Aiptek GS 372 im Test: Die Kamera im Rückspiegel

0

Mit der GS 372 geht Aiptek in Sachen Dashcams neue Wege und integriert die Autokamera direkt in den Rückspiegel. Wir haben die Dashcam getestet und überprüft, wie gut die Aufzeichnung der Fahrt in der Praxis funktioniert.

Wenn es auf der Straße kracht, steht bei der Unfallanalyse oft Aussage gegen Aussage: Wer nun wirklich Schuld am Blechschaden ist, lässt sich in vielen Fällen nicht ermitteln. Genau diesen Umstand sollen Dashcams klären. Die Kameras werden im Auto angebracht und zeichnen jede Fahrt als Video auf. Neben der Aufklärung von Unfällen (dazu später mehr) eignen sich Dashcam-Aufnahmen aber auch zur Aufzeichnung besonders schöner Fahrstrecken im Urlaub.

Aiptek GS 372: Full HD (1920 x 1080p) Dashcam

Die GS 372 von Aiptek bricht vor allem optisch mit typischen Dashcam-Konventionen: Statt einer separaten Kamera, die auf dem Armaturenbrett oder an der Windschutzscheibe befestigt wird, integriert Aiptek die Kameralinse in einen Rückspiegel. Dieser wird über den bereits eingebauten Rückspiegel gesteckt und sorgt dafür, dass die Kamera dauerhaft und vor allem unauffällig im Auto belassen werden kann.

Aiptek

Die GS 372 ist eine Full HD Rückspiegel-Dashcam . Auf den ersten Blick sieht die Kamera wie ein gewöhnlicher Rückspiegel aus, steckt aber voller technischer Innovationen.

Die kleine Linse auf der Rückseite des Spiegels kann dabei manuell ausgerichtet werden, die Bedienung der Kamera erfolgt über Tasten auf der Vorderseite. Hier befindet sich auch ein kleines Display, über das die Ausrichtung der Kamera geprüft sowie die Einstellungen gesteuert werden.

Aiptek GS 372: Einfache Installation mit kleinen Tücken

Die Rückspiegel-Kamera kann über eine Klammer-Konstruktion auf der Rückseite einfach auf den eingebauten Rückspiegel gesteckt werden, was in meinem Test hervorragend funktionierte. Wer die Kamera nicht sichtbar im Auto lassen möchte, kann sie mit einem Handgriff mitnehmen oder im Handschuhfach verstauen.

Durch das Rückspiegel- Design passt GS 372 perfekt in Ihr Auto und wird einfach über den vorhandenen Rückspiegel geklemmt wodurch die Windschutzscheibe frei bleibt.

Durch das Design passt die GS 372 perfekt in Ihr Auto und wird einfach über den vorhandenen Rückspiegel geklemmt wodurch die Windschutzscheibe frei bleibt.

Die praktische Montagelösung kann in der Praxis aber auch ein Problem sein. Zwar sorgt die Klammer für einen stabilen Halt auf dem vorhandenen Spiegel, dieser kann aber unter Umständen durch das zusätzliche Gewicht von rund 290 Gramm seine Position verlieren. Wer außerdem bereits einen Spiegel mit Computerfunktionen im Auto hat (beispielsweise zur Steuerung des Navis oder zur Anzeige von Fahrtinfos), muss bei der Suche nach einer Dashcam ohnehin eine Alternative ins Auge fassen, will er die Funktionen nicht verlieren. Der „neue“ Rückspiegel ist zudem leicht getönt, was nicht jedermanns Sache sein dürfte. Mich hat es aber weder bei Sonne noch bei Dunkelheit gestört.

Aiptek GS 372: microSD-Karte wird leider nicht mitgeliefert

Ist der Spiegel angebracht, nimmt die Kamera standardmäßig alle Fahrten automatisch auf. Alternativ kann in den Einstellungen festgelegt werden, dass die Kamera erst startet, wenn eine Bewegung registriert (was gut funktioniert) oder die Aufnahme manuell gestartet wird. Anstatt eines durchgängigen Videos unterteilt die GS 372 die Aufnahmen automatisch in drei Minuten lange Clips. Diese werden nach und nach auf einer (nicht mitgelieferten!) microSD-Karte gespeichert, die bis zu 32 Gigabyte fasst. Sobald die Karte voll ist, überschreibt die Kamera automatisch den jeweils ältesten Clip. Auf einer 8 Gigabyte großen Speicherkarte wird rund 50 Minuten Filmmaterial aufgenommen, bevor alte Clips überschrieben werden. Die Aufnahmezeit lässt sich verlängern, indem man die Videoauflösung schrittweise reduziert, was jedoch zulasten der Bildqualität geht.

Mein Tipp: Lieber gleich in eine größere microSD-Karte investieren – ein paar Euro sollte es wert sein, dass eine Beweisführung nicht an schwammigen Bildern scheitert! Die Aufnahmen können jederzeit vor dem Löschen geschützt werden, was im Ernstfall auch vollautomatisch passiert (mehr dazu später). Die GS 372 bietet einen integrierten Akku, der im Praxistest rund anderthalb Stunden durchhält – optimal für die Kurzfahrt zum Supermarkt. Auf längeren Touren kann der Akku über das mitgelieferte Mini-USB-Kabel per Zigarettenanzünder geladen werden.

Aiptek GS 372 überzeugt mit guter Videqualität

Die Videoqualität ist für den Einsatzzweck absolut ausreichend. Standardmäßig zeichnet die Kamera in Full HD mit 60 Bildern pro Sekunde auf und liegt qualitativ ungefähr auf dem Niveau aktueller Mittelklasse-Smartphones. Soll heißen: Die Videos sind scharf, Details sind gut zu erkennen und auch die Kennzeichen anderer Autofahrer lassen sich sehr gut ablesen. Naturgemäß leidet die Aufnahmequalität bei Nachtfahrten und schlechtem Wetter, die direkte Umgebung vor dem eigenen Auto lässt sich aber mit eingeschalteten Scheinwerfern stets gut erkennen. Der Aufnahmewinkel beträgt 130 Grad, sodass auch Szenen am Rand des Blickfelds sehr gut eingefangen werden. Einen optischen Bildstabilisator bietet die Kamera nicht, sodass die Videos durchaus holprig sein können, was in der Praxis aber kaum stört. Gespeichert werden die Clips im geläufigen MOV-Format, mit dem so gut wie alle Mediaplayer zurechtkommen.

In das Glas des Rückspiegels ist ein 2,7 Zoll großes Display eingelassen, welches das Vorschaubild für die Aufnahmen anzeigt.

Aiptek GS 372: In den Rückspiegel ist ein 2,7 Zoll großes Display eingelassen, welches das Vorschaubild für die Aufnahmen anzeigt.

Kurz: In Sachen Videoqualität macht die Aiptek GS 372 eine gute Figur. Wer seine Dashcam dafür nutzen möchte, im Urlaub die Fahrt entlang einer idyllischen Küstenstraße zu dokumentieren, kann durchaus auf das Material der Aiptek-Dashcam zählen – wobei es natürlich aus den 3-Minuten-Clips zusammengestellt werden muss.

Aiptek GS 372: Durchdachte Extras und halbgare Gimmicks

Neben der reinen Videoaufnahme hat Aiptek in den Einstellungen der GS 372 eine Reihe praktischer Extras untergebracht, etwa eine automatische Unfallerkennung. Registriert die Dashcam eine Erschütterung, sichert sie die aktuelle Aufnahme in einem geschützten Bereich der SD-Karte, der im weiteren Verlauf der Fahrt nicht überschrieben wird. So ist sichergestellt, dass brenzlige Situationen nicht gelöscht werden. Das funktioniert erfreulich gut: Bei der voreingestellten mittleren Empfindlichkeit führt zum Beispiel schon eine ruckartige Bremsung dafür, dass die Clips geschützt gesichert werden; bei hoher Empfindlichkeit genügt dafür sogar schon eine Fahrt über ein Kopfsteinpflaster. Die (hoffentlich nur vermeintlichen) Unfall-Videos lassen sich bei Bedarf jederzeit anschauen und natürlich auch mit einem Klick löschen, wenn nichts passiert ist.

