Pflege und Reparatur der Campingausrüstung

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Camping heißt: nah an der Natur sein, nachts die Sterne beobachten, morgens von Vogelgezwitscher geweckt werden. Alles wunderschön. Aber Camping bedeutet eben auch: nasse Böden, spitze Steine, windige Nächte. Damit Ihre Campingausrüstung Sie noch auf vielen Reisen begleiten kann, sind die richtige Pflege und die Durchführung nötiger Reparaturen das A und O.

Eine kleine Anekdote. Als ich eines Sommers in den französischen Weiten der Provence an der Mittelmeerküste campierte, das war in Toulon im Garten eines Freundes sehr weit außerhalb der Stadt, da ist es passiert: Beim Zeltaufbauen habe ich nicht auf den Boden geachtet und mein kleines Wurfzelt achtlos hin und her geschoben. Bis ich meinte, auf dem abschüssigen Untergrund die bequemste Lage gefunden zu haben. Der Boden war sehr steinig. Die richtige Position habe ich zwar gefunden, aber gleichzeitig bei dieser Aktion ein Loch in den Zeltboden geschnitten, genau an der Stelle, an der Zeltboden und Seitenwände ineinander übergehen.

Abends habe ich von dem Fauxpas noch nichts gemerkt. Erst am nächsten Morgen stellte ich fest, dass es eine undichte Stelle geben musste: Eine Kolonie von Ameisen hatte ihre Straße quer durch mein Zelt gebaut. Der Schreck war natürlich groß, denn wer wacht schon gerne mitten in einer Ameisenstraße auf? Ein Reparaturset für mein Zelt besaß ich nicht und so musste ich die Löcher notdürftig mit Pflastern abkleben. Davon haben sich die Insekten natürlich nicht beirren lassen. Ich teilte fortan also das Zelt mit allen möglichen tierischen Nachbarn.

Reparaturset für die Campingausrüstung ist ein Muss

Fürs nächste Mal weiß ich: Eine Campingausrüstung ist zwar sehr robust und hält einiges aus. Doch es kann immer mal vorkommen, dass etwas kaputtgeht. Durch Unachtsamkeit wie bei mir. Oder durch widrige Umstände wie starker Wind oder Regen. Zeltnähte können aufplatzen, Zeltstangen brechen, das Außenzelt kann reißen. Und nicht nur Insekten fühlen sich dann willkommen. Auch Regenwasser kann den warmen Schlafplatz überfluten. Daher gehört ein Reparaturset für die Ausrüstung ganz oben auf die Packliste.

Zur Basisausrüstung gehören:

  • Nadel und Faden: Damit können Sie ganz klassisch grobe Löcher zusammennähen oder geplatzte Nähte an der Zeltwand reparieren.
  • Ein Set bestehend aus dem für Ihr Zelt passenden Kleber (je nach Material des Zeltes bietet sich ein anderer Kleber an) und den passenden Stoffflicken, aus denen auch Ihr Zelt besteht.
  • Gewebe-Klebeband: Dieses Band ist mehr als nur ein Klebeband und hilft bereits bei kleinen Beschädigungen.
  • Reparaturhülsen, falls Ihnen eine Zeltstange durchbricht.
Pflege der Campingausrüstung - Nadel und Faden

Mit Nadel und Faden können Sie ganz klassisch grobe Löcher zusammennähen oder geplatzte Nähte an der Zeltwand reparieren.

Lesetipp der Redaktion: Sie wollen wissen was Sie überhaupt alles an Campingausrüstung für Ihren Ausflug benötigen? Unser Camping-Guide für Anfänger inklusive Checkliste hilft Ihnen da weiter.

