Canon Legria HF G40: Full-HD-Cam für den semiprofessionellen Anspruch

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Hand aufs Herz: Warum sollte man in Zeiten, in denen jede Digitalkamera und selbst jedes zweite Smartphone mit HD- und 4K-Videofunktionen ausgestattet sind, eigentlich noch zu einem klassischen Camcorder greifen? Die Antwort ist einfach: Es sind Formfaktor und die Bedienung, die diese Gerätegattung am Leben erhalten. Und das zu Recht, wie die Canon Legria HF G40 beweist, die vor allem für YouTuber und angehende Profifilmer interessant sein dürfte.

Eine Canon Legria HF G40 soll es also diesmal sein, ein Camcorder mit semiprofessionellem Anspruch. Es ist lange her, dass ich zuletzt einen echten Camcorder in der Hand hatte. Außer zur Digitalisierung alter Videokassetten war dies wohl Anfang des Jahrtausends im Studium der Fall. Damals gab es diese kleinen Camcorder mit MiniDV-Kassetten, von HD oder 4K hatte noch niemand gehört, gefilmt wurde in aus heutiger Sicht lausigen 720 × 576 Pixeln. Das größte Problem war anschließend, das bereits damals Gigabytes umfassende Rohmaterial für einen Fernsehbeitrag irgendwie digital zu bearbeiten. Zwar gab es an der Uni Schnittcomputer, ich persönlich zog es jedoch vor, auf der mickrigen 30-Gigabyte-Festplatte meines Apple iBook G3 zu schneiden. Das ging, war jedoch ausgesprochen langsam und auf dem winzigen Bildschirm auch alles andere als angenehm.

Porsche 911 GTS Cabrio trifft auf Canon Legria HF G40. Wir haben mit dem Full-HD-Camcorder von Canon unter anderem ein Fahrsicherheitstraining am Nürburgring filmisch begleitet.

Porsche 911 GTS Cabrio trifft auf Canon Legria HF G40. Wir haben mit dem Full-HD-Camcorder von Canon unter anderem ein Fahrsicherheitstraining am Nürburgring filmisch begleitet.

 

Videoproduktion ist heute kinderleicht

Heute gehören diese Probleme der praktischen Filmproduktion der Vergangenheit an. Jeder leidlich aktuelle Computer besitzt ausreichend Speicherkapazität und Rechenleistung, um den Videoschnitt selbst in 4K-Qualität zu bewerkstelligen. Das Rohmaterial muss längst nicht mehr per Kassette und Kabel überspielt werden, sondern findet ganz bequem per SD-Karte oder Wi-Fi seinen Weg auf den Rechner. Videoproduktion ist technisch gesehen heute also kein Problem mehr; das beweist auch ein schneller Blick auf Videoplattformen wie YouTube. Das obere Ende der Leistungsskala markieren dabei professionelle Film- und Fernsehkameras. Wie passt ein handliches, aber leistungsstarkes Gerät für semiprofessionelle Nutzer wie die Canon Legria da noch hinein? Nun: Sehr gut – denn ein Camcorder hat gegenüber Smartphone-Kameras, digitalen Fotoapparaten und Actioncams wie der GoPro erstaunliche Vorteile im praktischen Gebrauch, gerade auch für YouTube-Produzenten.

Tipp der Redaktion: Fahrsicherheitstraining in einem Porsche 911 GTS Cabrio auf dem Nürburgring. Das Video zum Filmdreh mit der Canon Legria HF G40 können Sie sich auf unserem YouTube-Kanal ansehen.

Unglaubliche Vielseitigkeit im handlichen Format

Werfen wir zunächst einen Blick auf die technischen Daten der Canon Legria HF G40. Das Gerät kommt mit einem 20-fach-Zoom und einem ausgesprochen lichtstarken ƒ=1,8-Weitwinkelobjektiv daher, das über eine kreisrunde Blende verfügt. Ein optischer Bildstabilisator ist an Bord, ebenso wie ein Klappdisplay mit Touch-Funktion.

