus deutlich lieber. Der Grund: Externe Dienstleister können gehackt werden, auch wenn die Wahrscheinlichkeit dafür gering ist. Im Worst-Case-Szenario könnten Hacker die Zugangsdaten ergattern und die Kontrolle über das smarte Zuhause übernehmen. Ein (vor allem als Netcologne-Kunde…) viel nahe liegenderes Problem tritt dann auf, wenn die heimische Internetverbindung streikt. In diesem Fall ist die schöne Smart-Home-Lösung nämlich komplett außer Gefecht gesetzt.

Das deutsche Testlabor AV-TEST (Link) hat das einfache Smart Home zum Selbermachen unter die Lupe genommen – mit einem Ergebnis: devolo Home Control ist „Sicher“ und erhält die Gesamtwertung „Sehr Guter Schutz“. Im Abschlussbericht heißt es: „Das Testteam ist voll des Lobes für das Schutzkonzept. […] An dieser Stelle soll positiv erwähnt werden, dass zum ersten Mal eine TLS-Verbindung von Smarthome-Zentralen gesehen wurde, bei der sowohl auf Client-, als auch auf Serverseite eine Zertifikatsüberprüfung vorgenommen wurde.“

Starter Kit funktioniert hervorragend

Doch was genau bietet mir das Starter Kit von devolo? Nun, wenn ich ehrlich bin: Nicht allzu viel – dafür funktioniert es ganz hervorragend. Die Steckdose lässt sich über die App oder vom Browser aus ein- und ausschalten, außerdem zeigt sie den Strombedarf der angeschlossenen Geräte an – und zwar sowohl live als auch im Gesamtverbrauch. Auf diese Weise lassen sich leicht Stromfresser ermitteln und bei Bedarf einfach abschalten. Das ist besonders bei Standby-Geräten wie Fernsehern interessant, da sich Kostenfallen aufspüren und ausmerzen lassen.

Der Tür- und Fensterkontakt hat Ihr Zuhause im Blick. Er registriert zuverlässig offene Türen, Fenster oder Schubladen und schlägt Alarm, wenn etwas nicht stimmt.

Der Tür- und Fensterkontakt hat Ihr Zuhause im Blick. Er registriert zuverlässig offene Türen, Fenster oder Schubladen und schlägt Alarm, wenn etwas nicht stimmt.

Interessant sind auch die Möglichkeiten, die der Tür- und Fenstersensor eröffnet. Per Klebefolie oder Schrauben ist er schnell angebracht und registriert über einen Magneten, ob eine Tür bzw. ein Fenster geöffnet wird. Über das my devolo Portal kann für ebendiesen Fall eine beliebige Aktion festgelegt werden. Ein Beispiel für das Starter Kit: Ich komme nach Hause, der Türsensor registriert die geöffnete Tür und schaltet die zuvor ausgeschaltete Steckdose wieder ein. Auch als einfacher Einbruchalarm lässt sich der Kontakt verwenden: Bin ich unterwegs, kann ich per Push-Nachricht, E-Mail oder (kostenpflichtiger) SMS darüber informiert werden, wenn der Kontakt ausgelöst wird – vielleicht ist dann noch genug Zeit, einen Einbrecher zu stoppen.

my devolo Portal überzeugt mit einfacher Einrichtung

Das my devolo Portal macht die Einrichtung der Aktionen erfreulich einfach. Im Bereich „Regeln“ lassen sich per Drag & Drop simple „Wenn-Dann“-Situationen einrichten, zum Beispiel folgende: „Wenn Tür geöffnet, sende Push-Nachricht“. Nach kurzer Einarbeitung funktioniert das sehr gut. Neben den direkten Aktionen lassen sich die Geräte auch zeitgesteuert aktivieren und abschalten, mehrere Geräte im Smart Home gruppieren und gemeinsam ansteuern oder über die sogenannten „Szenen“ verschiedene Einstellungen kombinieren. Ein Beispiel: Für eine gemütliche Abendstimmung lassen sich ein sanftes Hue-Licht mit einer angenehmen Raumtemperatur und eingeschalteter Stereoanlage kombinieren und mit einem Klick starten – die entsprechenden Smart Home Geräte vorausgesetzt.

devolo Home Control Starter Paket: Drei zentrale Bausteine in einem Paket bilden die Basis für Ihr persönliches Smart Home.

devolo Home Control Starter Paket: Drei zentrale Bausteine in einem Paket bilden die Basis für Ihr persönliches Smart Home.

Ebendiese erweiterten Funktionen sind natürlich mit dem Starterpaket nur sehr eingeschränkt möglich. Damit Szenen und Gruppierungen wirklich etwas bringen, muss erst investiert werden. Bei Preisen von 50 Euro pro Steckdose (wie sehr habe ich mir im Test eine Mehrfachsteckdosen-Lösung herbeigesehnt…) geht die Smart Home Umrüstung ordentlich ins Geld. Durch den offenen Standard und die Kompatibilität zu anderen Systemen dürfte die devolo Lösung aber zu den zukunftssichersten Lösungen in Sachen Smart Home gehören.

devolo Home Control Starter Kit: Haussteuerung überall

Ein großer Vorteil von devolos Home Control System ist die Option, über die App auch von unterwegs die volle Kontrolle über Steckdosen, Heizung und mehr zu besitzen. Durch die Registrierung beim my devolo Portal greife ich unterwegs per Laptop oder Smartphone-App auf die Funktionen der Smart Home Zentrale zu und schalte bei Bedarf in der Bahn die Steckdose aus oder sorge auf dem Heimweg für ein angenehm warmes Wohnzimmer (zumindest, wenn ich das Starter Kit um die entsprechenden Komponenten erweitere).

Neben dem Desktop-Browser funktioniert die Fernsteuerung auch über die my devolo App, die für Android und iOS zur Verfügung steht – Windows-Phone-User schauen wie so oft in die Röhre. Über die App lässt sich der Status der Smart Home Geräte abfragen sowie die einzelnen Aktionen wie das Ein- und Ausschalten oder die Aktivierung der eingerichteten Szenen realisieren. Mobil programmieren lassen sich die Szenen nicht, hier muss der Weg über den PC-Browser genommen werden. Generell hinterlassen die my devolo Apps sowohl auf Smartphones wie auf Tablets einen eher durchwachsenen Eindruck, hat devolo doch lediglich die mobile Ansicht des my devolo Portals in eine App verpackt. Im direkten Vergleich zu nativen Android- oder iOS-Apps wirkt die Bedienung daher eher träge. Hinzu kommt, dass mich bei meinen Log-in-Versuchen zuweilen der Anmeldebildschirm der Desktop-Webseite begrüßt und ich die App erst nach forciertem Schließen wieder normal verwenden kann. Auch eine Einbindung in Apples Smart Home Steuerung Home Kit bietet das Home Control System von devolo derzeit nicht.

Immerhin hat devolo mittlerweile die Möglichkeit nachgerüstet, per Push-Benachrichtigung auf dem Smartphone darüber informiert zu werden, wenn eine bestimmte Aktion im smarten Zuhause eintritt, beispielsweise das Öffnen eines Fensters oder auch ein Alarm durch den Rauchmelder. Die entsprechende Option muss aber im Webinterface aktiviert werden.

Trotz der Kritik ist die my devolo App alles andere als nutzlos, erlaubt sie mir doch von überall in der Welt einen Blick nach Hause. Die Fernsteuerung per Smartphone klappt in meinem Test selbst im Ausland problemlos – hier ist die Cloud-Lösung schlichtweg ein Komfortgewinn.

Fazit: Schmackhafter Appetizer für das smarte Zuhause

Das Starter Set von devolo erfüllt seinen Zweck: Es bietet Interessenten in Sachen Smart Home einen ersten Einblick in die Möglichkeiten der Heimvernetzung. Die unkomplizierte Einrichtung überzeugt mich dabei genauso wie die durchdachte Benutzerführung und die absolut zuverlässigen Funktionen. Sieht man vom leichten App-Schluckauf ab, hat im Testzeitraum jede Funktion fehlerlos ihren Dienst verrichtet. Besonders angetan hat es mir die Möglichkeit, weitere Geräte in das Home Control System zu integrieren, selbst wenn diese nicht von devolo stammen. An den Apps muss devolo aber noch arbeiten, soviel steht fest.

Die Schalt- und Messsteckdose arbeitet während Sie noch schlafen. Sie brüht frischen Kaffee, schaltet Geräte aus, die Sie vergessen haben oder warnt Sie, falls der Kühlschrank offen steht.

Die Schalt- und Messsteckdose arbeitet während Sie noch schlafen. Sie brüht frischen Kaffee, schaltet Geräte aus, die Sie vergessen haben oder warnt Sie, falls der Kühlschrank offen steht.

Schwer zu beantworten ist die Frage, für wen sich der Kauf des devolo Smart Home Starter Kits wirklich lohnt. Die Investition von rund 200 Euro bringt nur dann etwas, wenn mittelfristig noch weitere Steckdosen oder andere Elemente angeschafft werden – schließlich lässt sich eine einzige Steckdose per Schalter oder Stecker ziehen zwar weniger komfortabel, dafür aber wesentlich günstiger kontrollieren.

Im Gegenzug macht es mir devolo wirklich so einfach wie versprochen, den Einstieg ins smarte Zuhaue zu schaffen. Ohne aufwendiges Kabelverlegen kann ich meine Wohnung oder mein Haus Schritt für Schritt ein Stück smarter machen – viel einfacher als mit der devolo Lösung geht es nicht.