Reparatursets für das Zelt

Am einfachsten reparieren Sie Ihr Zelt mit selbstklebenden Flicken. Diese können Sie auf die gewünschte Größe zuschneiden und auf einen kleineren Riss oder ein Loch im Außenzelt kleben. Die Klebeflicken bestehen meist aus Nylon und haben einen sehr festen Klebstoff – hier ist kein Durchkommen, weder für Regen noch für Ameisen. Kleiner Tipp am Rande: Flicken mit abgerundeten Kanten halten besser, am besten schneiden Sie sie deshalb kreisrund aus.

Wenn eine Zeltnaht geplatzt ist, sind die Flickenkleber nicht hilfreich. Hierfür nutzen Sie am besten ein Abdichtband. Dieses können Sie auf die richtige Länge zuschneiden und über den gerissenen Saum legen – eventuell lohnt es sich, vorher noch mit Nadel und Faden etwas nachzuhelfen. Das Abdichtband ist selbstklebend und sowohl wasser- als auch insektendicht. Übrigens: Manchmal erkennt man, dass eine Naht nicht mehr lange halten wird, noch bevor sie tatsächlich reißt. Hier können Sie vorsorglich schon mal das Abdichtband aufkleben.

Reparaturhülsen für gebrochene Zeltstangen

Eine gebrochene Zeltstange kann leider nicht einfach wieder geklebt werden. Schnelle Abhilfe erhalten Sie mit sogenannten Reparaturhülsen. Bei manchen Zelten sind diese Hülsen schon enthalten. Wenn nicht, dann müssen Sie eine Hülse kaufen, die vom Durchmesser her minimal größer ist als die Zeltstange, damit Sie die Hülse gerade so über die Zeltstange ziehen können. Sie muss so platziert werden, dass die Bruchstelle genau in der Mitte der Hülse liegt. Danach können Sie die Reparaturhülse mit Gewebeband fixieren. Leider ist das keine dauerhafte Lösung. Sobald Sie wieder zu Hause sind, sollten Sie sich eine neue Zeltstange zulegen.

Pflege der Campingausrüstung - Zeltstangen

Sollte Ihre Zeltstange einmal brechen, helfen Ihnen die sogenannten Reparaturhülsen. Bei manchen Zelten sind diese auch schon beim Kauf dabei.

Die richtige Pflege der Campingausrüstung

Mir ist es schon oft passiert, dass ich morgens im Zelt von einem Tropfen Wasser geweckt wurde. Ein Blick an die Zeltdecke zeigte mir: Es hat reingeregnet. Das war aber nicht der Fall. Nachts entsteht im Zelt zum Beispiel durch Atem viel Feuchtigkeit. Das Wasser an den Zeltwänden ist also durch Kondensation entstanden, nicht durch ein Leck. Daher heißt das oberste Gebot nach dem Aufstehen: lüften. Auch Schlafsack und Isomatte sollte man ein bisschen Luft gönnen.

Selbst wenn der Campingurlaub reibungslos und ohne Löcher, Ameisen im Zelt oder gebrochenen Zeltstangen verlaufen ist, sollte man die Ausrüstung nicht direkt in den Keller legen. Während der Reise und danach muss sie gut gepflegt werden, damit sie noch viele Jahre hält. Immerhin ist eine Campingausrüstung nicht unbedingt ein Schnäppchen, sodass es sich lohnt, ein bisschen Zeit in die Pflege zu investieren. Daher ein paar Tipps, wie Ihre Campingausrüstung den Winter am besten übersteht.

Auszeit für das Zelt: So überwintert das mobile Zuhause am besten

Nach der Reise das Zelt schnell eingepackt ins Kellerregal gelegt? Dann werden Sie keine Freude haben, wenn Sie es ein paar Monate später wieder auspacken: Schmutz und Wasserreste sorgen für Schimmel und unangenehme Gerüche. Daher sollten Sie das Zelt nach der Reise unbedingt ein paar Tage geöffnet im Keller stehen lassen, Außenzelt, Vorzelt und Innenzelt am besten voneinander trennen.