Canon Legria HF G40 Test

Mit erstklassiger optischer Leistung überzeugt das 20-fach-Weitwinkel-Zoomobjektiv der Canon Legria HF G40 mit seiner Brennweite von 26,8 bis 576 Millimetern.

Der Bildsensor ist ein CMOS-Modell mit 1/2,84 Zoll und damit sogar größer als bei manchem professionellem Modell. Aufgezeichnet wird auf SD-Karten, von denen die Legria gleich zwei Stück aufnehmen kann. Die Videoübertragung erfolgt per Karte oder Wi-Fi. Die Haptik des betriebsbereit rund ein Kilo schweren Geräts ist solide, ein elektronischer Sucher erlaubt Aufnahmen bei schlechtem Licht. Anschlüsse für die gängigen Standards – HDMI, Line-Mikro, USB und Kopfhörer – sind vorhanden, zudem gibt es eine Stativaufnahme und einen Zubehör-Schuh, auf dem zum Beispiel Licht oder Mikrofon installiert werden können. Ein Stereo-Mikro ist natürlich auch an Bord. Die Aufzeichnungsqualität ist mit Full-HD mit 50 Bildern und 28 Megabit pro Sekunde ebenfalls auf der Höhe.

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Ausgestattet mit einem 1/2,84-Zoll-Typ HD CMOS PRO Sensor und dem DIGIC DV4 Prozessor, bietet die Canon Legria HF G40 die Sicherheit für klare, lebendige Videos selbst bei schwierigen Lichtverhältnissen.

Warum ein solches Gerät „semiprofessionell“ ist? Nun: Zum einen fehlen wichtige professionelle Funktionen wie etwa die MPEG-2-Aufzeichnung. Der Camcorder arbeitet ausschließlich mit MPEG-4/AVCHD. Zum anderen sind zahlreiche Automatiken integriert, die sich in dieser Form in der „Broadcast“-Klasse, also Geräten für den Gebrauch bei Film und Fernsehen, nicht finden – und die den Anwender hier und da deutlich beschneiden, etwa beim Auspegeln eines externen Mikrofons oder beim Weißabgleich. Diese Funktionen sind zwar möglich, allerdings nicht ansatzweise so komfortabel wie bei einem Profigerät. Zu guter Letzt fehlen dem Camcorder außerdem wichtige Anschlüsse, der restliche Unterschied zwischen professionell und semiprofessionell ist heutzutage jedoch eher dem Marketing geschuldet. Einzig die Qualität der Linsen macht noch einen Unterschied: Professionelle Videokameras besitzen eine deutlich bessere Linsenqualität – oder sind sogar mit einer Wechseloptik ausgestattet.

Canon Legria HF G40 im Test

Die Legria HF G40 von Canon ist eine vielseitige Kamera und eignet sich für die unterschiedlichsten Aufnahmesituationen – vom Hochzeitsvideo bis hin zum Hochschulprojekt.

Der Formfaktor macht den Unterschied

Nun fragen Sie sich vielleicht, warum man einen semiprofessionellen Camcorder überhaupt noch braucht. Schließlich sind heutzutage die meisten Digitalkameras ähnlich ausgestattet. Die Antwort ist einfach: Aufgrund von Formfaktor und Bedienung sind Camcorder deutlich besser für Filmaufzeichnungen geeignet als jedes Smartphone oder digitaler Fotoapparat. Filmen geht deutlich leichter von der Hand, weil das Design des Geräts genau für diesen Zweck ausgelegt ist, während zum Beispiel digitale Spiegelreflexen nur mit einem enormem Aufwand an Zubehör halbwegs komfortabel als Filmkameras zu bedienen sind.

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Durch die neuen Modi WideDR (Wide Dynamic Range) und Tonwertpriorität eignet sich die Legria HF G40 auch für den professionellen Einsatz.

Gerade für Anwender, die eine Lösung für die optisch anspruchsvolle und flexible Videoaufzeichnung suchen, ohne dabei auf den qualitativen und vor allem technischen Anspruch von TV-Stationen angewiesen zu sein, können davon deutlich profitieren.

