BenQ W1110: Full-HD-Beamer im Test

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In Zeiten riesiger Flachbild-TV-Geräte erscheinen Beamer wie ein Relikt. Trotzdem haben die Geräte vor allem in Räumen, in denen ein großer Fernseher fehl am Platz wäre, nach wie vor ihre Berechtigung. Mit dem BenQ W1110 erhalten Beamer-Fans ein leistungsstarkes und erschwingliches Gerät. Wir haben den Beamer einem Test im heimischen Wohnzimmer unterzogen.

Ein Beamer von BenQ soll es diesmal sein. Weil der Fernseher zu klein ist und ohnehin schon lange nicht mehr richtig genutzt wird. Wenn, dann für Filme und Serien via iTunes (Link) und Netflix (Link), denn das normale TV-Programm – nun, das ist inzwischen kaum noch zu ertragen. Mit dem BenQ W1110 darf ich als Heimkino-Nutzer nun also einen Beamer testen, obwohl ich ein solches Gerät eigentlich bislang nicht in Betracht gezogen hatte. Aus Zeiten der Jahrtausendwende sind mir Beamer noch in übelster Erinnerung: zu laut, zu teuer, ein dunkles Bild mit niedriger Auflösung dank Composite oder VGA – und ständig war die Lampe kaputt.

BenQ Beamer im Test: Inbetriebnahme ein Kinderspiel

Doch immer der Reihe nach: Beginnen wir mit der Inbetriebnahme. Nach dem Auspacken – im Lieferumfang befindet sich neben dem Gerät selbst nur ein Stromkabel und eine Fernbedienung, eine Kurzanleitung sowie eine CD-ROM mit dem vollständigen Handbuch als PDF – muss der in elegantem Weiß gehaltene Heimkino-Beamer lediglich mit dem Stromnetz verbunden werden.

BenQ Test Beamer

Kinoerlebnis in den eigenen vier Wänden: Der BenQ W1110 benötigt nur 2,5 Meter Abstand, um eine Bildfläche von 100 Zoll darzustellen.

Anschließend wird natürlich noch eine Quelle benötigt. Hier zeigt sich der Beamer von BenQ anschlussfreudig, vorbei die Zeiten lausiger VGA- oder Composite-Eingänge, die aber ebenfalls noch vorhanden sind. Zwei HDMI-Buchsen stehen für Video- und Bildmaterial in Full-HD-Auflösung zur Verfügung, außerdem kann der Beamer per Component-Video Kontakt zu Videogeräten aufnehmen. Die zwei USB-Buchsen, eine von Typ-A und eine von Typ-B, sind leider nur beschränkt nutzbar. Die kleine ist ausschließlich für Wartungszwecke vorgesehen, die große erlaubt die Stromversorgung von Mediengeräten über den USB-Anschluss. Damit lässt sich zum Beispiel Amazons FireTV-Stick dauerhaft am Beamer installieren, gleiches gilt für Chromecasts oder kleine Multimedia-PCs Marke Raspberry Pi, was im Zusammenspiel mit dem Mediacenter Kodi recht interessante Nutzungsszenarien ermöglicht. Und wer wirklich alte Geräte wie einen Videorekorder besitzt, kann diese natürlich noch mit dem Composite-Anschluss per Scart-Adapter an den Beamer hängen. Der BenQ W1110 durchläuft ein kurzes, vierschrittiges Setup, in dessen Rahmen auch die automatische Quellensuche aktiviert werden kann. Anschließend erkennt er ohne Weiteres das für den Test angeschlossene Macbook und den FireTV-Stick. Die Quellenauswahl erfolgt bequem über eine Source-Taste an der Fernbedienung oder am Gerät. Insofern ist die Einrichtung ein Kinderspiel.

BenQ W1110 im Test: Hell, scharf und brillante Farben

Doch wie schaut es mit dem Bild aus? Kann der BenQ W1110 meine alten Vorurteile gegenüber dieser Geräteklasse aus der Welt schaffen? Dazu zunächst ein Blick auf die technischen Daten: Der BenQ Beamer leuchtet mit satten 2.200 Lumen und einem Kontrastverhältnis von 10.000:1 – das reicht aus, um auch anspruchsvolle Gemüter in Sachen Leuchtkraft zu beeindrucken.

BenQ W1110 Beamer

Film- und Multimedia-Spaß im Wohnzimmer: Mit Full HD (1080p), einem maximalen Kontrast von 10.000:1 und einer hohen Lichtstärke von 2.200 Lumen sorgt der W1110 für eine Bildqualität, wie man sie sich wünscht.

Tatsächlich ist es sogar möglich, bei indirektem Tageslicht einen Film zu schauen – die Leuchtkraft reicht hierfür aus. Abhängig von der Entfernung zur Leinwand nimmt die Leuchtkraft natürlich ab. Trotzdem zeigt der Beamer selbst auf über 5 Metern Entfernung zur Projektionsfläche bei einem dunkleren (nicht: abgedunkelten!) Raum mit einem Nordfenster noch eine hervorragende Strahlkraft – und ein Bild mit einer Größe von umgerechnet 170 Zoll! Da werden natürlich auch bei Full-HD-Auflösung (1.920 x 1.080 Pixel), die von den HDMI-Quellen unterstützt wird, Pixel sichtbar, sodass auf solche Entfernungen und „Bildschirmgrößen“ eigentlich ein derzeit unerschwinglicher 4K-Projektor sinnvoller wäre. In meinem typisch deutschen Dreizimmerwohnungs-Wohnzimmer mit maximal drei bis vier Metern Entfernung zwischen Beamer und Wand ist das Bild jedoch bereits gigantisch (ca. 120 bis 140 Zoll), zudem erlaubt eine Zoom-Funktion direkt neben dem Fokus-Rad an der Linse sowie eine dreistufige „Überscan“-Option im Menü eine Feinjustierung der Bildgröße. Hell und kontrastreich ist das Bild auf diese Entfernung außerdem und kann sich durchaus mit einem modernen TV-Gerät oder Computerbildschirm messen. Insofern bin ich diesbezüglich begeistert.

BenQ Beamer

Komfortabel: Lens Shift und der 1,3-fache Zoom erlauben viel Flexibilität bei der Anpassung, ohne den Beamer von BenQ physikalisch zu bewegen.

Netflix und der erweiterte Desktop des Macbooks strahlen vom BenQ W1110 an die Wand geworfen sogar deutlich heller und farbkräftiger als an meinem alten Philips-TV oder dem Retina-Display des Macbooks. Hier zeigt der BenQ Beamer, dass Beamer seiner Preisklasse – 1.099,- Euro unverbindliche Preisempfehlung sind natürlich ein Wort – in Sachen Bildqualität den Vergleich mit anderen Technologien nicht länger zu scheuen brauchen.

BenQ W1110 im Test: Typisches Betriebsgeräusch

Anders hingegen bei der Tonqualität: Natürlich besitzt der BenQ Beamer einen Lüfter, um die starke Lampe zu kühlen. Das schlägt sich in einem permanenten Betriebsgeräusch nieder, das je nach Abstand zum Beamer durchaus störend sein kann. Zwar ist das Gerät eher leise, der Geräuschpegel ist jedoch Beamer-typisch und der Lüfter deutlich zu hören. Damit schneidet er – wie alle Beamer – in meinem persönlichen Vergleich mit den völlig ohne Betriebsgeräusch arbeitenden TV-Geräten oder Monitoren eher schlecht ab.

Beamer-Fans dürften das Gerät aber sicherlich so installieren, dass sich die Belästigung durch den Lüfter in Grenzen hält. Echte Heimkino-Fans, die mit dem Gerät einen riesigen Bildschirm simulieren möchten, werden ohnehin eine Surround-Anlage anhängen und entsprechend lautstark Filme genießen, was das Beamer-Betriebsgeräusch in den Hintergrund drängt.

BenQ Beamer im Test: Klangqualität? Nun…

Apropos Anlage: Der Beamer von BenQ besitzt einen eingebauten Lautsprecher mit 10 Watt und einem elektronischen Audio-Enhancer, der vom Marketing vollmundig als „CinemaMaster Audio+“ beworben wird. Solche Versprechen sind in der Regel nicht wirklich glaubwürdig, auch beim BenQ W1110 kann von Kinoqualität keine Rede sein. Immerhin: Laut ist er, der Lautsprecher, und die Klangqualität geht zumindest für einfache Filme und Serien mit wenig Knalleffekt durchaus in Ordnung. Sobald aber Bässe, Michael-Bay-Soundeffekte oder Musik im Spiel sind, hört man schnell, dass der Beamer kein echtes Audio-Talent ist. Sicher: Für den Tatort am Sonntag oder die romantische Komödie der Freundin reicht der Speaker völlig aus. Wer sich jedoch Männerfilme Marke Godzilla oder Pacific Rim auf Großbild anschauen will, tut gut daran, die Quelle oder den Beamer an eine Stereoanlage zu klemmen. Heimkino-Enthusiasten, die sich in dieser Preisklasse mit einem Beamer ausstatten, dürften aber ohnehin schon eine Surround-Anlage im Wohnzimmer stehen haben.

Heimkino-Beamer Test BenQ

Kinderleicht: Zur Erstinsatallation folgen Sie einfach Schritt für Schritt den visualisierten Instruktionen der Set-Up-Funktion. Bevor Sie es merken, werden Sie schon fertig sein!

Fazit: Ein hervorragender Beamer für Ihr Heimkino

Konnte mich der BenQ im Test vom Konzept Beamer überzeugen? Nun: Was mich nach wie vor stört sind Lüfter, Stromverbrauch und die teuren Lampen, die nach einer gewissen Betriebszeit den Geist aufgeben. Wer allerdings einen erschwinglichen Heimkino-Beamer braucht, dürfte mit dem BenQ W1110 glücklich werden: Die Bildqualität ist dank Full-HD, enormer Helligkeit und einem hervorragenden Farbkontrast beeindruckend. Eine optimale Darstellung wird erzielt, wenn das Gerät etwa 2,5 Meter von der Leinwand entfernt ist. Dann entspricht das Bild einem 100-Zoll-TV und ist dabei klar, scharf und hell. In Verbindung mit dem hervorragenden Bildkontrast sorgt der BenQ W1110 selbst in kaum abgedunkelten Räumen für Freude beim Filmeschauen. Als gut konstruiertes und durchdachtes Gerät ist er auch in Sachen Bedienung intuitiv und selbst für Einsteiger ohne Weiteres nutzbar.

Lesetipp der Redaktion: Blu-rays abspielen, Playstation zocken, CDs hören oder den Tatort im Fernsehen anschauen: Zu einem modernen Heimkinosystem gehört nicht nur ein tolles Bild, sondern auch ein Spitzensound. Und genau hier kommt der AV-Receiver ins Spiel. Wir erklären, was die Geräte draufhaben und wie man sie optimal anschließt.

Lesetipp der Redaktion: Sie glauben, dass professionelle Beamer klobig, schwer und vor allem teuer sein müssen? Falls ja, dann kennen Sie den PocketCinema A100W von Aiptek noch nicht. Der Mini-Beamer mit dem schicken weißen Klavierlackgehäuse ist nicht nur ein Schnäppchen, sondern vor allem ein mobiler Alleskönner.