Pflege der Campingausrüstung - Zelt trockenen lassen

Nach Ihren Campingausflug sollten Sie das Zelt unbedingt ein paar Tage geöffnet im Keller stehen lassen. Sonst bilden sich schnell Schimmel und unangenehme Gerüche.

So kann alles für sich ganz in Ruhe trocknen. Schütteln Sie die einzelnen Elemente aus, wenn sie getrocknet sind, sodass Sand, Erde und hartnäckige Ameisen herausfallen. Reinigen Sie Zeltgurte und Heringe und überprüfen Sie alle Nähte. Notfalls müssen kleinere Löcher direkt geflickt werden. Es ist auch empfehlenswert, die Außenplane des Zeltes zu imprägnieren. Vor allem dann, wenn das Zelt während der Reise nicht ganz wasserdicht war, ist dies ein Muss.

Waschgang für den Schlafsack

Dem Schlafsack sollten Sie in den Wintermonaten einen ordentlichen Waschgang gönnen. Auch wenn die Nächte im Zelt kalt sind: Spuren von Schweiß oder Cremes im Schlafsack lassen sich nicht vermeiden. Für das Material, vor allem für Daunen, ist das natürlich ein Todesurteil. Die Isolation ist nicht mehr gewährleistet. Ein Schlafsack sollte aber tatsächlich nicht immer direkt gewaschen werden. Versuchen Sie erst einmal, die unangenehmen Gerüche durch Lüften aus dem Schlafsack rauszubekommen. Vorbeugend kann man auch Schlafsack-Inlets benutzen. Diese schützen vor Schweiß, Creme und Co. und können viel einfacher gewaschen werden als ein großer Schlafsack.

Manchmal aber wird der Schlafsack so sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass er dringend einen Waschgang nötig hat. Bei Kunstfaser-Schlafsäcken ist das weniger ein Problem als bei Daunen. Achten Sie immer auf die Herstellerangaben. Ihren Schlafsack sollten Sie stets mit der Hand waschen oder direkt zu einem Wäscheservice geben. Die heimische Badewanne ist aber meist auch ausreichend. Drehen Sie dafür den Schlafsack auf links, vor allem bei wasserabweisenden Modellen ist das ganz wichtig. Schließen Sie außerdem alle Reißverschlüsse, Kordeln und Knöpfe.

Bei Daunenschlafsäcken ist ein spezielles Daunenwaschpulver zu empfehlen – und verwenden Sie niemals Weichspüler! Wichtig: Wringen und knoten Sie den Schlafsack in der Wanne nicht, lassen Sie das Wasser und das Waschmittel gut einwirken und spülen Sie danach mit kaltem Wasser nach, bis nichts mehr schäumt und wirklich keine Waschmittelrückstände zu befürchten sind.

Den nassen Schlafsack sollten Sie auf keinen Fall auswringen. Stellen Sie am besten einen Wäscheständer in die Badewanne und legen den Schlafsack quer darüber. Hängen Sie den Schlafsack nicht an einem Ende auf. So verteilt sich die Füllung ungleichmäßig. Am besten trocknet der Schlafsack an der frischen Luft, direkte Sonneneinstrahlung sollte aber vermieden werden.

Pflege von Isomatten

Isomatten sind wohl die unkompliziertesten Utensilien beim Campen. Um die Camping-Matratze zu reinigen, reichen bereits ein Schwamm und warmes Wasser aus. Nach dem Urlaub sollte auch die Matte noch einige Tage von der frischen Luft profitieren. Lassen Sie sie also ausgerollt liegen und öffnen Sie die Ventile.
Sie sehen: Es gibt viele Regeln, um die Campingausrüstung nach dem Urlaub richtig zu pflegen oder währenddessen zu reparieren. Ein wenig Pflege-Know-how ist also hilfreich und ein Reparaturset sollte bei Ihrem Ausflug unbedingt dabei sein. Denn dann klappt es auch mit den Ameisen.

Praktische Tipps und Ratgeber rund um den Campingurlaub: