Pancake-Objektiv: Canon EF-S 24mm f/2.8 STM im Test

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Kompakt, leicht, immer dabei: Canons EF-S 24mm f/2.8 STM ist eine kleine und preiswerte, dabei ausgesprochen leistungsstarke Festbrennweite für APS-C-Kameras. Sie ist eine klassische Reportagebrennweite – und damit vielseitig nutzbar.

Straßenfotografen haben es nicht leicht: Wer mit dicker Linse herumläuft und zum Beispiel ungefragt in einem Biergarten fotografiert, kann fast sichergehen, dass mindestens einer die sofortige Löschung der Bilder fordert. Dabei ist eine Aufnahme, bei der Menschen nur schmückendes Beiwerk sind, rechtlich nicht einmal ein Problem. Die meisten Leute wissen das allerdings nicht. Zudem vermuten sie hinter großen Kameras und Objektiven immer noch automatisch Pressefotografen und wollen sich auch nicht als schmückendes Beiwerk in der Zeitung oder einem Newsportal wiederfinden. Wer auf der Straße fotografiert, muss also diskret vorgehen – und dafür liefert Canon mit dem Pancake-Objektiv EF-S 24mm f/2.8 STM das passende Equipment.

EF-S 24mm f/2.8 STM Canon

EF-S 24mm f/2.8 STM: Wir haben das kompakte Pancake-Objektiv im Zusammenspiel mit einer Canon EOS 60D getestet.

Winzige Linse, große Wirkung

Ein Pancake-Objektiv ist eine besonders flache Linse, eben „flach wie ein Pfannkuchen“. Sie ist relativ unauffällig und wirkt so weniger bedrohlich. Der dadurch entstehende psychologische Trick ist simpel, aber effektiv: Während eine große Linse automatisch professionelle Fotografen vermuten lässt, wirkt ein Pancake auf die meisten Menschen wie harmloses Spielzeug, was die Gemüter beruhigt. Für die unauffällige Straßenfotografie ist ein Pancake also Pflicht – und das nur 125 Gramm leichte Canon EF-S 24mm ist ausgesprochen diskret. Auf einer APS-C-Kamera wie der Canon EOS 60D aufgeschraubt, ragt es gerade einmal 2,3 Zentimeter aus dem Body – und wirkt damit für niemanden bedrohlich. Gleichzeitig erreicht es aber mit seinen 24 Millimetern Brennweite am Canon-APS-C-Sensor eine effektive Brennweite von 38 Millimetern – und ist damit eine klassische Reportagebrennweite, wie sie von Fotojournalisten und Profi-Fotografen gerne benutzt wird. Der Bildausschnitt ist ähnlich dem eines Smartphones und entspricht relativ genau dem menschlichen Sichtfeld. Dies, ermöglicht besonders ansprechende Aufnahmen und macht diese Brennweite perfekt für den Allround-Einsatz auf der Straße.

Canon EOS Objektiv

Das 24-mm-Objektiv bietet beim Einsatz mit einer Canon EOS mit APS-C-Sensor denselben Bildausschnitt wie ein 38-mm-Objektiv auf einer Vollformat-DSLR.

Lichtstark, schnell und treffsicher

Die Montage des für deutlich unter 200 Euro erhältlichen Objektivs ist wie bei allen Canon-Objektiven ein Kinderspiel: auspacken, Anschluss-Deckel abschrauben, Objektiv auf die Kamera setzen, fertig. Damit ist das Objektiv sofort einsatzbereit, Zubehör wie eine Sonnenblende gibt es wie immer bei Canons EF-S-Objektiven nur separat. Wer mehrere Objektive besitzt, wird feststellen, wie schnell und souverän der Autofokus selbst bei schlechtem Licht arbeitet. Möglich wird das auch durch die hohe Lichtstärke: Mit einer Offenblende von ƒ=2,8 ist sie zwar nicht im professionellen Bereich – allerdings deutlich lichtstärker als die bei Canon-Kameras im Kit beigepackten Zooms. Zudem ist die Optik aufgrund der einfacheren Konstruktion der Canon-Festbrennweite weitestgehend verzerrungs- und verzeichnungsfrei. Und: Auch bei Offenblende ist das 24mm-Objektiv bereits sehr scharf, der Fokus trifft schnell und zuverlässig, womit die Linse sich bestens für aus der Hüfte geschossene Straßenfotos eignet. Den fehlenden Zoom kompensieren wie bei allen Festbrennweiten gute Turnschuhe, wobei deren Einsatz bei der praktischen Reportagebrennweite nicht allzu oft nötig sein dürfte.

Canon Pancake Objektiv

Eine hohe Lichtstärke von 1:2,8 lässt viel Licht auf den Sensor gelangen, sodass selbst bei dunklen Aufnahmesituationen ohne Blitz gearbeitet werden kann.

Makro-tauglich, aber kein Makro-Objektiv

Schön am Canon EF-S 24mm f/2.8 STM ist auch die Naheinstellungsgrenze von nur 16 Zentimetern: Mit den entsprechenden Megapixeln in der Kamera kann das kleine Objektiv damit durchaus als Makrolinse arbeiten, wenn auch weniger für die professionelle Makrofotografie als für das Festhalten kleiner Details wie Insekten oder Blumen am Wegesrand. Der Abbildungsmaßstab von 0,27 viertelt zwar die Originalgröße, allerdings sind moderne Kameras mit 18 oder mehr Megapixeln auflösungsstark genug, um Ausschnitte des Bildes zu vergrößern – kleine Käfer, Schmetterlinge oder anderes Getier kommen also ganz groß raus. Gleiches gilt übrigens für Porträts, für die sich das Objektiv ebenfalls eignet, allerdings mit brennweitenbedingten Einschränkungen: Geht man nah genug an das Motiv heran und öffnet die Blende, ergibt sich ein wunderbar weiches Bokeh, das man der flachen Linse eigentlich nicht zutrauen würde.

Problematisch: Vignettierung und STM-Motor

Insgesamt präsentiert sich Canons kleine Linse also als perfekte Ergänzung für APS-C-Fotografen, die auf Reisen oder zu Hause eine handliche, leistungsstarke und flexible Festbrennweite suchen. Das Objektiv ist eine preiswerte und praktische Alternative zum großen Zoom und passt abgenommen in jede Jacken- oder Kameratasche. Bei der Straßenfotografie kann es auch einfach auf der Kamera bleiben. Allerdings sorgt der Preis für einige kleinere Einschränkungen. Wer das Objektiv erstmalig verwendet, wird eine deutliche Vignettierung (Randabschattung) feststellen. Diese lässt sich aber mit dem jeder Canon-Digitalkamera beiliegenden Lens-Registration-Tool korrigieren: Das entsprechende Objektivprofil muss auf die Kamera geladen und anschließend in der Kamera selbst die Vignettierungskorrektur aktiviert werden. Danach rechnet die EOS-Kamera die Vignettierung direkt bei der Aufnahme heraus. Ebenfalls nicht optimal: Der STM-Motor ist nicht ganz so leise und schnell wie Canons hochpreisigere USM-Motoren, wodurch er sich nur bedingt zum Filmen eignet. Zumal das Objektiv, obwohl grundsätzlich geräuscharm, bei der Fokussuche doch ein leises, aber konstantes Summen von sich gibt und öfter nachjustiert als gute Ultraschallmotoren.

Canon EF-S 24mm f/2.8 STM

Mit einer Länge von nur ca. 22,8 mm und einem Gewicht von nicht mehr als etwa 125 g ist das EF-S 24mm f/2.8 STM kompakt und damit ideal, wenn Sie Ihre EOS immer dabeihaben wollen.

Fazit: Ein tolles Objektiv für den Alltag

Diesen kleinen Nachteilen zum Trotz ist das Canon EF-S 24mm f/2.8 STM allerdings ein hervorragendes Objektiv – insbesondere für den geringen Preis. Die flache Bauweise und das geringe Gewicht machen es zu einem perfekten Alltagsobjektiv, das eigentlich immer auf der Kamera bleiben kann. Straßenfotografen profitieren zusätzlich von der unauffälligen Linse, die kaum mehr aufträgt als ein Kameradeckel und damit Schnellschüsse ermöglicht, ohne Aufsehen zu erregen. Doch auch auf Wanderungen, Partys und eigentlich bei jeder anderen Gelegenheit ist das kleine Canon-Objektiv dank seiner Reportagebrennweite eine große kleine Hilfe – und sollte daher in keiner Kameratasche fehlen.

Lesetipp der Redaktion: Mit der EOS M10 liefert Canon eine günstige Einsteiger-Systemkamera mit dem hauseigenen M-Objektivsystem. Mit Touch-Bildschirm, WLAN und APS-C-Sensor schickt sich die Kamera an, auch im D-SLR-Revier zu wildern. Wir haben uns die kleine Canon einmal genauer angeschaut.

Fotos: Canon/Fotolia