Genaue Ortsbestimmung: Mit dem optional erhältlichen GPS Receiver wird die GS 372 um eine interessante Funktion erweitert.

Genaue Ortsbestimmung: Mit dem optional erhältlichen GPS Receiver wird die GS 372 um eine interessante Funktion erweitert.

Weniger begeistert war ich bei meinen Probefahrten von der Schildererkennung. In der Theorie soll die Dashcam Schilder mit Tempolimits erkennen und die aktuelle Geschwindigkeitsbegrenzung im Display einblenden. Praktisch ist die Erkennung aber sowohl in der Stadt als auch auf Autobahnen und Landstraßen eher Glücksache – erst recht im Dunkeln. Hier machen die meisten Navis einen besseren Job. Ebenfalls mehr Gimmick als praktisches Extra ist der Hinweis auf das Einschalten der Scheinwerfer bei Dunkelheit, der aber immerhin zuverlässig funktioniert. Über einen separat erhältlichen GPS-Sensor (Kostenpunkt: rund 40 Euro) werden zusätzlich Infos wie die aktuelle Geschwindigkeit und die Position im Video integriert – dieses Feature konnte ich allerdings nicht testen.

Dashcams: Was ist erlaubt?

Unabhängig vom praktischen Nutzen einer Dashcam im Auto ist derzeit nicht endgültig geklärt, ob und in welchem Umfang Dashcam-Aufnahmen in Streitfragen vor Gericht überhaupt als Beweis anerkannt werden. Bislang gibt es nämlich nur Einzelfallentscheidungen diverser Gerichte, die zu unterschiedlichen Schlüssen kommen. Besonders interessant ist dabei die Entscheidung des Landgerichts Nienburg aus dem Jahr 2015, das eine Dashcam-Aufzeichnung als Beweismittel zuließ. Der Grund: Die Aufnahme dauerte nur rund 5 Minuten und wurde kurz vor dem behandelten Vorfall gestartet – hier könnten sich die 3-Minuten-Videos der Aiptek-Kamera im Zweifel als nützlich erweisen.

Rein datenschutztechnisch sind Dashcam-Aufnahmen hingegen absolut umstritten, da aufgenommene Dritte – also andere Verkehrsteilnehmer – schließlich nicht um Erlaubnis gefragt werden. Bei YouTube und Co. dürfen die Videos grundsätzlich auf keinen Fall veröffentlicht werden, die Aufzeichnung von Fahrten für die rein private Nutzung ist hingegen erlaubt. Weitere Infos zur Legalität von Dashcams in Deutschland sowie aktuelle Urteile präsentiert der ADAC auf einer eigens eingerichteten Infoseite (Link). Neben der rechtlichen Situation in Deutschland wird dabei auch der Dashcam-Einsatz im Ausland beleuchtet.

Fazit: Das Dashcam-Konzept geht auf

Insgesamt hat mich der Dashcam-Rückspiegel von Aiptek überzeugt. Die GS 372 zeigt sich im Test als benutzerfreundlich und liefert eine gute Videoqualität. Die kontinuierliche Aufnahme reduziert den Einrichtungsaufwand auf ein Minimum und macht die Fahrtenaufzeichnung zum Kinderspiel, außerdem überzeugt die Videoqualität.

Die Clip-Einteilung erhöht zudem die Chancen, die Aufnahmen im Ernstfall vor Gericht einsetzen zu können. Selbst ohne die Garantie, dass mir ein solches Video im Zweifelsfall weiterhilft, ist es mir dennoch lieber, eine Aufnahme zu besitzen. Mit einem Preis von über 100 Euro gehört die Aiptek-Dashcam nicht zu den billigsten Vertretern ihrer Zunft, ist allerdings vergleichsweise einzigartig. Wer auf der Suche nach einer unauffälligen und zuverlässigen Dashcam ist, sollte die GS 372 auf jeden Fall in Erwägung ziehen.