Plus: Die praktische Bedienung

Ich bin zwar kein YouTuber, habe das Gerät aber in der Praxis schnell ins Herz geschlossen. Die Bedienung ist auch ohne Blick ins Handbuch mit ein wenig Erfahrung in Sachen Videofilmen sofort eingängig, es gibt kaum Stolperfallen.

YouTube Camcorder Canon

Kinderleichte Bedienung: Die Canon Legria HF G40 ist perfekt für den Einsatz als YouTube-Kamera geeignet.

Nachdem Speicherkarte und Akku eingelegt sind, ist der Camcorder sofort einsatzbereit. Geladen wird der Akku direkt im Gerät, was den stationären Betrieb erleichtert. Die rechte Hand liegt komfortabel in der soliden Handschlaufe, ein Druck auf den Start/Stop-Knopf startet und beendet die Aufnahme. Das mit 1.230.000 Pixeln angenehm hochauflösende Display hilft bei der Motivsuche, alternativ kann der elektronische Sucher verwendet werden, der mit 1.560.000 Pixeln sogar noch einmal deutlich detailreicher ist. Alle anderen Funktionen ähneln denen von modernen Digitalkameras, dementsprechend kann sich auch die Videoqualität sehen lassen. Der Autofokus arbeitet schnell und zuverlässig, ein Fokus kann aber auch manuell gesetzt werden, was für eine professionelle Anmutung der Videos empfehlenswert ist. Praktisch ist der Schalter „Cinema“, der den Zugriff auf eine Reihe verschiedener Bildstile und viele manuelle Funktionen erlaubt. Maximal manuell bedienbar wird das Gerät jedoch erst, wenn auf den manuellen Modus umgeschaltet wird. Die Qualität der Videos ist dementsprechend hoch. Sobald ich den Autofokus zugunsten einer manuellen Fokuswahl ausgeschaltet und ein Stativ verwendet habe, waren die Videos kaum noch von „echten“ TV-Bildern zu unterscheiden.

Allyouneed Canon Legria HF G40

Canon Legria HF G40: Das Touchscreen-LCD ermöglicht die volle manuelle Steuerung über das individuell konfigurierbare Wahlrad hinsichtlich Blende, Verschlusszeit, Signalverstärkung (Gain) und Belichtung.

Fazit: Die Canon Legria HF G40 hält, was sie verspricht

In der Praxis beweist die Canon Legria HF G40 eindrucksvoll, dass die Camcorder-Klasse längst nicht tot ist. Durch den nahezu perfekten Formfaktor ist sie Smartphones und so gut wie jedem digitalen Fotoapparat in Sachen Handhabung deutlich überlegen, wodurch sie sich als Videoaufnahme-Gerät überall dort eignet, wo „echte“ Videobedienung notwendig ist. Das dreh- und schwenkbare Klappdisplay hilft bei der Aufzeichnung spektakulärer Perspektiven. Mit den richtigen Einstellungen können erfahrene Videofilmer mit der Canon Legria durchaus professionell anmutende Film- und TV-Projekte auf die Beine stellen – immer vorausgesetzt, man wagt sich aus den automatischen Einstellungen heraus und befasst sich mit dem Gerät und der Videotheorie. Leichte Abstriche gibt es allerdings bei der Bildqualität. Die „preiswerte“ Optik entspricht natürlich nicht dem Niveau eines hochpreisigen D-SLR-Objektivs oder der fest verbauten Optik einer Broadcasting-Lösung wie den Videokameras aus Canons XF-Reihe, die für den professionellen Einsatz gebaut und um ein Vielfaches teurer sind. Trotzdem bietet die Legria deutlich mehr als jede Digitalkamera, Webcam und vor allem als jedes Smartphone – weshalb sie die ideale Lösung für alle Filmfans ist, die professionell wirkende Videos produzieren wollen, ohne Profipreise zu bezahlen.